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Der Werdegang des HI-Virus

Das HI-Virus hat schon um 1908 und nicht erst 1931, wie bislang angenommen, zum ersten Mal einen Menschen infiziert. Das schließt eine US- Forschergruppe um den Virologen Michael Worobey von der University of Arizona aus einem Vergleich des genetischen Aufbaus verschiedener HIV-Varianten und deren Pendants aus Affen, den SI-Viren. Demnach war die Vielfalt an genetischen Strukturen des häufigsten HIV-Typs, HIV-1, bereits Anfang der 1960er Jahre so groß, dass seit dem ersten Auftreten beim Menschen mehr als die zuvor vermuteten 30 Jahre vergangen sein müssen. Der weniger verbreitete Typ HIV-2 hingegen ging wohl tatsächlich erst in den 30er Jahren vom Affen auf den Menschen über. Es stammt von einem SI-Virus ab, das entgegen früherer Vermutungen nicht bereits seit Millionen von Jahren Affen infizierte, sondern erst seit wenigen hundert Jahren.

Zu den untersuchten Proben gehörte auch Material aus Lymphgewebe, das 1960 in der Universität von Kinshasa eingelagert worden war. Es enthält HI-Viren vom Typ 1 und ist damit erst der zweite HIV-Nachweis, der aus der Zeit vor 1976 stammt. Die bereits damals vorhandene genetische Vielfalt entdeckte Marlea Gemmel, eine Mitarbeiterin von Worobey, als sie die DNA des Virus mit der aus einer 1959 entnommenen Blutprobe verglich. Unter Zuhilfenahme der Daten heutiger HI-Viren konnte die Wissenschaftlerin zudem den ungefähren Zeitpunkt berechnen, an dem die Entwicklung von HIV-1 im Menschen begann.

Auch der Werdegang von HIV-2 verlief etwas anders als bisher angenommen, berichtet Joel Wertheim, ein weiterer Mitarbeiter von Worobey. Von Interesse ist dabei vor allem sein „Vorfahr“, also der SIV-Stamm, aus dem HIV-2 entstanden ist. Da Affen die Viren zwar häufig im Körper tragen, jedoch praktisch nie an Aids erkranken, hatten Wissenschaftler bisher vermutet, Affen und Viren hätten sich im Lauf einer Jahrmillionen dauernden gemeinsamen Entwicklung aneinander gewöhnt. Als Wertheim nun die SI-Viren von Grünen Meerkatzen, Mangaben und Makaken verglich, stellte er allerdings fest, dass der Stammbaum der Viren nicht an den gleichen Stellen Verzweigungen aufwies wie der der Primaten. Das wäre jedoch eine unverzichtbare Voraussetzung für die Theorie der langen gemeinsamen Entwicklung. Stattdessen, schließt Wertheim aus seinen Daten, ging das Virus wohl erst Anfang des 19. Jahrhunderts auf die Makaken über, und von dort schaffte es etwa 125 Jahre später den Sprung auf den Menschen.

Den Ursprung von HIV genau zu kennen, sei aus zwei Gründen wichtig, schreibt „Science“. Zum einen illustrieren diese Viren, wie und wie häufig Krankheiten vom Tier auf den Menschen übergehen. Zum anderen helfen die Ergebnisse, HIV und Aids besser zu verstehen. Wenn es beispielsweise nicht die lange Anpassungszeit war, die die Affen immun gegen SIV machte, muss nach anderen Faktoren gesucht werden ? und diese können möglicherweise neue Therapieansätze aufzeigen.

Science, Onlinedienst ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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