Die Asphaltstrasse ist schmal, - wissenschaft.de
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Erde+Klima Umwelt+Natur

Die Asphaltstrasse ist schmal,

Moore speichern enorme Mengen Kohlendioxid. Klimaschützer um den Greifswalder Biologen Michael Succow nutzen dieses Potenzial im Kampf gegen die Erwärmung der Atmosphäre.

Die Asphaltstrasse ist schmal, aber ungewöhnlich gut in Schuss. Teerdecke ohne Schlaglöcher, eine Leitplanke rechts, eine links, alles ganz ordentlich, nach der Wende neu gemacht. Das Sträßchen führte einmal in den Ort Kamp am Nordwest-Zipfel des Stettiner Haffs. In der Nähe der Anklamer Fähre, die Autos nach Usedom befördert, überquert es einen Deich und endet dann ganz plötzlich – an einem See. Das Wasser steht einen halben Meter hoch auf einer Fläche, die früher einmal aus Wiesen und Weiden bestand. Ein Warnschild ragt aus dem Wasser heraus.

Der Ort ist einer der Plätze, an die Michael Succow gerne Besucher führt. Das Gebiet ist nach einem Deichbruch in den 1990er-Jahren zum Feuchtbiotop geworden. „Hier wird irgendwann ein neues Moor entstehen“, sagt der Biologe, Agrarwissenschaftler und weitgereiste Naturschutz-Professor aus Greifswald. Er hält sein Auto an. „Das müssen Sie sich anschauen.“

Es ist ein Blick in die Zukunft. Jetzt sieht es hier noch aus wie ein großer See, aus dem Wasserpflanzen ragen, vor allem Rohrkolben und Binsen. Bisamratten haben Nester aus Pflanzen darin gebaut, aus Schilf und Seerosenwurzeln. Ihre „Burgen“ schauen 30 bis 40 Zentimeter aus dem Wasser heraus. Auch Biber leben hier. Weiter hinten, nur per Boot erreichbar, stehen kahle Birken- und Kiefernwälder in den Fluten. Die Bäume sind abgestorben, nachdem die Fläche 1995 großflächig geflutet wurde. „ Hier entsteht ein neuer Lebensraum“, sagt Succow. „Es ist spannend, das zu beobachten.“

Succow, der „Moorpapst“, wie sie ihn nennen, ist 71 Jahre alt. Der emeritierte Professor mit dem imposanten grauen Vollbart, der früher unter anderem an der Universität Greifswald geforscht hat und Direktor des dortigen Botanischen Instituts und Botanischen Gartens war, strotzt vor Vitalität. Trotzdem ist er nicht sicher, ob er das „Anklamer Moor“ noch wachsen sehen wird. Succow schätzt, dass es drei oder vier Jahrzehnte dauern wird, bis sich genügend Torf-Biomasse für die Entstehung eines Moors gebildet hat. Bisher haben erst Pionierpflanzen wie Rohrkolben das Terrain erobert, das nach einem Deichbruch zum Feuchtbiotop wurde. Damals überflutete das Wasser auf einen Schlag rund 25 000 Hektar Grünland. Für eine Reparatur der Deiche hatte die klamme Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern kein Geld, was sich nun als Segen für den Naturschutz entpuppt.

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Die Pioniere, die auf dem Schlammboden wachsen, bereiten das Terrain vor. „Erst später gedeihen hier Schilfgräser und Seggen, die typischen Pflanzen unserer Niedermoore“, erläutert Succow. Das im Winter abgestorbene Wurzelgeflecht legt sich Schicht um Schicht auf den Boden, der Schlamm wird nach und nach abgedeckt, und es entsteht Torf – unter Luftabschluss und ständig von Wasser bedeckt. Ein wesentlicher Teil der Pflanzenmasse, die beim Wachsen durch Photosynthese Kohlenstoff aus der Luft eingelagert hat, geht nicht mehr in den Kreislauf der Natur ein. Er wird fixiert. Und das ist es, was Michael Succow in den letzten Jahren immer mehr für die Moore begeistert hat: „Denn das macht sie zu Klimaschützern.“

MOORLEICHEN UND IRRLICHTER

Moore erschienen Menschen über viele Jahrhunderte als düster, abweisend und unheimlich. Ein unwegsamer, schwankender Boden, unberechenbar, sumpfig, besonders gefährlich im Herbst, wenn die Nebel schwer darüber hängen. Man sprach über Moorleichen und Irrlichter. Doch inzwischen wendet sich das Blatt: Klima- und Umweltforscher unterstreichen die große Bedeutung der Moore. Die Feuchtbiotope regulieren den Wasserhaushalt und sie fungieren als Schadstofffilter, sie wirken temperaturausgleichend und bieten Lebensräume für viele hochspezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Und sie sind der effektivste Kohlendioxid-Speicher der Natur. Ein Vergleich macht das deutlich: Obwohl Moore weltweit nur rund drei Prozent der Landfläche ausmachen – rund 400 Millionen Hektar –, speichern sie etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen.

Doch diese Erkenntnis schützt die Moore bisher nicht. In Westeuropa, den USA, China und Südostasien sind sie bereits zum größten Teil zerstört, und der Raubbau geht weiter. Moore werden weltweit trockengelegt, um sie in Äcker und Weiden umzuwandeln. In ihnen wird Torf gestochen – zum Verheizen oder als Bodenverbesserer für Gärten. In Deutschland wird vor allem auf Hochmooren in Niedersachsen Torf abgebaut. Die größten Abnehmer – von rund 90 Prozent des gestochenen Torfs – sind Gärtnereien und Hobbygärtner.

Die Belastung für das Weltklima durch die Zerstörung der Moore ist enorm. Entwässerung, Torfbrände – wie 2010 rund um Moskau – und die Torfnutzung führen dazu, dass global pro Jahr zwei bis drei Milliarden Tonnen des Treibhausgases CO2 in die Atmosphäre gelangen. Das sind bis zu 9 Prozent der Gesamtemissionen von rund 34 Milliarden Tonnen.

Treibhausgas-Bomben

Der Leiter des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Claus Kumutat, erklärt: „Jeder Hektar entwässertes Hochmoor setzt die gleiche Menge CO2 frei wie ein Mittelklasse-Wagen, der 20 000 Kilometer im Jahr fährt.“ Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) fordert daher die Entwicklung und die verstärkte Verwendung von Torfersatzstoffen wie Holzfasern, Rindenhumus oder Lavagranulaten. Durch eine verpflichtende, schrittweise wachsende Beimischungsquote ließen sich bis 2020 die Hälfte der Gartenerden torffrei anbieten, meinen die Nabu-Experten.

Entwässerte Moore sind „Treibhausgas-Bomben“. Solange diese Feuchtgebiete intakt sind und der in Jahrhunderten aus den abgestorbenen Pflanzenresten gebildete Torf ganzjährig unter Wasser steht, ist der darin gespeicherte Kohlenstoff gefangen. Doch durch Entwässerung und Abbau ändert sich das. Es leuchtet sofort ein: Die Nutzung des Torfs zum Heizen schickt das CO2 direkt in die Atmosphäre. Aber auch die Umwandlung der trockengelegten Flächen in Äcker belastet das Klima.

Die Bodenstruktur verändert sich dabei rasant, wie Forscher der Universität Greifswald gezeigt haben. Die oberste Schicht wird körnig wie Kohlenstaub und ist dadurch erosionsgefährdet. Die darunter liegenden, vormals wassergesättigten Torfschichten werden zusammengepresst, und eine mikrobielle Zersetzung beginnt. Die Folge: Der Torfkörper wird mineralisiert, er sackt zusammen. Pro Jahr schrumpft der Moorboden im Durchschnitt um ein bis zwei Zentimeter. Das bedeutet: In einem entwässerten Moor gehen pro Hektar und Jahr 6 bis 15 Tonnen Torf verloren. Ein großer Teil des darin gespeicherten Kohlenstoffs reagiert mit dem Luftsauerstoff zu CO2 und entweicht in die Atmosphäre.

Und es gibt noch einen zweiten Klimafaktor: Die Mineralisierung bewirkt besonders in den basenreichen Niedermooren, dass große Mengen des im Torf gebundenen Stickstoffs freigesetzt werden. Zum kleineren Teil geht das Element in Form von Nitrat ins Trinkwasser über, hauptsächlich aber entweicht es als Lachgas (N2O) in die Luft. N2O ist ebenfalls ein Treibhausgas.

Auch in Deutschland, wo bereits über 90 Prozent der Moore entwässert wurden, ist der Raubbau nicht überall gestoppt. Succow hält es für grotesk, dass ausgerechnet die Energiewende neuen Antrieb gab. Er verweist auf Niedersachsen, wo der Anbau von Mais, von dem immer mehr in Biogasanlagen landet, bevorzugt auf ehemaligen Niedermooren stattfindet. Dass auf den entwässerten Moorflächen auch noch Gülle aus der Tiermast ausgebracht wird, beschleunigt den Torfabbau noch. Der organische Boden schrumpft um drei bis vier Zentimeter pro Jahr – mit dem entsprechend verheerenden CO2-Effekt.

Für umso wichtiger halten es Klimaforscher und Umweltverbände, die Feuchtgebiete vor weiterem Raubbau zu schützen und trockengelegte oder abgebaute Moore zu renaturieren. Messungen ergaben: Jeder Hektar geschütztes Moor „erspart“ der Atmosphäre pro Jahr im Schnitt rund neun Tonnen CO2. Das ist etwa so viel, wie ein Deutscher pro Kopf im Schnitt jährlich verursacht.

Das Drama in der DDR

Die ambitioniertesten Programme zum Moorschutz gibt es derzeit in China und Weißrussland. In Deutschland sind vor allem Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Bayern engagiert. Mecklenburg-Vorpommern ist „das“ Moorland der Republik. Rund 12,5 Prozent der Landesfläche gehören zu diesem Landschaftstyp. Der Raubbau begann vor rund 300 Jahren. Torf war ab Anfang des 18. Jahrhunderts, als das Holz aus den übernutzten Wäldern knapp wurde, für ganze Landstriche die wichtigste Energiequelle. Rund 100 Jahre später setzte die Nutzung der Niedermoore als Wiesen und Weiden ein. Richtig dramatisch wurde es aber erst zu DDR-Zeiten. Die Regierung in Ostberlin ordnete an, die Flächen in Ackerland und Weiden umzuwandeln – und zwar als „industriemäßig nutzbare Produktionsstandorte“ für Fleisch- und Milchwirtschaft. „Komplexmelioration“ hieß das. Kurzzeitig funktionierte sie. Doch schon nach acht bis zehn Jahren zeigten sich Bodenschädigungen. Hochleistungsstandorte wurden zu Problemstandorten.

Nach der Wende fiel angesichts der EU-Agrarüberschüsse der Produktionsdruck weg. Die Moorflächen wurden nicht mehr gebraucht. Mecklenburg-Vorpommern machte aus der Not eine Tugend. Die Landesregierung stoppte Mitte der 1990er-Jahre die öffentlichen Hilfen für die Entwässerung der Feuchtgebiete und legte im Jahr 2000 als erstes Bundesland ein Moorschutzprogramm auf. Das Ziel: Rund 37 000 Hektar der degradierten Fläche sollen „ wiedervernässt“ werden, auf weiteren 38 000 Hektar ist eine „ moorschonende“ Grünlandnutzung geplant. Auch Bayern hat die Bedeutung der Moore anerkannt. Die Moorflächen im Land sind seit 2008 gesichert, und man arbeitet daran, trockengelegte Flächen wieder zu fluten.

Offene Deiche im Peenetal

Auch im Tal der Peene, die mitunter als „Amazonas des Nordens“ bezeichnet wird, hatte die „Komplexmelioration“ zugeschlagen. Doch auf inzwischen 20 000 Hektar hat man der Natur die Chance gegeben, die einstige Moorvegetation allmählich zurückzubilden. Die Schöpfwerke, die bis zur Wende die abgesunkenen Böden trocken hielten, sind längst abgestellt. Deiche, die man angelegt hatte, um das Peene-Wasser zurückzuhalten, wurden geöffnet oder nach Durchbrüchen nicht repariert.

„Doch jetzt kommt erst einmal die Zeit der Sümpfe“, sagt Succow. Denn die einstigen Acker- und Weideflächen sind noch viel zu nährstoffreich, um die typische Moorvegetation zu bilden. Succow schlägt vor, in den in Renaturierung befindlichen Flächen eine angepasste Biomasse-Nutzung zu betreiben. Experten sprechen von „Paludikultur“ (nach „palus“, lateinisch für „Sumpf“, „Morast“ ). Die dort wachsenden Schilfpflanzen und Schwarzerlen können regelmäßig geerntet und in Heizungen oder Biomasse-Kraftwerken für eine CO2-neutrale Wärme- und/oder Stromproduktion genutzt werden.

In Weißrussland betreut die von Michael Succow gegründete Naturschutzstiftung ein Pilotprojekt. Dort wird die gehäckselte Biomasse zu Briketts verarbeitet und zum Beheizen von Häusern benutzt. In Mecklenburg-Vorpommern eignen sich nach einer Untersuchung der Universität Greifswald 20 Prozent der Moorfläche für die Paludikultur. Durch Wiedervernässung und Biomasse-Nutzung ließen sich rund 9 Prozent der Treibhausgas-Emissionen des Landes einsparen.

„Die Zeit der Sümpfe währt einige Jahrzehnte“, sagt Succow. „ Aber irgendwann werden diese Ökosysteme wieder Torf speichern“ – so wie in den Jahrtausenden zuvor. ■

JOACHIM WILE, Wissenschaftsjournalist aus Hofheim, hegt einen kleinen Obstgarten mit etwa 40 Bäumen. Torf zur Düngung ist für ihn tabu.

von Joachim Wille

Gut zu wissen: Moore

Moore sind ökologisch besonders wertvolle Lebensräume in Übergangszonen zwischen festem Land und Wasser. Außer in Wüsten oder Halbwüsten kommen sie praktisch überall vor, sogar jenseits des Polarkreises und in den Tropen. Moore machen weltweit drei Prozent der Landfläche aus – rund 400 Millionen Hektar. In Deutschland finden sie sich vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Bayern. Je nach Standort spricht man von Hochmooren oder Niedermooren.

In Mooren herrscht eine ständige Übersättigung mit Wasser, was einen Sauerstoffmangel bewirkt. Er führt dazu, dass abgestorbene Reste von Pflanzen nur unvollständig abgebaut werden. Dadurch entsteht Torf, der abgelagert wird. Pro Jahr wächst die Torfschicht aber nur um rund einen Millimeter. Das heißt: Es vergehen 1000 Jahre, bis ein Meter Torf entstanden ist. Die ersten Moore bildeten sich nach der Eiszeit vor rund 12 000 Jahren, als sich das Klima wieder erwärmte. Viele Täler und Senken wurden überflutet, weil die Eispanzer schmolzen und es viel regnete. Hier verdrängten feuchtigkeitsliebende Pflanzen andere Arten. Moore entstanden dort, wo die abgestorbene Pflanzenmasse nicht zu Humus abgebaut werden konnte.

Niedermoore werden durch Regen und Grundwasser gespeist. Sie finden sich in feuchten Senken und Flussniederungen oder sind in verlandeten Seen oder in der Nähe von Quellen entstanden. Der Nähstoffgehalt der Niedermoore ist relativ hoch, dadurch gibt es mehr Tier- und Pflanzenarten als in Hochmooren. Typisch sind Schilfrohr, Binsen, Rohrkolben, Erlenbruch-Wälder und Weiden-Faulbaumgebüsche.

Hochmoore finden sich in Zonen mit mehr Niederschlag als Wasserverlust durch Abflüsse oder Verdunstung – meist also in kühl-feuchten Klimaregionen. Sie sind nähr- und mineralstoffarm und haben keinen Kontakt zum Grundwasser. Die wichtigsten Moorbildner sind hier Torfmoose. Hochmoore sind artenarm, aber auch Standorte seltener Pflanzenarten und Rückzugsgebiete bedrohter Tierarten.

Bis ins 17. Jahrhundert blieben die Moore weitgehend unberührt. Der Raubbau begann im 18. Jahrhundert. Man entwässerte die Moore, um Agrar- und Siedlungsflächen zu gewinnen. Heute werden die Hochmoore vor allem genutzt, um Torf als Brennstoff, Torfstreu und zur Substratherstellung zu gewinnen.

Moor-Futures

Trockengelegte Moorgebiete zu renaturieren oder gefährdete Moore vor Raubbau zu schützen, kostet Geld. Das kann aus öffentlichen Haushalten kommen oder aus Spenden, die von Naturschutzverbänden wie dem Bund für Umwelt- und Naturschutz und dem Naturschutzbund (Nabu) für diesen Zweck gesammelt wurden. Eine innovative Finanzierung haben Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gefunden: die „Moor-Futures“.

Futures sind eigentlich Börsen-Terminkontrakte. Bei den Moor-Futures handelt es sich dagegen um Zertifikate im freiwilligen Emissionshandel. Die Idee: Unternehmen, aber auch Privatleute, können die Zertifikate kaufen, um Emissionen auszugleichen, die zum Beispiel im Geschäftsbetrieb oder durch das Autofahren entstehen. Die Gelder werden in den Moorschutz gesteckt, pro Zertifikat wird eine Tonne CO2 oder die äquivalente Menge anderer Treibhausgase vermieden.

Das erste Moor-Futures-Projekt war 2012 die Wiedervernässung des Polders Kieve, eines Gebiets im Süden des mecklenburgischen Landkreises Müritz, das vorher zur Beweidung und Mahd genutzt wurde. Bei einer Projektlaufzeit von 50 Jahren werden nach Berechnungen der Universität Greifswald fast 15 000 Tonnen CO2 weniger emittiert. Ein Großteil der Zertifikate – Kosten: 35 Euro pro Stück – wurde bereits verkauft. Um die Renaturierung des Moors Rehwiese bei Freienhagen in Brandenburg zu finanzieren, werden 6744 Futures angeboten. Der Preis beträgt wegen der höheren Kosten der Maßnahmen 67 Euro. Die CO2-Vermeidungskosten liegen im Vergleich zu anderen Maßnahmen wie Umrüstung auf effiziente Beleuchtung oder Wärmedämmung von Häusern relativ hoch. Allerdings geht es beim Moorschutz ja nicht nur um das Klima, sondern etwa auch um den Schutz der Artenvielfalt oder eine bessere Wasserqualität – Vorteile, die nur schwer in Geld umgerechnet werden können.

Michael Succow

Sein Meisterstück lieferte der 1941 geborene Landschaftsökologe im Herbst 1990. Als stellvertretender Minister für Natur-, Umweltschutz und Wasserwirtschaft während der Zeit der Wende in der DDR brachte Michael Succow ein umfassendes Nationalpark-Programm auf den Weg. Es stellte rund sieben Prozent der Flächen in den Neuen Bundesländern unter strengen Schutz. Dieser Coup war typisch für den unbeugsamen Ökologen, der sich seit Jahrzehnten vehement dafür einsetzt, die wirtschaftliche Nutzung und den Schutz von Naturregionen schonend miteinander zu verbinden – und das nicht nur in Deutschland. Nach der Wende sorgte Succow, dem man in der DDR wegen seiner liberalen Haltung viele Steine in den Weg gelegt hatte, dafür, dass viele Gebiete in Ländern des ehemaligen Ostblocks unter Schutz gestellt wurden: etwa in Georgien, Kirgisien, Sibirien und Kasachstan. Noch heute ist er über die Hälfte des Jahres als Berater unterwegs – in Osteuropa, Asien, Afrika und im Nahen Osten. Doch sein „ Heimat-Labor“ ist Mecklenburg-Vorpommern – vor allem das Tal der Peene. Die dortigen Moore liegen dem Biologen, der 14 Jahre lang das Botanische Institut und den Botanischen Garten der Universität Greifswald geleitet hat, besonders am Herzen. Michael Succow gründete eine eigene Naturschutzstiftung. 1997 erhielt er für sein Engagement den alternativen Nobelpreis.

Kompakt

· Die Zerstörung und landwirtschaftliche Nutzung von Mooren ist eine große Belastung für das Weltklima.

· Ein Ausweg ist die Renaturierung ehemaliger Moore.

· Eindrucksvolle Beispiele für die Neubildung von Mooren gibt es im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern.

Mehr zum Thema

Lesen

Jürgen Reich Ein stiller Schatz: Moore in Mecklenburg-Vorpommern Hinstorff Verlag, Rostock 2007 € 12,90

Michael Succow, Hans Josten (Hrsg.) Landschaftsökologische Moorkunde Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2001 € 76,–

Internet

Homepage der Succow-Stiftung: www.succow-stiftung.de

„Moorwanderung im Anklamer Stadtbruch“ (NDR-Nordtour-Video): www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ nordtour/media/nordtour3107.html

Broschüren über Moore in Deutschland vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu): www.nabu.de/moorschutz/ NABU_Moorschutzbroschuere.pdf www.nabu.de/imperia/md/content/ nabude/naturschutz/moorschutz/ klimaschutz-nat__rlich.pdf

„Klima-Hotspot Moorböden“ (Scinexx.de): g-o.de/dossier-572–1 .html

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