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Nachgefragt Umwelt+Natur

Was prägte die Nasenformen?

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Die Nase im Fokus. (Foto: alexvav/iStock)
Groß, breit, lang… Warum unterscheiden sich die Nasen-Formen zwischen Menschen verschiedener Herkunft in typischer Weise? Einer Studie zufolge hat das Klima, in dem sich eine Menschengruppe ursprünglich entwickelt hat, die Merkmale der Nase geprägt. In der Regel gilt demnach: Breite Nasen sind typisch für warm-feuchte Klimazonen, während schmalere Nasen häufiger in kalt-trockenen Klimazonen entstanden sind.

Südeuropäer sehen bekanntlich etwas anders aus als Menschen aus dem Norden und Eurasier, Asiaten und Afrikaner unterscheiden sich ebenfalls: Menschen verschiedener Herkunft haben bestimmte gemeinsame Merkmale – das gilt auch für die Form ihrer Nasen. Dieser Unterschied könnte sich in den Populationen im Laufe der Zeit als  genetischer Drift entwickelt haben, heißt es. Es handelt sich dabei um einen Prozess der Merkmalsveränderung, der zufällig erfolgt. Allerdings könnte auch natürliche Selektion verantwortlich gewesen sein: Bestimmte Merkmale waren in der jeweiligen Umwelt vorteilhaft und verschafften ihren Trägern dadurch letztlich mehr Nachkommen. Die Forscher um Mark Shriver von der Pennsylvania State University in State College sind der Frage nachgegangen, welche der beiden möglichen Prozesse eher die Entwicklung der Nasen-Formen geprägt haben könnte.

Natürliche Selektion oder nur Drift?

„Wir interessieren uns für die jüngste menschliche Evolution und was den Variationen bei Hautfarbe, Haarfarbe und den Merkmalen des Gesicht zu Grunde lag“, sagt Shriver. „In dieser Studie haben wir uns auf den möglichen Zusammenhang zwischen Nasenmerkmalen und der geographischen Variation in Bezug auf Temperatur und Feuchtigkeit konzentriert. Denn eine wichtige Funktion der Nase und der Nasenhöhle ist es, die Luft anzupassen, bevor sie die unteren Atemwege erreicht“, erklärt Shriver.

Für ihre Untersuchung führten sie eine Vielzahl von Nasenmessungen bei Menschen durch, deren Wurzeln in unterschiedlichen Regionen der Erde liegen. Sie erfassten beispielsweise die durchschnittliche Breite der Nasenlöcher, den Abstand zwischen den Löchern, die Nasenrückenlänge und so weiter. Die Messungen wurden mittels 3D-Gesichtsbildgebung durchgeführt.

In den Auswertungen der Ergebnisse zeichnete sich ab: Die Größe der Nasenlöcher und die Breite der Nase war zwischen den unterschiedlichen Populationen ausgeprägter, als es durch genetische Drift erklärbar wäre. Dies deutet den Forschern zufolge klar auf einen Effekt der natürlichen Selektion bei der Evolution der Nasenformen beim Menschen hin. Um zu zeigen, dass das lokale Klima zu diesem Unterschied beigetragen hat, untersuchten die Forscher die räumliche Verteilung dieser Eigenschaften und korrelierten sie mit den lokalen Temperaturen und der Feuchtigkeit. Dabei zeichnete sich ihnen zufolge ab, dass die Breite der Nasenlöcher mit der Temperatur und der absoluten Feuchtigkeit verknüpft ist.

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Kaltes Klima – schmale Nase

Wie die Forscher erklären, erscheint der Zusammenhang durchaus plausibel: Die Aufgabe der Nase ist es, inhalierte Luft durch den Kontakt mit der Schleimhaut warm und feucht zu machen. Schmale Nasenlöcher sind dabei effektiver. Wahrscheinlich war dieses Merkmal in kaltem und trockenem Klima so wichtig, dass es zu Selektionsprozessen kam, sagt Shriver. Konkret: Menschen mit schmaleren Nasenlöchern überlebten etwas besser in den kälteren Klimazonen und hatten somit mehr Nachkommen als Menschen mit breiteren Nasenlöchern. Dies führte zu einer allmählichen Abnahme der Nasenbreite in Populationen, die weit weg vom Äquator leben, so die Erklärung.

Den Forschern zufolge könnte allerdings noch ein zweiter Effekt hinzugekommen sein: Die sexuelle Selektion. Menschen bestimmter Populationen könnten kleinere beziehungsweise größere Nasen als attraktiv empfunden haben. Im Laufe der Zeit hat sich die Nasengröße dadurch ebenfalls angepasst. Die Vorstellungen von Schönheit könnten allerdings wiederum auch damit verknüpft gewesen sein, wie gut die Nasenform an das jeweilige lokale Klima angepasst war. Weitere Untersuchungen könnten nun der Frage nachgehen, ob sich natürliche Selektion und sexuelle Auswahl im Fall der Nase gegenseitig verstärken haben, sagen die Forscher.

Originalarbeit der Forscher: PLoS Genet 13(3): e1006616. doi:10.1371/journal.pgen.1006616

Wenn Sie auch eine Frage oder einen Themavorschlag für unsere Rubrik „Nachgefragt“ haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: fragen@wissenschaft.de

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