Zwischenruf von Peter Laufmann Die Angst vorm bösen Wolf - wissenschaft.de
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Zwischenruf von Peter Laufmann

Die Angst vorm bösen Wolf

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Warum es nicht in Ordnung ist, gegen den Wolf zu wettern. Und wir stattdessen lieber feiern sollten, dass der große Beutegreifer es auch eigener Kraft schafft, sich bei uns zu behaupten.

Ja, natürlich frisst der Wolf Rehe, natürlich tötet er ein Schaf, wenn er eins vor die Nase gesetzt bekommt. Natürlich könnte er einen Menschen beißen. Wölfe sind große Beutegreifer, das ist ihr Job. Aber bei Licht betrachtet, gibt es keine Probleme mit ihnen. Zumindest keine, für die es nicht längst Lösungen gibt. Dass Landwirte und Schäfer wirtschaftlichen Schaden nicht hinnehmen können, ist klar. Aber das ist nicht Schuld des Wolfes, sondern einer Politik, die unfähig ist, Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen. Lieber für Banken oder Großkonzerne. Schäfer in anderen europäischen Ländern leben ganz gut von dem staatlichen Schadensersatz für mutmaßlich vom Wolf getötete Tiere.

Und Jäger? Die meisten Jäger machen sich sehr verdient um den Naturschutz. Sie pflegen und hegen und haben mehr Ahnung von natürlichen Zusammenhängen als die große Mehrheit der Menschen. Warum neiden sie dann dem Wolf die paar Stücke Wild? Kein Jäger wird dadurch Hunger leiden müssen. Allein zwischen April 2010 und März 2011 starben 205.320 Rehe durch Autos. 20 Menschen kamen bei Wildunfällen auf Straßen zu Tode. Könnten die Waidmänner sich nicht dieser Baustelle annehmen?

Und da wir schon beim Verkehr sind: 29.320 mal waren im Jahr 2012 Kinder in Verkehrsunfälle verwickelt. 73 starben, das heißt, alle fünf Tage wurde ein Kind auf unseren Straßen getötet. Das ist schlimm. Gerade die Politiker-Gimpel, die jetzt eine Gefahr durch Wölfe sehen, könnten sich doch erst einmal für einen besseren Schutz unserer  Kinder auf unseren Straßen einsetzen.

Was treibt also Menschen dazu, gegen Wölfe zu wettern? Ist es Neid, Egoismus? Oder wirklich Dummheit? Übrigens auch Kormoran, Graureiher, selbst Wespen leiden unter menschlichem Verfolgungswahn. Unser reiches Land spricht einem Teil seiner Bewohner ihre Daseinsberechtigung ab. Das ist lächerlich und armselig. Die Tiere haben ein verdammt ebenso großes Recht, hier zu sein, wie wir. Wenn man will, haben sie sogar die älteren Rechte, sind wir doch letztlich biologische Invasoren aus Afrika.

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Also: Lasst den Wolf in Ruhe!

Anmerkung
Den Kommentar hat Peter Laufmann für unseren kostenlosen Newsletter geschrieben.

Bild: Fotolia/cynoclub

© natur.de – Peter Laufmann
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