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Dem Jo-Jo-Effekt auf der Spur

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Häufig zeigt die Waage einige Zeit nach einer Diät mehr als jemals zuvor. Bild: by-sassi / pixelio.de
US-Forscher haben entdeckt, warum es nach einer Diät vor allem bei Stress so schwer ist, ungesunden Leckereien zu widerstehen: Der Verzicht auf Essen programmiert das Gehirn um und verändert diverse Gene, die für die Reaktion auf Stress zuständig sind. Dadurch neigen die Betroffenen dazu, in stressreichen Zeiten vermehrt zu fettigem Essen zu greifen – und leisten damit dem gefürchteten Jo-Jo-Effekt Vorschub, der dazu führt, dass man nach einer Diät mehr wieder zunimmt, als man zuvor abgenommen hatte. Zwar haben die Wissenschaftler den Effekt bisher nur bei Mäusen zeigen können, sie sind jedoch sicher, dass es auch beim Menschen einen derartigen Zusammenhang gibt. Es könnte sich daher lohnen, zur Unterstützung von Abnehmwilligen die Stress-Reaktion ins Visier zu nehmen und diese eventuell sogar medikamentös zu beeinflussen, schreiben Tracy Bale von der University of Pennsylvania und ihre Kollegen.

Drei Wochen lang musste die Test-Mäuse der Forscher Diät halten. Nach dieser Zeit hatten die Tiere etwa 10 bis 15 Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts verloren – ein Wert, den auch Menschen typischerweise bei einer erfolgreichen Diät erreichen. Gut getan hatte das Abnehmen den Mäusen allerdings nicht: Die Stresshormonspiegel in ihrem Blut waren deutlich erhöht, und sie zeigten ein Verhalten, das auf eine depressive Stimmung hindeutete.

Zurückzuführen war das offenbar auf Veränderungen von verschiedenen Genen, die an der Regulation von Stress und der Steuerung der Nahrungsaufnahme beteiligt sind, konnten die Wissenschaftler zeigen. Es handelte sich dabei um sogenannte epigenetische Veränderungen, bei denen chemische Schalter an die Erbsubstanz angelagert werden, die die Gene ein- oder ausschalten. Das beeinflusst lediglich die Aktivität eines Gens und nicht seinen Bauplan. Dennoch sind solche Veränderungen dauerhaft und können sogar an die Nachkommen weitergegeben werden.

Auch im aktuellen Mäuse-Versuch zeigte sich, dass sich der Effekt nicht nur während der eigentlichen Diät-Phase auswirkte, sondern auch später noch, als die Mäuse ihr ursprüngliches Gewicht wiedererlangt hatten: Gerieten sie nämlich unter Stress, genehmigten sich die zuvor auf Diät gesetzten Mäuse deutlich mehr fettreiches Futter als ihre Artgenossen, die keine Diät gemacht hatten. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Diäthalten nicht nur den Stresslevel erhöht, was erfolgreiches Abnehmen an sich schwieriger macht. Vielmehr scheint eine Diät auch tatsächlich neu zu programmieren, wie das Gehirn auf zukünftigen Stress reagiert“, kommentiert Bale. In Zukunft könnten speziell auf diesen Mechanismus zielende Wirkstoffe demnach Diätwilligen beim Durchhalten helfen und möglicherweise auch den später einsetzenden Jo-Jo-Effekt verhindern.

Tracy Bale (University of Pennsylvania) et al.: Journal of Neuroscience, Bd. 30, Nr. 48 dapd/wissenschaft.de ? IlkaLehnen-Beyel
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