DDT im arktischen Fisch - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

DDT im arktischen Fisch

Gletscher
Im Eis vieler arktischer Gletscher sind langlebige organische Schadstoffe gespeichert. (Foto: Chaolik/iStock)

Auf den ersten Blick wirken die Gletscher des hohen Nordens rein und unberührt – doch das täuscht. In ihrem Eis sind Umweltgifte vergangener Jahrzehnte gespeichert. Durch den Klimawandel und das Tauen des Eises werden sie frei und reichern sich unter anderem in Fischen arktischer Flüsse an, wie nun eine Studie enthüllt. Das Problem: Gerade Kinder dieser Regionen könnten so gesundheitsschädliche Schadstoffmengen aufnehmen.

Das Problem ist schon länger bekannt: Durch globale Luftströmungen gelangen Schadstoffe selbst bis in die Arktis und lagern sich dort auf dem Eis ab. Im Laufe der Zeit reichern sich dadurch im Gletschereis des hohen Nordens erhebliche Mengen dieser langlebigen Chemikalien an. Selbst Substanzen, die wegen ihrer gesundheitsschädlichen Wirkung schon lange weltweit verboten sind, wie das Insektizid DDT und andere organische Schadstoffe, sind daher bis heute in der Arktis in erhöhter Konzentration zu finden.

Wie viele Schadstoffe werden mobilisiert?

Das Problem: Diese Schadstoffe bleiben nur so lange im Eis eingeschlossen, wie dieses auch gefroren bleibt. Doch durch den Klimawandel hat sich die Arktis bereits überproportional stark erwärmt und viele Gletscher schmelzen. Mit dem Schmelzwasser gelangen so auch die zuvor im Eis enthaltenen Substanzen in das Wasser der Flüsse und ins küstennahe Meer. Wie viel Schadstoffe jedoch durch diesen Prozess inzwischen freiwerden und wie gefährlich diese Mobilisierung für die Bewohner der arktischen Regionen ist, war bisher weitgehend unbekannt.

Jetzt haben Kimberley Miner von der University of Maine und ihre Kollegen diese schleichende Gefahr am Beispiel des Jarvis Creek in Alaska näher untersucht. Dieser vom gleichnamigen Gletscher der Alaskakette gespeiste Fluss liegt im Südosten des Bundesstaats und gehört zum Einzugsgebiet des Yukon River. In diesem Gebiet leben rund 1655 Familien – und viele davon ernähren sich vorwiegend von lokal gefangenem Fisch. Für ihre Studie analysierten die Forscher Eisbohrkerne und Schmelzwasser des Gletschers auf DDT und andere organische Schadstoffe und ermittelten auch die Belastung von Fischen im Jarvis Creek.

Risiko für Kinder mit hohem Fischkonsum

Ihre Auswertungen bestätigten, dass das Schmelzwasser des Gletschers das giftige Insektizid und auch andere Schadstoffe enthält. Beruhigend jedoch: Das Trinkwasser im Einzugsbereich des Jarvis Creek enthält nur winzige Spuren der Chemikalien. „Das Risiko durch direkten Konsum dieses Wassers sind daher sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern vernachlässigbar“, so die Forscher. Es sei daher nicht zu erwarten, dass das Krebsrisiko der Bewohner durch diese Kontamination ansteige.

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Anders sieht dies jedoch beim Verzehr von Fisch dieser Gewässern aus: Weil sich die langlebigen Umweltgifte in den Organismen anreichern, nehmen Menschen mit dem Fisch auch verstärkt DDT und Co auf. „Bei Kindern, die im Mittel nur 34 Gramm Fisch pro Tag essen, kann das Krebsrisiko daher über das akzeptable Limit steigen“, berichten Miner und ihre Kollegen. Das Risiko für Kinder ist höher als für Erwachsene, weil sie unter anderem ein geringeres Körpergewicht besitzen.

„Wir haben festgestellt, dass eine fischreiche Ernährung selbst angesichts der eher geringen Konzentrationen dieser Schadstoffe im Schmelzwasser der arktischen Gewässer ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellt“, konstatieren die die Wissenschaftler. Durch das zunehmende Abschmelzen der Gletscher könnten die Schadstoffgehalte im Wasser und damit auch in den Fischen zudem im Laufe der Zeit steigen. „Dieser sekundäre Effekt des Klimawandels wird die Kinder am stärksten treffen“, so Miner. Umso wichtiger sei es daher, dieses Problem künftig genauer zu überwachen.

Quelle: University of Maine, Fachartikel: Journal of Exposure Science & Environmental Epidemiology, doi: 10.1038/s41370-018-0100-7

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