Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin Umwelt+Natur

Der Duft-Wecker

bearbeitet_kaffeetassen.jpg
Japanische Forscher veränderten die Hirnaktivität von Ratten allein durch den Duft von Kaffee.
Allein der Duft von Kaffee macht müde Ratten wieder munter. Das Aroma treibt die Aktivität bestimmter Gene im Gehirn an, die der Körper bei Schlafentzug und Müdigkeit herunterregelt, haben Forscher um Yoshinori Masuo vom Nationalen Institut für Industrieforschung in Tsukuba herausgefunden. Ob die gleichen Prozesse auch beim Menschen stattfinden, können die Forscher noch nicht sagen. Die Erkenntnis könnte jedoch erklären, wieso schon der Duft von Kaffee die Stimmung aufhellt.

Die Forscher entzogen Ratten für einen Tag den Schlaf. Dann untersuchten sie deren Gehirne und stellten ein reduziertes Niveau von elf Botenmolekülen fest. Diese sogenannten mRNAs
sind ein Maß für die Genaktivität. Als den Nagern Kaffeeduft zugefächelt wurde, stellte sich die Aktivität von neun Genen wieder auf normal ein. Die Aktivität von zwei Genen schnellte sogar über das Normalmaß hinaus. Diese beiden Gene sind für Stoffwechselprozesse im Gehirn wichtig, erklären die Forscher.

Ob bei müden Menschen die gleichen Gene herunterreguliert werden und Kaffeearoma dem entgegenwirkt, wissen die Forscher nicht. Der Duft der gerösteten Bohnen scheint aber bestimmte Gene auf Touren zu bringen, die Menschen wieder in einen wacheren Zustand zurückrufen. Die Forscher wollen nun nach diesen anregenden Duftmolekülen im Kaffee suchen. Diese Moleküle könnten der Luft in Arbeitsräumen zugesetzt werden, um müde Werktätige munter zu halten, die keine Zeit für eine Tasse Kaffee haben, schlagen die Forscher vor.

New Scientist, 14. Juni, S. 16 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Nahe der Straße von Gibraltar haben Schwertwale (Orcinus orca) mehrere Segelboote gerammt und beschädigt. Skipper, die mit Segelyachten dort unterwegs waren, berichteten in den vergangenen Wochen, dass sie von einer ganzen Gruppe Orcas koordiniert angegriffen worden seien. Susan Smillie hatte am 13. September für den Guardian darüber berichtet (‘I’ve never seen or heard of attacks’: scientists baffled by orcas harassing boats).

Die erfahrene Seglerin und Biologin Victoria Morris freute sich, als sich am Nachmittag des 29. Juli eine Gruppe der großen schwarz-weißen Delphinartigen ihrem Boot näherte, sie hatte schon häufiger Kontakt mit diesen beeindruckenden Zahnwalen. Der erste Rammstoß gegen den Rumpf drehte das 46-Fuß-Boot um 180°, zerstörte das Ruder und die Maschine setzte aus. Die 23-Jährige schaute auf die zerfetzten Reste ihres Ruders, dann dümpelte die vierköpfige Besatzung steuerlos nahe der Straße von Gibraltar, zwischen Kap Trafalgar und Barbate. Ihrem Mayday-Funkspruch „Orca-Attacke!“ wollte die Küstenwache ihr zunächst nicht glauben. Als Morris unter Deck lief, um alles Wichtige in den Kentersack zu packen und mitzunehmen, und bereitete sich auf das Verlassen des Boots vor. Unter Deck war ein angsteinflößender Lärm: Die Orcas rammten den Kiel und den Rumpf, was wie Donnerschläge hallte. Außerdem hört sie auch die Pfiffe der Orcas extrem laut, das Rudel kommunizierte die ganze Zeit miteinander. Es war ein solcher Lärm, dass die Menschen sich nur noch brüllend verständigen konnten. Außerdem sagt sie, die Wale hätten vollständig koordiniert agiert. Eineinhalb Stunden dauerte der Angriff, dann kam Hilfe und schleppte die lädierte Yacht in den kleinen Hafen Barbate.

Sechs Tage vorher hatte Alfonso Gomez-Jordana Martin vor Barbate auf einer 40-Fuß-Yacht ein ähnliches Erlebnis: Ihnen näherten sich vier Orcas unter der Wasseroberfläche, die Angriffe seien vollständig überraschend gekommen. Die Schwertwale haben dabei unter anderem offenbar gezielt die am Heck liegenden Ruderanlagen zerstört, sie gerammt und mit den Zähnen zerfetzt. Mit solcher Wucht haben sie das Ruder herumgerissen, dass der Rudergänger sich fast den Arm ausgekugelt habe. Andere Orcas hatten die Yacht dann noch gerammt – und das Boot um 120° gedreht. Aus einer Distanz von 25 Meter nahmen die Wale immer wieder Anlauf und sind dann mit 10 bis 15 Knoten im Rammstoß gegen das Boot geschwommen. Gomez-Jordana Martin hat einen Teil des Wal-Angriffs gefilmt.

Anzeige

In der Nacht davor, 22 Juli waren Beverly Harris und ihr Partner Kevin Large mit einer Yacht ebenfalls vor Barbate unterwegs. Auch sie traf der Rammstoß der Orcas völlig überraschend, auch ihr Boot wurde herumgedreht und das Ruder beschädigt, 20 Minuten dauerte dieser Zwischenfall. Mit größter Mühe bekamen die beiden Segler ihr Boot wieder auf Kurs zu bekommen, die Orcas haben sie über 20 Minuten hinweg attackiert.
Ein anderer Segler erzählte, er sei einige Zeit zuvor von einem Orca gestoppt worden – der Wal hatte mit den Zähnen das Ruder gepackt und festgehalten.

Der Biologe Rocío Espada (Universidade Sevilla) ist Delphinexpertin und hat sich auch mit den Gibraltar-Orcas schon länger beschäftigt – über diese Zwischenfälle ist sie genauso überrascht wie alle anderen Biologen. Die Tiere sind gut bekannt, viele hätte sie aufwachsen sehen. Einen Biß in ein Ruder habe sie bisher nur als spielerisches Verhalten, aber niemals mit solch zerstörerischer Absicht und Wirkung. Sie kann es nur durch eine extreme Stressreaktion erklären. Die Ursache des Stresses könnte sein, dass sich in den zahlreichen Netzen und Leinen der Fischer in diesem Areal vielleicht ein Kalb verfangen habe.
Der Biologe Ezequiel Andréu Cazalla war genauso überrascht und erklärt, dass er dieses Orca-Verhalten nicht als Attacke auf Menschen hält. Orcas könnten nicht wissen, dass die modernen Yacht-Ruder so fragil sind. Auch er erklärt das Verhalten mit extremem Stress.

Orcas, Thunfische und Fischer

Stress haben diese Schwertwale vor der spanischen Küste ganz bestimmt. Cazalla hält die Straße von Gibraltar für den schlechtesten Platz, den die Wale sich überhaupt aussuchen könnten. In dieser Population gibt es nur noch 50 Wale und sie werden kontinuierlich weniger. Viele der Erwachsenen und Jungtiere hätten sichtbare Verletzungen, außerdem leiden sie unter Nahrungsmangel und natürlich unter der starken Meeresverschmutzung. Schließlich ist dieses kleine Meeresfläche zwischen Europa und Afrika mit extrem viel Schiffsverkehr belastet, zusätzlich kommen wegen dann noch weitere Whale Watching-Boote hinzu.

thro|nen  〈V. i.; hat〉 feierlich sitzen ● am obersten Ende der Tafel ~; auf einem Sessel ~; ~de Madonna 〈Mal.〉

Dick|blatt|ge|wächs  〈[–ks] n. 11; Bot.〉 Mitglied einer Familie der Rosales, Blattsukkulenten: Crassulacea

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige