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Der Feind im eigenen Kopf

Bei Autismus bildet der Körper Antikörper gegen das eigene Hirngewebe. Das hat ein portugiesisches Forscherteam bei der Untersuchung von 171 autistischen Patienten entdeckt. Auslöser dieser Autoimmunreaktion scheint dabei ein einzelnes Protein zu sein, dessen Identität und Funktion die Wissenschaftler jedoch noch nicht kennen. Das berichten die Gruppe um Astrid Vicente vom Instituto Gulbenkian de Ciência in der Fachzeitschrift Journal of Neuroimmunology (Bd. 152, S. 176).

Autistische Menschen leben in einer eigenen Welt und sind häufig unfähig, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Ihr Sozialverhalten ist oft stark beeinträchtigt, denn sie können aufgrund einer eingeschränkten Lernfähigkeit nur schlecht aus Erfahrungen lernen. Welche Störungen im Gehirn die Krankheit verursachen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit spielen jedoch verschiedene genetische Faktoren eine wichtige Rolle, die zu Veränderungen im Gleichgewicht der Hirnbotenstoffe, einer verminderten Hirndurchblutung und unterentwickelten Hirnarealen führen können.

Auch Autoimmunreaktionen werden immer wieder als wichtige Faktoren diskutiert. So gibt es beispielsweise Hinweise darauf, dass das Immunsystem bei manchen Autisten auf den Gehirnbotenstoff Serotonin reagiert. Die Studie von Astrid Vicente und ihren Kollegen stützt nun den Verdacht der Beteiligung von Autoimmunreaktionen: Im Blut autistischer Patienten fanden die Wissenschaftler sehr viel mehr Antikörper gegen eigenes Hirngewebe als in dem gesunder Vergleichspersonen.

Diese Immunreaktion ist nicht genetisch bedingt, da sich im Blut der Eltern der Betroffenen kein Anstieg der Autoantikörper nachweisen ließ. Die Forscher vermuten daher, dass die Autoimmunreaktion nicht der Auslöser, sondern ein Folgeeffekt der neurologischen Störung ist. So könnten die Antikörper beispielsweise als Antwort auf eine Schädigung des Hirngewebes während der embryonalen Entwicklung gebildet werden. Die Wissenschaftler versuchen nun, das auslösende Eiweißmolekül zu identifizieren, um dadurch genauere Informationen über die Herkunft der Antikörper zu erhalten.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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