Dauerstress im Rattenhirn - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin Umwelt+Natur

Dauerstress im Rattenhirn

Stress kurz nach der Geburt verändert bei Ratten dauerhaft das Gehirn: Noch im Erwachsenenalter reagieren die Nervenzellen im Hippocampus der Tiere übersensibel auf Stresshormone ? mit der Folge, dass die für Lernen und Angstregulation zuständige Hirnregion bereits unter Dauerstress steht, wenn andere Ratten noch gar keine Stressreaktion zeigen. Das berichtet ein amerikanisches Forscherteam um Elizabeth Gould von der Princeton-Universität in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nn1290).

Bereits aus früheren Studien ist bekannt, dass sich das Verhalten von Ratten stark verändert, wenn sie kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden. Diese Verhaltensänderungen, darunter verstärkte Ängstlichkeit und eine verminderte Lernfähigkeit, bleiben bis ins Erwachsenenalter bestehen. Bislang war jedoch nicht bekannt, welche Veränderungen im Gehirn der Tiere dieses Verhalten verursachen. Es wurde jedoch vermutet, der Hippocampus könne eine Schlüsselrolle dabei spielen.

Um diese Frage zu klären, untersuchten Elizabeth Gould und ihre Kollegen diese Gehirnregion bei erwachsenen Ratten, die während ihrer ersten beiden Lebenswochen täglich längere Zeit von ihren Müttern getrennt worden waren. Tatsächlich zeigten sich deutliche Veränderungen: Im Hippocampus der gestressten Ratten bildeten sich deutlich weniger neue Nervenzellen als in dem normal aufgezogener Artgenossen.

Diese verminderte Nerven-Neubildung ist eine typische Stressreaktion, entdeckten die Forscher bei weiteren Versuchen. Sie setzt normalerweise jedoch nur dann ein, wenn eine gefährliche Situation akuten Stress und damit einen starken Anstieg der Stresshormone im Blut auslöst. Bei den als Kind gestressten Ratten dagegen reichte schon die auch ohne Stress ständig vorhandene geringe Menge an Stresshormonen aus, diese Reaktion auszulösen. Offenbar reagierten die Nervenzellen übersensibel auf die Stresshormone: Wurde die Hormonmenge nämlich künstlich erniedrigt, stoppte die Stressreaktion und es bildeten sich genauso viele neue Nervenzellen wie bei den Vergleichsratten.

Diese verringerte Menge neuer Nerven erkläre auch die beobachteten Verhaltensänderungen, schreiben die Forscher. Sie vermuten, dass auch beim Menschen Stress in der Kindheit ähnliche Auswirkungen haben könnte. So zeigten beispielsweise Frauen, die als Kind missbraucht wurden, häufig einen verkleinerten Hippocampus. Dies könne durchaus auf eine Verminderung der Nervenzellbildung zurückzuführen sein.

Anzeige

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Dia|ge|ne|se  〈f. 19; unz.; Geol.〉 langfristige Gesteinsverfestigung durch chemische u. physikalische Vorgänge; →a. Lithogenese ... mehr

Ha|lo|gen|koh|len|was|ser|stoff  〈m. 1; Chem.〉 Derivat des Kohlenwasserstoffs mit einem od. mehreren Halogenatomen als Substituenten

koh|len|sau|er  〈Adj.; Chem.〉 den Säurerest der Kohlensäure enthaltend (Kalk, Natriumkarbonat)

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige