Der Gelbsucht Paroli bieten: Impfungen bieten sicheren Schutz vor Hepatitis A und B - wissenschaft.de
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Der Gelbsucht Paroli bieten: Impfungen bieten sicheren Schutz vor Hepatitis A und B

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Durch Viren übertragene Entzündungen der Leber wie Hepatitis A, B und C gehören weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Doch sie betreffen nicht nur weit entfernte Länder, wie die jüngste Hepatitis-A-Epidemie im italienischen Genua vor Augen führt. Zumindest gegen die A- und B-Variante gibt es sichere und effektive Impfungen, die von Medizinern vor einer Reise empfohlen werden.

Normalerweise ist die Leber ein ganz unscheinbares Organ, das in aller Ruhe unterhalb des rechten Rippenbogens sein Programm abspult. Gerät sie jedoch aus dem Tritt, kann der Körper wichtige Proteine nicht mehr auf- und Giftstoffe nicht mehr abbauen. Erstes Anzeichen eines solchen Störfalls ist häufig eine Gelbsucht. „Dieses klassische Symptom ‚Gelbsucht‘ kann bei allen akuten Leberentzündungen auftreten“, erklärt Markus Cornberg, Mediziner an der Medizinischen Hochschule Hannover und Geschäftsführer des Kompetenznetzes Hepatitis, das Forscher, Ärzte und Patientengruppen zusammenbringen soll.

Zu den häufigsten Ursachen einer Gelbsucht gehören Infektionen mit Hepatitis-Viren vom Typ A, B oder C. So traten beispielsweise erst kürzlich in der italienischen Hafenstadt Genua mehr als 20 Fälle von Hepatitis A auf, nachdem die Betroffenen mit Viren verunreinigte Meeresfrüchte verzehrt hatten. Auch mangelnde Hygiene, unsauber zubereitete Lebensmittel und schlechtes Trinkwasser, wie sie in vielen Reiseländern vorkommen, sind klassische Infektionsquellen für Hepatitis A.

„Die Hepatitis A ist zwar in Europa auf dem Rückzug“, erläutert Johannes Hallauer vom Berliner Universitätsklinikum Charité. „Doch in vielen Ländern ist sie ein reisemedizinisches Problem, und die Infektion wird dann nach Deutschland importiert.“ Aus diesem Grund empfehlen Mediziner, sich vor dem Urlaub gegen Hepatitis A impfen zu lassen. Insbesondere bei Reisen nach Afrika und Asien, aber auch in den Mittelmeerraum sei eine solche Impfung sinnvoll, denn in Italien, Griechenland und der Türkei komme es immer wieder zu Hepatitis-A-Ausbrüchen, sagt Hallauer.

Unter den Leberinfektionen läuft die Hepatitis A vergleichsweise glimpflich ab. Zwar kann sie in seltenen Fällen lebensbedrohlich sein, aber die Entzündung wird nicht chronisch und heilt in der Regel aus. Bei Erwachsenen treten meist grippeähnliche Leiden, Übelkeit und allgemeine Schwäche auf, die sich über Wochen oder Monate hinziehen können. Kinder durchlaufen die Krankheit zwar oft ohne Symptome, können die Infektion jedoch an die Erzieherinnen im Kindergarten, andere Kinder und damit an deren Eltern weitergeben, wie Cornberg erläutert.

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Hat man sich einmal angesteckt, muss man die Krankheit ausheilen lassen, denn eine medikamentöse Therapie gibt es nicht. Die Impfung ist also die einzige Möglichkeit, einer Infektion zu entgehen. Bezahlt wird die Hepatitis-A-Impfung allerdings nur bei Beschäftigten im Pflege- und Gesundheitswesen, als Reiseimpfung wird sie nicht erstattet. Für zwei Impfungen, die im Abstand von sechs Monaten durchgeführt werden und nach zehn Jahren erneuert werden müssen, werden rund 110 Euro zuzüglich eines ärztlichen Beratungshonorars fällig. Geschützt ist man dabei schon zehn Tage nach der ersten Impfung.

Genauso wichtig wie die Vorsorgeimpfung gegen Viren vom Typ A ist eine Impfung gegen Hepatitis B. Obwohl der Name eine Ähnlichkeit nahe legt, handelt es sich um gänzlich unterschiedliche Erreger. Mit Hepatitis B infiziert man sich beispielsweise nicht durch mangelnde Hygiene oder verseuchtes Essen, sondern über Blutkontakte oder Sexualverkehr. Das Virus ist dabei so infektiös, dass selbst geringste Verletzungen ein Risiko darstellen: Schon durch das Verwechseln der Zahnbürste oder den gemeinsamen Gebrauch von Nagelscheren kann die Infektion weitergegeben werden, warnt der Patientenratgeber des Kompetenznetzes Hepatitis. Auch unsachgemäß durchgeführte Tattoos oder Piercings sollten tabu sein, sagt Hepatitis-Experte Hallauer.

Häufiger ist jedoch die Ansteckung bei sexuellen Kontakten. Von den jährlich etwas über 1000 Neuinfektionen entfallen nach Angaben des Robert Koch Instituts 60 bis 70 Prozent auf junge Erwachsene. „Insbesondere nicht geimpfte Teenager kommen durch erste sexuelle Kontakte in Gefahr“, sagt Cornberg. Während mittlerweile rund 80 Prozent der Kinder im Einschulalter durch eine Impfung geschützt sind, liegt die Rate bei den Teenagern bislang lediglich bei 30 bis 80 Prozent.

Hepatitis B verläuft besonders bei Kindern sehr häufig chronisch: 50 bis 90 Prozent der Infizierten tragen den Erreger zwei bis drei Jahrzehnte im Körper, bis im Extremfall eine Leberzirrhose oder gar Leberkrebs auftritt. Daher steht die Hepatitis-B-Impfung seit 1995 auch im Impfkalender für Kinder. Aber auch Beschäftigte im Gesundheitswesen und Dialysepatienten sollten geimpft sein. Bei einer medizinischen Indikation tragen die Krankenkassen die Kosten, Erwachsene, die sich vorsorglich impfen wollen, müssen für die Kombinationsimpfung A und B dagegen rund 180 Euro zahlen.

Im Gegensatz zu Hepatitis A und B gibt es zur Hepatitis C keine Impfung. „Das Virus ist zu variabel“, sagt der Heidelberger Virologe Ralf Bartenschlager. „Für eine Impfung sieht es daher trübe aus“. Allerdings sei das Infektionsrisiko deutlich geringer als bei Hepatitis A und B. Ähnlich wie bei B wird es durch Blut, seltener durch sexuelle Kontakte übertragen. Übertragungen bei Bluttransfusionen kommen Dank guter Kontrollmethoden in Deutschland nur noch sehr selten vor.

In der Hälfte der Fälle machen die Patienten einen akuten Krankheitsverlauf durch, der dann nach einigen Monaten ausheilt. Die andere Hälfte der Heptitis-C-Infizierten entwickelt eine chronische Erkrankung, die schleichend über mehrere Jahre verläuft und meist nur durch Zufall entdeckt wird. Zur Behandlung setzen die Mediziner immunstimulierende Interferone und das antivirale Medikamente ein. Allerdings hängt es von der Unterart der Hepatitis-C-Viren ab, ob der Heilungserfolg mit zehn Prozent relativ mäßig oder mit 90 Prozent viel versprechend ist. Insgesamt gilt: Je früher die Infektion erkannt ist, desto besser die Genesungsaussichten.

ddp/wissenschaft.de – Martin Schäfer
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