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Dicke leben gefährlich

Übergewichtig erhöht das Risiko für Leberkrebs. Diesen Zusammenhang, auf den bereits mehrere statistische Studien hingedeutet haben, hat ein US-Forscherteam jetzt bei Mäusen eindeutig nachgewiesen: Sind die Tiere übergewichtig, entwickelt die Leber selbst bei den geringsten Belastungen, die normalerweise völlig unproblematisch sind, eine Tumorerkrankung. Verursacht wird diese erhöhte Empfindlichkeit dabei durch eine leichte chronische Entzündung der Leber, die zum einen auf eine verstärkte Fetteinlagerung im Lebergewebe und zum anderen auf überdurchschnittlich große Mengen entzündungsfördernder Botenstoffe im Blut zurückgeht. Sollte sich dieser Zusammenhang auch beim Menschen nachweisen lassen, wofür es bereits eine ganze Reihe von Hinweisen gibt, könnten entzündungshemmende Medikamente Übergewichtigen in Zukunft helfen, ihr Leberkrebsrisiko zu verringern.

Laut Michael Karin und seinem Team von der University of California in San Diego gibt es mittlerweile kaum noch Zweifel daran, dass Übergewicht tatsächlich mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergeht. Betroffen sind dabei hauptsächlich Tumorerkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Bauchspeicheldrüse, der Nieren und, vor allem, der Leber. Was jedoch der entscheidende Faktor für dieses erhöhte Risiko ist ? Ernährung, eine genetische Veranlagung oder das Übergewicht selbst ? sei bisher ungeklärt, schreiben die Studienautoren. Deshalb entwarfen sie eine Studie mit Mäusen, in der sie den Einfluss der verschiedenen Faktoren voneinander trennen und so den Zusammenhang genauer bestimmen konnten.

Ganz offensichtlich ist nicht die kalorienreiche Ernährung, sondern das Übergewicht der Übeltäter, kristallisierte sich aus den Untersuchungen heraus. So traten bei Mäusen, die aufgrund von sehr fettreichem Futter Übergewicht entwickelt hatten, ebenso vermehrt Lebertumoren auf wie bei Artgenossen, die wegen einer genetischen Veränderung und nicht wegen ihrer Ernährung zu dick waren. Zudem löste bei übergewichtigen Tieren bereits eine geringe Dosis einer bestimmten Chemikalie ein Tumorwachstum in der Leber aus, die bei schlankeren Tieren keinerlei gesundheitsschädigenden Effekt hatte.

Verantwortlich für diesen tumorfördernden Effekt waren vor allem zwei Botenstoffe des Immunsystems namens IL-6 und TNF, wie weitere Tests zeigten. Beide Signalmoleküle werden bei Übergewichtigen ? sowohl bei Mäusen wie auch bei Menschen ? vermehrt gebildet und lösen eine ständige leichte Entzündung in verschiedenen Organen aus. Genau diese Entzündung scheint die Einlagerung von Fett in der Leber zu fördern, was wiederum die Entzündungsreaktion verstärkt und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Leberzellen entarten und sich unkontrolliert zu teilen beginnen. Zwar habe man bereits vermutet, dass der Einfluss von Übergewicht auf das Krebsrisiko durch solche Entzündungsfaktoren vermittelt wird, schreiben die Forscher. Der direkte Nachweis in der neuen Studie helfe nun jedoch, die Schuldigen genauer einzugrenzen und ermögliche es so, gezielt Strategien dagegen zu entwerfen.

Michael Karin (University of California, San Diego) et al.: Cell, Band 140, Seite 197
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