Desinfektion unter Druck - wissenschaft.de
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Desinfektion unter Druck

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Anders als der hier dargestellte herkömmliche Hochdruckreiniger brauchen schnurlose Heißdampf-Pistolen keine schweren Stromaggregate. Bild: Mark Schellhase, www.wikipedia.de
Britische Forscher haben eine Heißdampf-Spritzpistole entwickelt, mit der Keime im Krankenhaus effizient abgetötet werden können. In dem Handgerät läuft eine sehr schnelle chemische Reaktion ab, bei der ein Substanzgemisch in wenigen Sekunden in bis zu 800 Grad heißen Wasserdampf umgesetzt wird. Das Gerät benötigt keine Stromversorgung und hat die Abmessungen eines Zimmerpflanzensprühers. Mit einem Prototypen konnten Mediziner in einer Londoner Universitätsklinik bereits antibiotikaresistente Krankheitskeime unschädlich machen, erläutert Dave Wardle vom Unternehmen Oxford Catalysts. Den ersten Serieneinsatz könnte die Entwicklung beim Ablösen von Kaugummis von Gehwegen haben.

Die Forscher nutzen eine explosionsartige, wenngleich kontrollierte Reaktion von Methanol und Wasserstoffperoxid an einem Metallkatalysator. In der Spritzpistole gelangen die Substanzen per Fingerabzug aus dem Flüssigkeitsreservoir zum Katalysator, der die Baugröße eines Zuckerwürfels hat. Dort reagieren die Flüssigkeiten zu Kohlendioxid und Heißdampf. Ein Stromanschluss wie bei Dampf- und Hochdruckreinigern ist nicht nötig, da die chemische Reaktion sich selbst trägt und den Dampf unter hohem Druck aus der Spritzkanüle heraustreibt. Temperatur und Heißdampfmenge können die Entwickler je nach Anwendungsart einstellen. Zwischen sieben und siebzig Litern Heißdampf pro Minute mit Temperaturen bis zu 800 Grad Celsius sind dabei möglich.

An der Universitätsklinik des University College in London konnten Mediziner gefährliche, gegen Antibiotika resistente Bakterien mit Dampftemperaturen von 150 bis 180 Grad Celsius bekämpfen. Auch mobile Dampfstrahler für Gebäudereinigung und Schmutzbeseitigung auf Gehwegen sind in Planung. Bislang müssen die Reinigungskräfte die Aggregate auf Wägelchen oder im Auto bewegen. Die neue Technik könnte hingegen im Rucksack mitgeführt werden.

Chemistry & Industry, 30. Juli ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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