Dem Aids-Erreger den Hahn abgedreht - wissenschaft.de
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Dem Aids-Erreger den Hahn abgedreht

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HI-Virus, das sich aus einer Immunzelle herauslöst. Credit: Content Providers: NIH
US-Forschern ist es mit einem neuen Wirkstoff gelungen, die Produktion von HI-Viren in Laborkulturen infizierter Zellen praktisch auszuschalten. Die Substanz aus dem Meeresschwamm Corticium simplex könnte somit die Grundlage einer neuen Klasse antiviraler Medikamenten bilden, sagen Susana Valente vom Scripps Research Institute in Florida und ihre Kollegen. Aktuelle Medikamente der sogenannten hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) unterdrücken die Vermehrung des Virus im Körper HIV-positiver Menschen zwar stark, können sie aber bisher nicht vollständig unterbinden.

Das sogenannte Cortistatin A wurde ursprünglich bereits im Jahr 2006 aus dem Meeresbewohner C. simplex isoliert. Aber erst in den letzten Jahren gelang es Forschern des Scripps Research Institutes dann, den vielversprechenden Wirkstoff synthetisch herzustellen. Seine molekularen Bindungseigenschaften legten nahe, dass er eine Wirkung auf die Vermehrung von HI-Viren haben könnte. Um dies zu überprüfen, haben die Forscher ihn nun an Laborkulturen menschlicher Zellen getestet, die von HIV-infizierten Personen stammten.

Viren können sich im Gegensatz zu anderen Krankheitserregern nicht selbstständig vermehren ? das müssen ihre Wirtszellen für sie erledigen. Wie kleine Raumschiffe transportieren sie die Erbinformation ihres eigenen Bauplans, verpackt in eine Hülle, von einer Zelle zur nächsten. Nachdem das Virus seinen Bauplan in das Erbgut eingeschleust hat, zwingt es die Wirtszelle zur Produktion weiterer Virusartikel, die dann erneut auf die Reise gehen. In diesen Zyklus soll die neue Substanz nun effektiver eingreifen können, als alle bisherigen HIV-Medikamente.

Den Untersuchungen zufolge reduzierte der Wirkstoff die Virenproduktion in den infizierten Zellen um 99,7 Prozent. Den starken Effekt erklären die Forscher folgendermaßen: Cortistatin A heftet sich an ein Schlüsselelement des Erregers und unterbindet dadurch die Umsetzung seiner Erbinformation. Dadurch bleibt der Befehl zum Bau der Viruspartikel in den infizierten Zellen aus. Bis zum Einsatz beim Menschen müssen nun noch einige Untersuchungen folgen. Susana Valente und ihre Kollegen sind jedoch zuversichtlich, denn offenbar geben auch weitere Eigenschaften des Wirkstoffes Anlass zur Hoffnung: Die synthetische Kopie, das Didehydro-Cortistatin A, habe eine Struktur, die sich für den Einsatz als Medikament bereits gut eigne, und zumindest in der Zellkultur zeigte die Substanz keine Anzeichen für schädliche Nebenwirkungen.

Bereits heute ist eine HIV-Infektion kein Todesurteil mehr, sofern der Betroffene Zugang zu einer HAART-Therapie hat: Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die konsequente Unterdrückung der Virenproduktion im Körper den Ausbruch der Immunschwäche verhindert und darüber hinaus auch das sexuelle Übertragungsrisiko minimiert. Doch ganz ausrotten lassen sich die Viren im Körper infizierter Personen bisher nicht. Der Bauplan des Erregers ist in das Erbgut bestimmter Zellen fest integriert und deshalb läuft hier die Virenproduktion trotz HAART-Therapie weiter. Der neue Wirkstoff könnte zukünftig nun auch diese letzten Quellen freier Viruspartikel austrocknen.

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Susana Valente (Scripps Research Institute in Florida) et al.: Cell Host & Microbe, doi: 10.1016/j.chom.2012.05.016 © wissenschaft.de ? Martin Vieweg
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