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Der Morgen danach

Frauen schlafen nach einem feucht-fröhlichen Abend schlechter als Männer, haben US-Forscher entdeckt. Ein Rausch vertieft zwar anfangs den Schlaf und erleichtert das Einschlafen. In der zweiten Hälfte der Schlafphase ist die Schlafqualität allerdings beeinträchtigt, wobei Frauen den Ergebnissen zufolge häufiger unter Wachphasen und einer insgesamt schlechteren Schlafqualität leiden als Männer. Die Ursache sei vermutlich die unterschiedliche Art, wie der Stoffwechsel der beiden Geschlechter den Alkohol abbaue, spekulieren die Wissenschaftler. Es gelte also allgemein und für Frauen in besonderem Maße: Wer ausgeschlafen sein will, verzichtet besser auf einen zu üppigen Schlummertrunk. Darüber hinaus könnte das Ergebnis auch bei der Entwicklung von geschlechtsspezifischen Therapien zur Behandlung von Alkoholabhängigen helfen, schreiben die Wissenschaftler.

59 Frauen und 34 Männer waren für die Studie der Forscher bereit, sich einen Rausch anzutrinken und dann in einem überwachten Labor zu schlafen. Dazu nahm ein Teil der Probanden zwischen 20 und 22 Uhr alkoholische Getränke zu sich, bis sie einen Alkohol-Pegel von etwa einem Promille erreicht hatten. Das gilt üblicherweise als eine Grenze, bei der ein Rauschzustand erreicht ist. Als Vergleichsgruppe diente den Forschern der Rest der Probanden, sie bekamen „Placebo-Getränke“ ohne Alkohol. Die Schlafqualität wurde bei allen Testteilnehmern über acht Stunden hinweg mit der sogenannten Polysomnographie überwacht, bei der verschiedene Körperfunktionen wie Herzschlag und Hirnaktivität während des Schlafs aufgezeichnet werden. Darüber hinaus füllten die Probanden auch Fragebögen zu ihren persönlichen Empfindungen aus.

Eine große Dosis Alkohol am Abend macht müde und verfestigt den anfänglichen Schlaf, führt aber im zweiten Teil der Nacht zu mehr Wachphasen, zeigte die Auswertung. Diese Effekte waren bei den Frauen trotz des gleichen Alkoholspiegels deutlich ausgeprägter als bei den Männern: Frauen hätten ihren Schlaf subjektiv als deutlich schlechter empfunden als die Männer , was auch von den objektiven Messungen bestätigt wurde – sie waren in der zweiten Hälfte der Schlafphase häufiger und länger wach und hatten insgesamt weniger Stunden Schlaf abbekommen. Zudem fühlten sie sich am nächsten Morgen sehr viel schläfriger als die Männer.

„Ein erheblicher Teil der Bevölkerung verwendet Alkohol regelmäßig, um Einschlafprobleme zu bekämpfen“, sagt Studienleiter Todd Arnedt. „Die Tatsache, dass der Alkohol eine negative Wirkung auf den späteren Schlaf hat, ist vielen Menschen dagegen nicht bewusst.“ Alkohol belastet während des Schlafes den Organismus und das Nervensystem. Der Körper, der eigentlich eine Ruhe- und Aufbauphase erhalten sollte, ist mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt. Zwar schläft der Betroffene schnell ein, aber es handelt sich dabei nicht um eine normale, gesunde Schlafphase – es tritt vielmehr eine abgeschwächte Art von Ohnmacht ein. Als tatsächlich schlaffördernd stufen Experten nur geringe Mengen Alkohol ein – mehr als 0,2 Liter Wein sollten es in keinem Fall sein.

Todd Arnedt (University of Michigan, Ann Arbor) et al: Alcoholism: Clinical & Experimental Research, Bd. 35, Vol. 5 dapd/wissenschaft.de – Martin Vieweg
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