Die Arktis wird grüner - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Die Arktis wird grüner

Arktispflanzen
Pflanzenwuchs in der Arktis (Foto: Berkeley Lab)

Die Pflanzenwelt der polaren Breiten hat bereits auf den Klimawandel reagiert: Begünstigt durch mildere Temperaturen, grünt es in der Arktis inzwischen durchgehender und üppiger als noch vor 30 Jahren, wie eine neue Studie bestätigt. Verändert hat sich dabei vor allem der Anteil der begrünten Landflächen, bei denen die Kälte den Pflanzenwuchs einschränkt. Diese Gebiete sind bereits um 16 Prozent geschrumpft – Tendenz weiter fallend.

Die Polargebiete der Erde sind wegen ihrer Kälte und langen Dunkelheit für Pflanzen ein harter Lebensraum. In den Tundren des hohen Nordens gedeihen meist fast nur Moose, Flechten und einige krautige Pflanzen. In der Antarktis schaffen es die Pflanzen nur entlang der Küsten, zumindest einige Flecken sommerlichen Grüns auszubilden. Doch durch den Klimawandel mit seinen steigenden Temperaturen und höheren Kohlendioxidwerten beginnt sich die Lage zu ändern.

Blick auf 30 Jahre Arktis-Vegetation

Schon vor einigen Jahren stellten Wissenschaftler fest, dass die Vegetation auf einem Großteil der irdischen Landflächen seit 1982 üppiger und damit grüner geworden ist. Die Blattfläche der Bäume, Sträucher und sonstigen Pflanzen hat sich messbar vergrößert. Dieser Effekt war bereits damals in den hohen Breiten und den Hochlagen der Gebirge messbar. Wie viel grüner die arktische Natur geworden ist und woran dies liegt, haben nun Trevor Keenan und William Riley vom Lawrence Berkeley National Laboratory näher untersucht.

Für ihre Studie werteten die Forscher Satellitenaufnahmen der letzten rund 30 Jahre aus, die das Werden und Vergehen des pflanzlichen Grüns im hohen Norden zeigten. Zusätzlich nutzten sie Daten zur Strahlungsabsorption der Pflanzendecke und Temperaturdaten, um zu ermitteln, in welchen Regionen die Kälte den limitierenden Faktor für das Pflanzenwachstum darstellt. Das ist meist dort der Fall, wo es kaum Monate mit Mitteltemperaturen oberhalb von fünf Grad Celsius gibt.

Immer weniger kältegeprägte Landflächen

Wie erwartet bestätigten die Ergebnisse, dass die Arktis insgesamt deutlich grüner geworden ist. Die Pflanzendecke ist dichter und üppiger geworden und in vielen Gebieten haben sich Bäume bereits weiter nach Norden ausgebreitet als noch vor 30 Jahren, wie die Forscher berichten. Deutlich wurde aber auch ein weiterer Effekt: Die Gebiete, in denen bisher die Kälte ein üppigeres Pflanzenwachstum verhinderte, sind kleiner geworden. „Wir identifizieren einen Rückgang dieser durch Kälte limitierten Landflächen um 16,4 Prozent“, berichten Keenan und Riley. „Die Vorhersagen des letzten Weltklimaberichts könnte demnach die Veränderungen in den arktischen Ökosystemen signifikant unterschätzt haben.“

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Auf den ersten Blick scheint diese Entwicklung durchaus positiv: „Dieses Ergrünen klingt nach guten Nachrichten, denn es bedeutet ja schließlich eine verstärkte Aufnahme von Kohlendioxid durch die Vegetation und auch mehr Biomasse“, sagt Keenan. „Gleichzeitig aber repräsentiert dieser Trend eine schwerwiegende Störung des sensiblen Gleichgewichts in den kalten Ökosystemen.“ Denn mit dem milderen Wetter breiten sich Pflanzenarten aus südlicheren Gefilden in der Arktis aus und machen den dort endemischen Gewächsen Konkurrenz. „Diese Veränderung der Vegetation könnte wiederum Insekten und andere Tiere beeinträchtigen, die sich von diesen endemischen Pflanzen ernähren.“

Im Moment allerdings sieht es nicht so aus, als würde sich dieser Trend stoppen lassen. Keenan und Riley prognostizieren, dass die von der Kälte geprägten und limitierten Vegetationszonen bis zum Jahr 2100 weiter abnehmen werden. Bei halbwegs wirksamem Klimaschutz um 45 Prozent, bei nahezu ungebremstem Klimawandel aber um 85 Prozent.

Quelle: Lawrence Berkeley National Laboratory, Fachartikel: Nature Climate Change, doi: 10.1038/s41558-018-0258-y

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