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Delfine: Freunde kennen sich beim Namen

Befreundete männliche Delfine pflegen langjährige Allianzen: Sie unterstützen sich in verschiedenen Aspekten des Lebens – sogar beim „Gewinnen“ von Weibchen. (Foto: Simon J Allen at the Dolphin Alliance Project)

„Hallo, ich bin’s, Martin“: Bei einem Anruf melden wir uns mit unserem Namen, den wir in der Regel lebenslang lang tragen. Ähnlich ist das offenbar auch bei Delfinen, haben Forscher bei „Männerfreundschaften“ unter den Meeressäugern festgestellt. Verbündete Individuen entwickeln demnach nicht etwa gemeinsame Erkennungsrufe, sondern „melden“ sich bei Freunden durch einen individuellen Laut, den sie ihr Leben lang beibehalten. Es handelt sich demnach um eine Parallele zu den Namen beim Menschen, sagen die Forscher.

Delfine sind berühmt für ihre hohe Intelligenz, ihre komplexe Kommunikation und ihr hochsoziales Verhalten: Die Meeressäuger bilden untereinander sehr stabile Allianzen und unterstützen sich gegenseitig. Sie verständigen sich dabei über ein reiches Repertoire an Lauten, die sich weit in der Unterwasserwelt ausbreiten. Frühere Forschungen haben bereits nahegelegt, dass Delfine hochfrequente Pfeiflaute als eine Art „Namen“ nutzen, um sich vorzustellen und sich untereinander über große Distanzen unter Wasser identifizieren zu können.

Befreundete „Delfin-Männer“ belauscht

Das gilt auch im Fall der langjährigen kooperativen Partnerschaften, die von den männlichen Großen Tümmlern (Tursiops aduncus) bekannt sind. Unklar war allerdings, ob sich diese Erkennungslaute im Laufe der Zeit verändern. Es wäre möglich, dass befreundete Tiere ihre Töne einander anpassen – gemeinsame Erkennungslaute entwickeln. Dies ist von verschiedenen anderen sozial lebenden Tierarten bereits bekannt.

Der langjährigen Entwicklung der Kommunikation bei den Delfin-Männerfreundschaften haben die Forscher um Stephanie King von der University of Western Australia in Perth nun eine Studie gewidmet. Die Ergebnisse basieren auf der Auswertung der Lautäußerungen von 17 wildlebenden männlichen Tümmlern in der Shark Bay in Westaustralien, welche die Forscher über viele Jahre hinweg durch Unterwasseraufnahmen gesammelt haben. Anhand der Daten konnten sie die individuelle Stimmsignatur jedes Männchens ermitteln. Sie untersuchten dann die Identitätssignale innerhalb ihrer sehr engen Allianzen sowie innerhalb eines anderen Netzwerks ihrer Gemeinschaft.

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Der individuelle Ruf wird lebenslang beibehalten

„Wir haben festgestellt, dass männliche Große Tümmler, die langfristige kooperative Partnerschaften oder Allianzen eingehen, ihre individuellen Lautsignale oder Namen stets beibehalten“, berichtet King. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass diese Namen den männlichen Tieren helfen, ihre vielen verschiedenen Beziehungen im Auge zu behalten: Wer sind ihre Freunde, wer sind die Freunde ihrer Freunde und wer sind ihre Konkurrenten?“

Co-Autor Michael Krützen von der Universität Zürich kommentiert dazu: „Dies ist ein sehr ungewöhnlicher Befund. Denn es kommt bei Tieren oft vor, dass Paare oder Gruppen ihre Rufe einander annähern, um ihre Zugehörigkeit zu unterstreichen. Dies ist etwa der Fall bei einigen Papageien, Fledermäusen, Elefanten und Primaten. Bei männlichen Tümmlern ist das aber überraschenderweise nicht so: Jedes Männchen behält seinen eigenen, individuellen Ruf und unterscheidet sich damit von seinem Bündnispartner, auch wenn sie eine unglaublich starke Bindung zueinander entwickeln“, sagt Krützen.

King hebt abschließend hervor: „Neben dem Menschen scheinen bisher nur Delfine ihre individuellen Namen zu behalten, wenn es um die Bildung von engen und langen kooperativen Beziehungen geht“. Erneut werden sie damit also ihrem Ruf als uns verwandte Intelligenzen gerecht. Diesem spannendem Forschungsthema wollen die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen nun auch weiterhin treu bleiben.

Quellen: Cell Press, Universität Zürich, Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2018.05.013

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