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Des Trippers Tauschgeschäft

Ein US-amerikanisches Forscherteam hat das Erfolgsgeheimnis des Trippers aufgedeckt: Die Bakterien, die die Geschlechtskrankheit auslösen, tauschen Erbgut-Stücke mit ihrem menschlichen Wirt aus und sichern so offenbar ihr Überleben. Das fanden die Forscher heraus, als sie das Erbgut einiger Bakterienzellen analysierten und dabei auf Erbgutstücke stießen, die identisch mit Genen des Menschen sind. Das sei der erste bekannte Hinweis darauf, dass ein Gentransfer von Mensch zu Bakterien möglich ist, sagen die Wissenschaftler. Dieser Austausch könnte den Mikroben einen evolutionären Vorteil verschafft und es ihnen ermöglicht haben, sich derart erfolgreich an den menschlichen Wirt anzupassen.

Die Gonorrhoe, wie der Tripper offiziell genannt wird, ist eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten der Welt: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jährlich etwa 60 Millionen Menschen über geschlechtlichen Kontakt mit Bakterien der Art Neisseria gonorrhoeae – auch als Gonokokken bekannt – infiziert. Die Gonorrhoe kann unbehandelt bei beiden Geschlechtern zu einer Gelenk- und Herzinnenhautenzündung führen und bei Frauen zudem zu Unfruchtbarkeit. Sie ist eine der wenigen Erkrankungen, die ausschließlich bei Menschen vorkommt. Genau diese Besonderheit inspirierte die Forscher um Seifert jetzt, zu untersuchen, was die Bakterien gerade bei diesem Wirt so erfolgreich macht. Dazu entzifferten sie Erbgutstücke von insgesamt 14 Neisseria-Kolonien, die von Gonorrhoe-Patienten stammten. Ergebnis: Drei der isolierten Bakterienvarianten enthielten DNA-Stücke, die mit einem DNA-Fragment des menschlichen Genoms identisch waren.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieses Erbgutstück durch einen Genaustausch zwischen Wirt und Mikroorganismus in die Bakterien gelangte. „Diese Entdeckung gibt uns nicht nur einen Einblick in die Evolution, sondern auch einen Hinweis darauf, wie die Bakterien es schaffen, sich ständig anzupassen, um in ihrem Wirt überleben zu können“, erklärt Studienleiter Seifert. Ob der aktuell entdeckte Gentransfer tatsächlich einen Vorteil für die Bakterien brachte und wenn ja, welchen, wissen die Forscher allerdings noch nicht. Dennoch halten sie ihre Entdeckung für wichtig: Es sei zwar bekannt gewesen, dass Bakterien untereinander und mit Hefepilzen Erbmaterial austauschen können. Einen Hinweis auf einen Genaustausch zwischen Bakterien und Mensch habe es bislang jedoch nicht gegeben.

Seifert durchforstete mit seinen Kollegen außerdem das Erbgut der eng verwandten Meningokokken, offiziell als Neisseria meningitidis bezeichnet – der Bakterien, die Hirnhautentzündung verursachen. Trotz der ausgeprägten genetischen Verwandtschaft zwischen den beiden Mikroorganismen fanden sich in den Meningitis-Bakterien keine Spuren menschlicher DNA, berichten die Forscher. Daher habe der erste Fall von Gentransfer zwischen Gonokokken und ihrem menschlichen Wirt vermutlich vor gar nicht allzu langer Zeit stattgefunden, schließen die Wissenschaftler daraus. Als nächstes möchten sie die Funktion des ausgetauschten DNA-Stückes genauer bestimmen.

Hank Seifert (Northwestern University, Chicago) et al: mBio, Online-Veröffentlichung vom 14. Februar dapd/wissenschaft.de –
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