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Umwelt+Natur

Das Vermächtnis der "Exxon Valdez"

Noch heute belastet Öl aus dem vor 17 Jahren havarierten Tanker „Exxon Valdez“ die Küstengebiete Alaskas. Das haben amerikanische Chemiker bei Bodenproben im Prince William Sound im Süden Alaskas entdeckt, wo der Tanker im März 1989 auf ein Riff lief. Unerwartet stark betroffen sind dabei nach Angaben der Forscher die Gezeitenzonen, in denen Tiere wie Enten und Seeotter nach Nahrung wühlen. Da diese Gebiete nur wenig dem Wetter ausgesetzt sind und sich das Öl dementsprechend langsam zersetzt, könnte es die Umwelt in den Küstenstreifen noch jahrezehntelang beeinflussen, glauben Jeffrey Short und seine Kollegen.

Insgesamt untersuchten Short und sein Team 662 Proben von 32 Küstenstreifen auf Knight Island, einer Insel in der Nähe der Hafenstadt Valdez, von der aus die Exxon Valdez zu ihrer Unglücksfahrt aufgebrochen war. An 14 der 32 getesteten Strände konnten die Forscher sowohl an der Oberfläche als auch vergraben in Sand und Schlick Öl aus dem Tanker nachweisen. Short schätzt, dass immer noch etwa zehn Kilometer der Küste Alaskas belastet sind und sich von den ursprünglich ausgelaufenen über 40 Millionen Litern Rohöl noch etwa 100.000 Liter in den Küstengebieten und Gewässern befinden.

Nach Ansicht der Wissenschaftler beeinträchtigen diese Ölreste auch heute noch die Tierwelt der Küstengebiete. So fand sich etwa die Hälfte des Öls im unteren Bereich der Gezeitenzone, der außer bei sehr niedrigem Wasserstand immer von Wasser bedeckt ist. In diesem Gebiet durchwühlen viele Tiere, darunter Seeotter und einige Enten, den Sand auf der Suche nach Muscheln und anderen Beutetieren. Die Forscher rechneten hoch, dass ein Otter bei der aktuellen Ölbelastung mindestens einmal alle zwei Monate mit dem Öl in Berührung kommt, wenn er jeden Tag lediglich drei Mal im Sand wühlt. Da Otter jedoch viele tausend Löcher im Jahr graben, liegen die tatsächlichen Zahlen wahrscheinlich sogar weit höher, vermuten die Wissenschaftler. Das erklärt ihrer Ansicht nach auch, warum sich die Otterpopulationen in vielen Bereichen des Prince William Sounds nur langsam oder gar nicht erholen.

Jeffrey Short ( National Marine Fisheries Service) et al.: Environmental Science & Technology, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1021/es0601134 S0013-936X(06)00113-1 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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