Die Eintagsfliege unter den Wirbeltieren - wissenschaft.de
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Die Eintagsfliege unter den Wirbeltieren

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Die Chamäleons auf Madagaskar gehören zu den Wirbeltieren mit der kürzesten Lebenszeit. Bild: Christopher Raxworthy (Amerikanisches Museum der Naturgeschichte in New York)
Auf Madagaskar lebt eine Chamäleonart mit einzigartigem Lebenszyklus: Spätestens fünf Monate nach dem Schlüpfen sind alle erwachsenen Tiere tot. Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Zoologen Kristopher Karsten fand heraus, dass die Tiere den überwiegenden Teil des Jahres ausschließlich in Eiern existieren. Der Wissenschaftler von der Staatsuniversität von Oklahoma in Stillwater hält die Chamäleons der Art Furcifer labordi daher für die kurzlebigsten Landwirbeltiere der Welt.

Im November jedes Jahres schlüpft auf Madagaskar eine komplett neue Generation von Furcifer labordi. Die Trockenzeit, die meist von Mai bis Anfang November reicht, verbringen die Tiere in den Eiern, die von ihren Eltern zu Beginn des Jahres abgelegt wurden. Doch die Chamäleons sind von Beginn an Waisen: Nach der Eiablage sterben die Elterntiere in kürzester Zeit, schreiben die Forscher um Karsten. Sie hatten die Tiere in freier Wildbahn über fünf Jahre beobachtet und ihr Verhalten studiert. Dabei fanden sie heraus, dass die Chamäleons dieser Art rapide altern: Schon zwei Monate nach dem Schlüpfen sind sie geschlechtsreif und weitere zwei Monate später haben sie bereits das Greisenalter erreicht. Älter als fünf Monate wurde keines der beobachteten Tiere.

Die Wissenschaftler vermuten in diesem beschleunigten Lebenszyklus eine Anpassung an die natürlichen Verhältnisse auf Madagaskar: Um den harschen Verhältnissen während der Trockenzeit zu entgehen, verbringen die Tiere diese Jahreszeit in Eiern. Dadurch sind sie vor Umwelteinflüssen besser geschützt, glauben die Forscher.

Die schnelle Entwicklung nach dem Schlüpfen fordert jedoch auch ihren Tribut: Karsten geht davon aus, dass die Chamäleons erhöhte Mengen an Geschlechtshormonen produzieren, um möglichst schnell das fortpflanzungsfähige Alter zu erreichen. Diese Hormone beschleunigen aber gleichzeitig den Alterungsprozess. Dadurch ist die Lebensspanne von Furcifer labordi auf ein einziges Jahr geschrumpft.

Kristopher Karsten (Staatsuniversität von Oklahoma in Stillwater) et al.: PNAS, Bd. 105, S. 8980 ddp/wissenschaft.de ? Markus Zens
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