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Der wahre Wert der Ware

Ob man sich im Supermarkt eher für Orangen oder für Äpfel entscheidet, bestimmt eine spezialisierte Gruppe von Nervenzellen im Gehirn. Diese ordnen nämlich den zur Verfügung stehenden Waren einen Wert zu und ermöglichen so deren Vergleich, wie amerikanische Wissenschaftler in einer Studie an Affen herausgefunden haben.

In ihrem Experiment boten die Wissenschaftler um Camillo Padoa-Schioppa einigen Makaken zwei verschiedene Fruchtsäfte in verschiedenen Mengen an. Die Tiere mussten sich beispielsweise zwischen einem Tropfen Traubensaft und einem Tropfen Apfelsaft entscheiden ? eine leichte Wahl, da Affen Traubensaft bevorzugen. In einem zweiten Versuch standen zwei Tropfen Apfelsaft gegen einen Tropfen Traubensaft. Auch hier entschieden sich die Tiere für ihren Lieblingssaft. Erst bei drei Tropfen Apfelsaft gerieten sie ins Schwanken, ab vier Tropfen entschieden sie sich immer für den weniger beliebten Apfelsaft. Die Affen ordnen drei Tropfen Apfelsaft also etwa denselben Wert zu wie einem Tropfen Traubensaft, erklären die Forscher.

Zuständig für diese Zuordnung sind bestimmte Nervenzellen im Gehirn, konnten die Forscher nun zeigen. Diese bei einer ökonomischen Entscheidung aktiven Nervenzellen befinden sich im so genannten orbitofrontalen Cortex, der sich an der Stirnseite des Gehirns befindet. Einige der Neuronen reagieren dabei umso stärker, je höher der Wert des ausgewählten Objekts ist, erklären die Wissenschaftler. So ist ihre Aktivität gering, wenn sich ein Affe für einen Tropfen Traubensaft entscheidet, steigt bei der Auswahl von zwei Tropfen deutlich an und erreicht sehr hohe Werte, wenn die Wahl auf drei Tropfen Traubensaft fällt. Andere Nervenzellen in derselben Hirnregion sind für den Wert der einzelnen Fruchtsäfte zuständig, ordnen also Trauben- und Apfelsaft jeweils einen bestimmten Wert zu. Die Aktivität dieser Neuronen ist wahrscheinlich auch entscheidend für die Wahl der Affen im Test, erklären die Wissenschaftler.

Bereits in früheren Arbeiten konnte gezeigt werden, dass eine Beschädigung des orbitofrontalen Cortex häufig mit Essstörungen, Spielsucht, Drogenmissbrauch und ungewöhnlichem Sozialverhalten einhergeht. Die Resultate der neuen Studie sollen nun helfen, die zugrunde liegenden Mechanismen dieser Störungen besser zu verstehen, hoffen die Forscher um Padoa-Schioppa.

Camillo Padoa-Schioppa ( Harvard Medical School, Boston) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/nature04676 ddp/wissenschaft.de ? Andrea Boller
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