Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Die Geschichte der zwei Mammutstämme

mammut.jpg
In Sibirien lebten zwei Mammutpopulationen, die sich genetisch unterschieden.
Sie lebten zur gleichen Zeit am gleichen Ort, entwickelten sich aber über zwei Millionen Jahre unabhängig voneinander: Von den sibirischen Wollmammuts existierten während der letzten Eiszeit zwei Stämme, deren Erbgut sich über lange Zeit unabhängig voeinander entwickelte. Das zeigen neue Erbgut-Analysen von Mammuthaaren, die Forscher um Thomas Gilbert von der Universität Kopenhagen jetzt vorstellen.

Die Haare von Mammuts eignen sich hervorragend als Quelle für die Erbsubstanz DNA: Vor einem Jahr konnten Gilbert und Kollegen zeigen, dass die DNA in den Haaren sehr gut erhalten bleibt und dass dort sogar wesentlich mehr Mammut-Erbgut vorhanden ist als in Knochen- oder Muskelzellen, die stark durch Bakterien-DNA verunreinigt sind.

Nun analysierten die Forscher die mitochondriale DNA von fünf weiteren sibirischen Wollmammuts. Diese DNA befindet sich in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, und wird unverändert von der Mutter zur Tochter weitergegeben. Die Wissenschaftler verglichen die Ergebnisse mit dem Erbgut von 13 weiteren Mammuts, deren mitochondriale DNA ebenfalls kürzlich untersucht worden war.

Gilbert und seine Kollegen stellten fest, dass in Sibirien zwei Stämme von Mammuts lebten, deren Wege sich vor ein bis zwei Millionen Jahren trennten. Die erste Gruppe bevölkerte ein relativ großes Gebiet, das sich über 6.000 Kilometer in west-östlicher Richtung vom Uralgebirge bis zur Beringstraße erstreckte. Der Aufenthaltsraum der zweiten Gruppe war wesentlich kleiner, er war auf das Gebiet zwischen den Flüssen Lena und Kolyma im Osten der Landmasse beschränkt.

Die Forscher stellten auch fest, dass die Mammuts vom zweiten Stamm bis zu 30.000 Jahre früher von der Bildfläche verschwanden als ihre Verwandten: Radiokarbondatierungen zufolge lebten die jüngsten Vertreter der zweiten Gruppe vor 30.000 bis 40.000 Jahren, während die erste Gruppe bis vor etwa 10.000 Jahren überlebte. Da Gilbert und seine Kollegen im Erbgut der ersten Gruppe keine funktionalen Unterschiede feststellen konnten, vermuten sie, dass die zweite Gruppe nicht durch schlechtere Anpassung, sondern eher durch einen Zufall ausstarb: Da sie auf eine kleinere geografische Region beschränkt war, könnten ungünstige Umweltbedingungen in dieser Gegend das Ende der gesamten Gruppe bedeutet haben.

Anzeige

Wieso sich die zwei Mammutlinien so früh in ihrer Geschichte trennten, ist den Forschern unklar. Die beiden Populationen könnten sich zum Beispiel zunächst getrennt voneinander entwickelt haben, zum Beispiel in Alaska und Sibirien, um sich dann später wieder zu vermischen. Es könnte sich aber auch um einen sogenannten Polymorphismus handeln, der sich ohne geografische Barrieren bildete. Ähnlich wie es Menschen mit unterschiedlichen Blutgruppen oder schwarze und gefleckte Jaguare gibt, könnte es auch bei den Mammuts verschiedene Varianten gegeben haben. Welche Hypothese richtig ist, können erst weitere Gentests zeigen, schreiben die Forscher.

Thomas Gilbert (Universität von Kopenhagen) et al.: Proceedings of the National Academy of Sciences, Online-Vorabveröffentlichung, doi 10.1073/pnas0802315015 Ute Kehse
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Ju|das|baum  〈m. 1u; Bot.〉 Mimosengewächs, Zierbaum mit sehr wertvollem Holz, an dem sich der Sage nach Judas aufgehängt hat: Cercis siliquastrum

Blue|box  〈[blubks]〉 auch:  Blue Box  〈f.; (–) –, (–) –es [–bksız]; TV〉 Projektionsgerät für das Blueboxverfahren ... mehr

Bal|lett|the|a|ter  〈n. 13〉 Theater für Ballettaufführungen

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige