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Das Kaffeedurst-Gen

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Wer gerne viel Kaffee trinkt, hat vielleicht die genetische Veranlagung dazu. (Foto: Alija/iStock)
Die Lust auf viel Kaffee ist im Erbgut verankert. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer Studie US-amerikanischer Forscher hin: Sie haben Variationen zweier Erbanlagen identifiziert, die typischerweise bei Menschen mit hohem Koffeinkonsum vorkommen. Die Gene beeinflussen vermutlich die Abbaurate des Wachmacherstoffs im Körper. Genau darin sehen die Forscher auch den Zusammenhang zum Trinkverhalten: Bei entsprechend veranlagten Menschen verschwindet das Koffein sehr schnell wieder aus dem Körper, und sie benötigen neues, um die anregende Wirkung zu spüren. So schenken sie sich immer wieder neuen Kaffee ein, um die Koffeinwirkung aufrecht zu erhalten.

Beim Koffein scheiden sich die Geister: Manchen Menschen zittern schon nach einer Tasse Kaffee die Hände, andere trinken dagegen den ganzen Tag über koffeinhaltige Getränke, sogar direkt vor dem Schlafen gehen. Studien mit eineiigen Zwillingen haben bereits gezeigt, dass dabei weniger die Gewohnheit, sondern eher die Veranlagung eine Rolle spielt. Welche Erbanlagen dafür verantwortlich sind, war allerdings bisher unklar. Diesem Zusammenhang wollten die Forscher mit ihrer Studie nachgehen. Dazu verglichen sie die genetischen Profile von über 47.000 Personen, von denen auch der Koffeinkonsum bekannt war.

Diese statistischen Analysen förderten zwei Erbanlagen zutage, die bei den Menschen mit dem höchsten Koffeinverbrauch besonders häufig in einer bestimmten Version vorlagen. Es gibt bereits Hinweise, dass diese Gene eine Funktion in der Leber besitzen: Wahrscheinlich sind sie an Stoffwechselprozessen beteiligt, die zum Abbau von Koffein beitragen, vermuten die Forscher. Welche Rolle genau sie allerdings im Stoffwechsel übernehmen, sollen weitere Studien zeigen.

Koffein hat viele unterschiedliche Effekte auf den Körper, die von Mensch zu Mensch verschieden sind, sagen die Wissenschaftler. Es macht nicht nur wach und treibt den Stoffwechsel an, bei vielen verbessern Kaffee und Co auch die Laune. Sie trinken daher Kaffee, weil sie sich dadurch wohler fühlen oder besser arbeiten können. Wie viel Koffein sie dazu benötigen, sei den Ergebnissen zufolge vermutlich weniger eine Kopfsache, sondern eher eine Frage des Koffeinstoffwechsels in der Leber: Lässt die genetische Veranlagung eines Menschen den anregenden Stoff schnell verschwinden, muss das der erhöhte Konsum von Kaffe, Tee oder Cola offenbar ausgleichen, so die Vermutung der Forscher.

Über ihre Studie berichten die Wissenschaftler um Marilyn Cornelis von der Harvard School of Public Health in Boston im Fachmagazin „Plos Genetics“ (doi:10.1371/journal.pgen.1002033). © wissenschaft.de – Martin Vieweg

 

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