„Der Preis soll die Karriere fördern" - wissenschaft.de
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„Der Preis soll die Karriere fördern“

Der deutsche Preis für Wissenschaftsfotografie soll junge Bildautoren für das Sujet Forschung und Entwicklung begeistern. Welche Chancen sich bieten, erläutert der Juryvorsitzende Wolfgang Volz, einer der angesehensten Fotografen weltweit.

bild der wissenschaft: Sie fotografieren seit mehr als drei Jahrzehnten Wissenschaft und Technik. Was war für den Profi Wolfgang Volz die größte Herausforderung?

Volz: Eine Reportage über monoklonale Antikörper. Da tigerte ich eine geschlagene Woche in einem Institut herum, ratlos, was ich fotografieren könnte. Denn Antikörper sind mit normalen Kameras nicht fotografierbar. Gelöst habe ich das Problem dann, indem ich Mäuse, bergeweise Titterschalen und tiefgefrorene Materialien, die ich durch Trockeneis zum Dampfen gebracht hatte, fotografiert habe. Meine damalige Not skizziert schön, um was es bei Wissenschaftsfotografie geht: Komplexe Vorgänge so aufzunehmen, dass sie einen Artikel dort bereichern, wo man sprachlich nicht weiterkommt. Es geht also nicht darum, schöne bunte Bilder zu liefern, sondern Fotos zu machen, die das Wissen vermehren.

bdw: Wie bereiten Sie sich auf solche Reportagen vor?

Volz: Ehe ich mich ans Fotografieren mache, studiere ich Artikel und Bücher, die mich ins Thema einführen, damit ich wichtige Inhalte nicht übersehe. Ich erwarte natürlich auch, dass in den Redaktionen die wichtigen Bilder ausgesucht und würdevoll publiziert werden. Mit Magazinen, die das tun, arbeitet man dann auch gerne zusammen – wie mit bild der wissenschaft.

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bdw: Danke für das Kompliment. Braucht es Reportagen, um Wissenschaft gekonnt ins Bild zu setzen, oder kommt man auch mit Einzelbildern aus?

Volz: Aufgrund der wirtschaftlichen Zwänge tendieren Magazine inzwischen dazu, ihre Beiträge so zu gestalten, dass das Einzelbild im Vordergrund steht. Wer es schafft, alle wesentlichen Botschaften einer Geschichte in ein solches Einzelbild zu integrieren, hat natürlich das ideale Aufmacherbild für einen Artikel kreiert und die Herausforderung gemeistert.

bdw: Welche Rolle spielt der Faktor Zeit in der Wissenschaftsfotografie?

Volz: Je mehr Zeit investiert werden kann, desto besser ist das Resultat – so die Theorie. Die Praxis lehrt etwas anderes. Die Verlage kalkulieren immer knapper. Die Qualität eines modernen Wissenschaftsfotografen zeigt sich deshalb auch darin, dass er in kürzerer Zeit Besseres leistet. Wer ernsthaft arbeitet, engagiert sich für einen interessanten Auftrag über die bezahlte Zeit hinaus. Schließlich macht die Arbeit in solchen Fällen ja auch richtig Spaß. Wenn man ein gutes Ergebnis erzielt, kann man das später bei anderen Foren vorzeigen. Beispielsweise bei einem so interessanten Wettbewerb, wie es der deutsche Preis für Wissenschaftsfotografie ist.

bdw: Welche Rolle spielt die Aufgeschlossenheit der Wissenschaftler für eine gute Reportage?

Volz: Damit Wissenschaftler mitspielen, ist es zunächst wichtig, für ein Medium zu arbeiten, das in wissenschaftlichen Kreisen geschätzt wird. Meines Erachtens ist es aber auch wichtig, dem Forscher klar zu machen, dass der Fotograf seinem Beruf genauso ernsthaft nachgeht wie der Wissenschaftler.

bdw: Wie hat die moderne Technik, vor allem die Elektronik, die Profifotografie verändert?

Volz: Wie in allen Bereichen, übt auch bei uns die Technik einen Einfluss auf das Ergebnis aus. Ganz extrem ist das bei der Makrofotografie, also bei Aufnahmen in winzigsten Dimensionen. Wer da nicht über die notwendige technische Ausstattung verfügt, bringt kein Bild mehr an den Mann. Die elektronische Fotografie hat die Arbeit bei allen Profis stark verändert. Ehe man auf den Auslöser drückt, muss das Bild gestaltet werden. Das ist in der Wissenschaftsfotografie schon deshalb notwendig, weil viele Institutslabors langweilig und austauschbar erscheinen. Früher musste man abwarten, bis ein Polaroid-Foto entwickelt war, um weitere gestalterische Veränderungen vornehmen zu können. Man hat deshalb oft Stunden mit Warten verbracht. Heute schaut man auf das Display und sieht das Ergebnis sofort. Das hat dazu geführt, dass inzwischen viel spontaner fotografiert wird. Darüber hinaus hat die elektronische Fotografie den Vorteil, dass man heute nicht mehr gezwungen ist, alle Situationen durch eigenes Licht in Szene zu setzen. Das kann man jetzt bereits durch den Weißabgleich der Elektronik.

bdw: Die Elektronik bietet aber auch unglaubliche Möglichkeiten, Bilder zu manipulieren.

Volz: Die Denkweise vom Foto als authentischem Mediums ist überhöht. Machen wir uns nichts vor: Seit es die Fotografie gibt, wird manipuliert. Deshalb hat man in der professionellen Fotografie schon vor einigen Jahrzehnten die subjektive Fotografie zur Qualität erhoben. In solchen Fällen tritt der Fotograf als Autor in den Vordergrund und bedient sich der Mittel, die in der Fotografie zur Verfügung stehen. Natürlich ist durch die Elektronik technisch fast alles möglich. Dennoch macht auch heute die Nähe zur Realität die Qualität des Fotografen aus. Ein bewusstes Verfälschen entspricht nicht dem Ethos des Fotografen. Ich meine, dass das Instrumentarium der elektronischen Fotografie vor allem dazu geeignet ist, die Bildwirkung präziser herauszuarbeiten.

bdw: Seit Jahren begleiten Sie Christo und Jeanne-Claude bei der Arbeit. Profitieren Sie dabei von Ihren Erfahrungen als Wissenschafts- und Technikfotograf?

Volz: Diese Entwicklungen verliefen zeitgleich. Ich habe die beiden, die übrigens am gleichen Tag geboren sind, bereits während meines Fotografiestudiums 1971 kennengelernt. Damals unternahm ich erste Gehversuche in der Wissenschaftsfotografie. Beleg dafür ist ein Preis beim Wettbewerb „Jugend fotografiert Forschung“. Grund für diese zweigleisige Karriere ist, dass ich mich sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite bemüht habe, Bestandteil der Materie zu werden. Bei Christo und Jeanne-Claude bin ich von Anfang an bei der Entstehung der Werke mit eigenem Input beteiligt gewesen. Das war eine wichtige Basis für die langjährige Zusammenarbeit. Eine Parallelität sehe ich in der Ernsthaftigkeit, mit der ich mich mit beiden Sujets beschäftige, und in meinem Bemühen, Bestandteil beider Szenen zu sein – und nicht nur Beobachter.

bdw: Was rät der weltläufige Fotograf jungen Kollegen?

Volz: Das Allerwichtigste sind Engagement und Ernsthaftigkeit. Ein solcher Beruf lässt sich nicht nebenher machen. Das heißt konkret: Am Anfang muss man zu jeder Tag- und Nachtzeit bereit sein, hart zu arbeiten, in den ersten Jahren ohne Hoffnung, dass diese Arbeit große Früchte abwirft. Die Konkurrenz ist sehr groß, nicht zuletzt, weil für viele dies einer der tollsten Beruf der Welt ist. Ein Weiteres kommt hinzu: Da jeder eine Kamera bedienen kann, muss man erst einmal unter Beweis stellen, dass man als ernsthafter Fotograf deutlich bessere Ergebnisse erzielt.

bdw: Sie haben freundlicherweise den Juryvorsitz beim deutschen Preis für Wissenschaftsfotografie übernommen. Was kann dieser Preis Ihrer Meinung nach bewirken?

Volz: Mich haben Preise immer wieder motiviert, in der eingeschlagenen Richtung weiterzumachen – ungeachtet des Preisgeldes.

bdw: Haben Sie Tipps?

Volz: Das Wichtigste ist eine eigenständige Auseinandersetzung mit der Wissenschaftsfotografie. Um bei diesem Wettbewerb ausgezeichnet zu werden, reicht es nicht, ein technisch perfektes Bild einzuschicken. Vielmehr erwartet die Jury eine Autorenarbeit, die zeigt, auf welch originelle Weise der Fotograf eine Aufgabe gelöst hat.

bdw: Welchen Stellenwert erhoffen Sie sich von diesem Preis in den nächsten Jahren?

Volz: Einen Preis zu gewinnen, ist schön – doch was macht man später damit? Ideal ist, wenn der oder die Ausgezeichnete dadurch in der Fachwelt so starke Beachtung finden, dass der Preis die Karriere ein Stück weit fördert. Genau das wollen wir mit dem Wettbewerb erreichen.

Wolfgang Volz

(Jahrgang 1948) sollte nach den Wünschen der Eltern Architekt werden und machte dafür zunächst ein halbjähriges Schreinerpraktikum. Dabei erkannte er, wie wichtig handwerkliche Fähigkeiten für ihn sind. Er steckte die Architektur auf, noch ehe er sie ernsthaft begonnen hatte, und studierte Fotografie an der Essener Folkwang-Schule. Heute wohnt Volz in Düsseldorf – wenn er nicht auf Reportage-Reise ist, die Verhüllungskünstler Christo und Jeanne- Claude begleitet oder sein Ferienhaus in der Bretagne aufräumt. Richtig Englisch gelernt hat der Fotograf nach eigener Aussage durch die Comics von Charles M. Schulz (Charlie Brown/Snoopy).

Das Gespräch führte Wolfgang Hess ■

Faszinierende Momente werden Motive

mitmachen

können alle, die im Zeitraum Januar 2005 bis 15. Juli 2006 Menschen und Objekte in Wissenschaft und Forschung beispielhaft fotografiert haben.

Gewinnen

können Sie in mehreren Kategorien:

Hauptpreis Einzelfoto: 10 000 Euro

2. Preis Einzelfoto: 3000 Euro

3. Preis Einzelfoto: 2000 Euro

Hauptpreis Reportage: eine bezahle Fotoreportage für bild der wissenschaft im Wert von 3000 Euro

Anerkennungspreis Reportage: 2000 Euro

Preis für Mikro-/Makrofotografie: 2000 Euro

Die Gewinner werden von einer Jury unter Vorsitz von Wolfgang Volz ermittelt. Die Jury ist ermächtigt, zusätzlich zu den ausgeschriebenen Preisen weitere Sonderpreise zu vergeben. Die Preisverleihung findet am 5. Oktober 2006 im Haus der Wissenschaft in Bremen statt.

einreichen

dürfen Sie nur Aufnahmen, die bisher noch nicht prämiert wurden. In der Kategorie Einzelbild können bis zu drei Aufnahmen eingereicht werden. In der Kategorie Reportage sind bis zu sechs Aufnahmen zulässig, davon kann maximal eine auch für den Einzelbildwettbewerb eingereicht werden. Die Fotografien können eingesandt werden entweder im Papierformat (20 x 30 bis maximal 30 x 30 Zentimeter) oder als Dateien (maximal 12 MB und 400 dpi) als JPEG komprimiert und auf CD-ROM gebrannt. Dias werden nicht akzeptiert.

beachten

Sie bitte, dass Ihre Einreichungen die folgenden Angaben enthalten:

– Einzelbild oder Reportage (bei der Reportage: fortlaufende Nummerierung des Entwicklungsgeschehens)

– Markierung für oben

– Aufnahmeort und Datum

– Aufnahmegegenstand

– Kennzeichnung „M“ für Montage. Im Falle eines Composings muss dieses erläutert werden.

– Name, Adresse, Alter und Beruf des

Fotoautors

– Versicherung, dass der Bewerber im Besitz des vollständigen Copyrights an den Bildern ist.

– Bei Abzügen/Prints vermerken Sie diese Angaben bitte auf der Rückseite.

– Bei digital gelieferten Dateien müssen die formalen Angaben auf der CD zu finden sein.

– Bitte fügen Sie den Bewerbungsunterlagen auch ein aktuelles Bild von Ihnen bei, das wir bei einer Preisträgerschaft veröffentlichen können.

Unvollständig beschriebene Einreichungen in Sinne der zuvor genannten Punkte werden von der Jury aus dem Wettbewerb

genommen. Das eingereichte Material kann nicht zurückgesandt werden. Die Sponsoren des Wettbewerbs haben das Recht, die ausgezeichneten Bilder unter Bezug auf „deutscher Preis für Wissenschaftsfotografie“ unentgeltlich zu nutzen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

senden

Sie das Material bitte ausschließlich an:

bild der wissenschaft

„deutscher Preis für Wissenschaftsfotografie“

Ernst-Mey-Straße 8

70771 Leinfelden-Echterdingen

Einsendeschluss: 15. Juli 2006

motivieren

zur Teilnahme beim „deutschen Preis für Wissenschaftsfotografie“ wollen Sie:

– bild der wissenschaft

– Bremen/Bremerhaven Stadt der Wissenschaft

– Fraunhofer-Gesellschaft

– Pressebüro Brendel

– Würth-Solar

anklicken

www.deutsche-wissenschaftsfotografie.de

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ta|chy|gra|fisch  〈[–xy–] Adj.〉 auf Tachygrafie beruhend, mit ihrer Hilfe (geschrieben); oV tachygraphisch ... mehr

Keil|bein  〈n. 11; Anat.〉 mittlerer Knochen der Schädelbasis: Os sphenoides; Sy Sphenoid ... mehr

anlu|ven  〈V. i.; hat; Mar.〉 den Bug des Schiffes nach Luv, in Windrichtung drehen

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