Ende März findet in Berlin die zweitägige Konferenz "Ecosummit" statt. Gründer Jan Michael Hess über die "Smart Green Economy" und was uns heute noch dazu fehlt, sie zu verwirklichen. "Deutschland ist auf einem guten Weg, eine intelligente grüne Volkswirtschaft zu werden" - wissenschaft.de
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Ende März findet in Berlin die zweitägige Konferenz "Ecosummit" statt. Gründer Jan Michael Hess über die "Smart Green Economy" und was uns heute noch dazu fehlt, sie zu verwirklichen.

„Deutschland ist auf einem guten Weg, eine intelligente grüne Volkswirtschaft zu werden“

Das heißt, das Besondere an der Konferenz ist sozusagen die Mittlerfunktion zwischen jungen Unternehmen und Leuten, die es ihnen ermöglichen, ihre grünen Ideen umzusetzen?

Genau, dafür nehmen wir aber keine Provision, sondern wir bieten nur die Plattform für die Begegnung. Das machen wir übrigens auch außerhalb der Konferenz immer häufiger.

Es können aber auch Interessierte zur Konferenz kommen, die weder Unternehmer noch Investor sind, oder?

Natürlich. Jeder, der sich grundsätzlich für die Dynamik und den Fortschritt in diesem Bereich begeistert, ist willkommen, etwa Vertreter von größeren Firmen, die nicht unbedingt auf Investorensuche sind, sowie Politiker, Wissenschaftler, Unternehmensberater oder Dienstleister aus den Feldern Kommunikation und Recht. Wir rechnen mit insgesamt rund 400 Teilnehmern – sind aber wohlgemerkt keine Konsumenten-Konferenz und stellen auch keine Produkte oder Dienstleistungen aus.

Jetzt sagen einige nicht ganz zu Unrecht, dass man über diese Themen schon seit Jahrzehnten spricht, der Trend zu mehr Nachhaltigkeit aber eher schleppend in die Gänge kommt. Sehen Sie das auch so?

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Wir denken, dass Deutschland auf einem ganz guten Weg ist, als eine der ersten eine intelligente grüne Ökonomie zu werden. Wir sind aber lange noch nicht am Ziel. Die Frage ist natürlich, wie man dieses definiert. 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung etwa wäre so ein Ziel. In Deutschland sind wir auf dem Gebiet weltweit Vorreiter, kommen momentan aber nur auf rund 16 Prozent, da haben wir also nicht einmal ein Fünftel geschafft. Und die Zeiträume, die für das Erreichen des Ziels von Bundesregierung und auch auf internationaler Ebene so formuliert werden, sind in der Regel 2050 oder später. Wir vom Ecosummit sind ganz klar der Meinung, dass wir so viel Zeit nicht mehr haben. 2030 wäre nötig und machbar, wobei wir uns auf eine Studie der Stanford University beziehen (zu finden ist diese Studie hier , die bei unserer ersten Konferenz letztes Jahr, dem „Green Venture Summit“, Thema war. Zu einer intelligenten grünen Ökonomie würde außerdem gehören, dass alle Bürger online sind und dass der Verkehr nur noch mit Elektro- oder wenigstens Hybrid-Fahrzeugen stattfindet. Wenn die Bundesregierung jetzt formuliert, wir wollen bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen haben, ist das auch zu wenig. Wir haben in Deutschland 50 Millionen Autos, das wären also nur zwei Prozent! Konsumprodukte sind großteils auch noch alles andere als grün – außer vielleicht Lebensmittel, wo sich die Produktion verhältnismäßig einfach umstellen lässt und die Nachfrage immer mehr steigt. Bei den anderen Produkten würden wir uns wünschen, dass das Cradle to Cradle-Prinzip von Michael Braungart mehr Verbreitung findet. Dieses Prinzip – Produkte von vornherein so zu designen, dass sie optimal wiederzuverwerten sind, so dass es keinerlei Abfall mehr gibt, der weggekippt werden muss – wollen wir auch auf unserer Konferenz pushen.

Nun ist der Eintritt zur Konferenz nicht günstig, knapp 600 Euro aufwärts, kann man sich auch anderweitig über den Verlauf der Konferenz und ihre Inhalte informieren?

Ja, daran ist uns sehr gelegen. Wir werden von der Hauptbühne live im Internet übertragen und nach der Konferenz alle Vorträge online stellen.

Ist die Aufbruchstimmung Richtung Green Economy unter Unternehmern eigentlich schon größer als unter Politikern?

Da gibt es mehrere Antworten drauf. Wir glauben aber, dass die Transformation Richtung Smart Green Economy nicht von der Politik durchgesetzt werden wird, sondern dass der Ball bei den Unternehmern liegt.

Oder auch dem Konsumenten?

Ja natürlich, die müssen mitziehen. Die Unternehmen müssen grüne Lösungen anbieten, und die Konsumenten müssen sie kaufen.

In einem anderen Interview sagten Sie, der Konsument werde in Zukunft nur noch nachhaltig einkaufen, darauf müssten sich die Unternehmen einstellen. Ist das wirklich so, regieren nicht vor allem in Deutschland noch die Billigheimer, und der Preis ist das wichtigere Argument bei der Kaufentscheidung?

Ich gebe zu, dass bei meiner Aussage auch ein wenig Wunschdenken mitschwingt. Es ist aber so, dass der Konsument in vielen Fällen eine bessere, grünere Option bei der Kaufentscheidung hat, in vielen Fällen aber gibt es die noch gar nicht. Dort kann er dementsprechend noch nicht in die richtige Richtung lenken. Firmen, die dort ansetzen, haben gute Chancen am Markt und können für Dynamik sorgen, so dass immer mehr nachziehen – Unternehmen wie Konsumenten. Bei alledem geht es aber natürlich auch um Bewusstseinsbildung. Wenn zum Beispiel Nokia sagt, ihre Handys seien zum großen Teil schon recyclebar: Wie viele ausgediente Handys landen dann am Ende wieder bei der Firma oder einem anderen Wiederverwerter? Ein Bruchteil! Und da muss der Konsument dann auch mitmachen. Genauso wie der Einkäufer eines Unternehmens, der sein Bürogebäude natürlich ebenso zum Beispiel mit normalem oder mit Ökostrom versorgen kann. Ein cooles modernes Unternehmen entscheidet sich für Ökostrom. Und wirkt auch auf seine Zulieferer ein. Wenn wir die Angebote, die bereits existieren, nicht nutzen, helfen oft auch gute Gesetze nichts. Und auf diesem Weg sind noch viel zu wenige.

Wir stehen also noch immer am Anfang …

Ja, aber immerhin sind es heute nicht mehr nur die „Ökos“, die aktiv werden, sondern der Trend geht immer mehr in die Breite. Die Zeit dafür ist jetzt gekommen, da wir zum einen immer bessere umweltfreundliche Technologien zur Verfügung haben und wir alle über das Internet vernetzt sind. Gleichzeitig sitzen uns inzwischen spürbare Folgen des Klimawandels im Nacken, die immer mehr Menschen aufrütteln. Das Verstehen und das Denken sind also jetzt da – was fehlt, ist noch das Handeln. Die Hauptaufgabe unserer Veranstaltung sehen wir in der totalen Motivation.

 

Der Ecosummit 2011, die internationale Konferenz für Investoren und Unternehmer auf dem Weg in die Smart Green Economy, findet am 24. Und 25. März im Ökohotel Scandic am Potsdamer Platz in Berlin statt. natur+kosmos ist Medienpartner. Die Konferenz richtet sich vor allem an Investoren und Unternehmer, aber auch andere Interessierte können teilnehmen. Die Tickets kosten zwischen 595 und 795 Euro, zu beziehen auf der Konferenz-Website http://ecosummit.net.

© natur.de – natur Redaktion
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