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Der Symbolvögel der Liebe im Rampenlicht

Ihr inniges Paarverhalten hat die Turteltauben berühmt gemacht. (Bild: NABU/R. Thierfelder)

„Die sind ja wie zwei Turteltauben“, heißt es – doch wo kann man die sprichwörtlichen Symbolvögel der Liebe eigentlich noch beobachten? Dazu gibt es immer weniger Gelegenheit, beklagen Naturschützer: Die Turteltauben finden bei uns kaum noch geeignete Lebensräume und in manchen Ländern werden sie sogar abgeschossen. Um auf das wenig romantische Schicksal der kleinen Taubenart aufmerksam zu machen, haben sie der NABU und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) nun zum Vogel des Jahres 2020 gekürt.

Sie sind nur etwa so groß wie Amseln, haben ein buntes Gefieder und ihr auffälliges Balzverhalten hat sie berühmt gemacht: „Früher hat man das Gurren der Turteltaube an jedem Dorfrand oder Flussufer gehört“, sagt Norbert Schäffer vom LBV. Doch wie er und seine Kollegen berichten, befindet sich die Art bereits seit vielen Jahren auf dem Sinkflug: „Seit 1980 haben wir fast 90 Prozent dieser Vögel verloren, ganze Landstriche sind turteltaubenfrei“, sagt Heinz Kowalski vom NABU. Der Grund: „Unsere kleinste Taube findet kaum noch geeignete Lebensräume“, sagt der Tierschützer.

Es wird immer weniger geturtelt

Wie er und seine Kollegen erklären, verschlechtert die Intensivierung der Landwirtschaft die Lebensbedingungen der Turteltauben enorm. Offenbar wird den Zugvögeln vor allem das Futter in ihren Sommerquartieren bei uns knapp: Einst ernährten sich die Turteltauben hauptsächlich von den Samen von Gehölzen und Wildkräutern wie Klee, Vogelwicke, Erdrauch und Leimkraut. Doch genau diese Pflanzen wollen Landwirte nicht auf ihren Feldern haben und so sind sie vielerorts verschwunden.

Die Taube hat sich seit den 60er Jahren zwar angepasst und ihre Nahrung umgestellt, berichtet der NABU: Der Anteil von Sämereien aus landwirtschaftlichen Kulturen bildet nun häufig den überwiegenden Teil der Nahrung, statt wie früher nur 20 Prozent. Doch dabei gibt es ein Problem: Im Gegensatz zu Wildkrautsamen stehen die landwirtschaftlichen Sämereien nur für kurze Zeit bis zur Ernte zur Verfügung und fehlen während der kritischen Phase der Jungenaufzucht bei den Turteltauben.

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Zu dem immer geringeren Angebot an Wildkräutersamen kommt hinzu, dass im Zuge der Ausweitung der Anbauflächen immer mehr Ackersäume, Feldgehölze und Kleingewässer verschwanden. Dabei handelte es sich um Elemente der Landschaft, die den Vögeln Nistplätze sowie Nahrungs- und Trinkstellen boten. Viele Äcker werden außerdem mit Herbiziden von „Unkraut“ befreit und es wird chemisch behandeltes Saatgut ausgebracht, was den Vögeln schlecht bekommt. „Wildkräutersamen an Feldwegen und Feldfrüchte aus Zwischensaaten boten den Tieren früher vielerorts ausreichend Nahrung. Heute brüten Turteltauben häufig nur noch auf ehemaligen Truppenübungsplätzen oder in Weinbauregionen, wo sie noch geeignete Lebensbedingungen vorfinden“, sagt Norbert Schäffer vom LBV. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland heute noch 12.500 bis 22.000 Paare.

Der Vogel der Liebe unter Beschuss

Die meisten der etwa 5,9 Millionen Paare Europas leben allerdings in Spanien, Frankreich, Italien und Rumänien. Und dort sieht die Lage für die Turteltauben ebenfalls schlecht aus, was ihnen bereits auch einen Platz auf der Roten Liste eingebracht hat. „Vor allem im Mittelmeerraum sind durch die legale und illegale Jagd bedroht“, sagt Heinz Kowalski vom NABU. „Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die jährlich mehr als 1,4 Millionen in der EU legal geschossenen Turteltauben von der Art nicht mehr verkraftet werden können. Besonders skandalös: In manchen Ländern gilt das Schießen der stark gefährdeten Turteltauben als Sport zum eigenen Vergnügen“, ergänzt Eric Neuling vom NABU.

Um die Turteltauben zu schützen, hat der NABU im Rahmen der Aktionen zum Vogel des Jahres die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze mit einer Petition dazu aufgefordert, sich neben einer verbesserten Landwirtschaftspolitik auch für das dauerhafte Aussetzen der Abschussgenehmigungen in den EU-Mitgliedsstaaten einzusetzen. Jeder kann sich an dieser Petition unter www.vogeldesjahres.de/petition beteiligen. „Wir brauchen 25.000 Unterschriften, um unser Ziel zu erreichen“, heißt es auf der Website.

Weitere Infos finden Sie unter www.Vogel-des-Jahres.de oder www.LBV.de

Quelle: NABU https://www.nabu.de/

 

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