Die Hochsprache der Erdhörnchen - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Die Hochsprache der Erdhörnchen

Erdhörnchen nutzen untereinander eine sehr viel ausgefeiltere Sprache als bislang angenommen. So besitzen die kanadischen Richardson-Ziesel beispielsweise ein großes Repertoire an Lautkombinationen, mit denen sie ihre Artgenossen warnen können. Die Tiere machen dabei nicht nur Angaben über die Dringlichkeit der Warnung, sondern auch über die Richtung, aus der die Gefahr droht, fanden kanadische Forscher um James Hare bei der Entschlüsselung der Sprache heraus.

Erst im vergangenen Jahr hatte Hare entdeckt, dass Richardson-Ziesel Ultraschallrufe als Alarmsignale nutzen. In der neuen Studie konzentrierten sich die Forscher nun auf den auch für Menschen hörbaren Teil der Zieselsprache, bestehend aus Pfeiflauten, Zirp- oder Zwitschertönen und einem Geräusch, das die Wissenschaftler „Chuck“ tauften. Dieser Laut, der wie das englische Wort „Chuck“ klingt, kommt bei Männchen und Weibchen vor und wird meist an einen Pfeiflaut angehängt, beobachteten die Forscher.

Um die Bedeutung der verschiedenen Lautäußerungen zu entschlüsseln, ärgerten Hare und seine Kollegen einige Erdhörnchen mit einem geworfenen Hut und entlockten ihnen so einige Alarmschreie. Die spielten sie anschließend einigen anderen Zieseln vor und beobachteten deren Reaktion. Die „Chucks“ dienen den Nagern offenbar als eine Art verbales Ausrufezeichen, das einen Warnruf betont, schlossen die Wissenschaftler aus der Auswertung. Ein Pfeifton ohne „Chuck“ ist demnach eine eher allgemeine Warnung vor einem Feind, der sich am Boden nähert. Wird dieser Alarm mit einem „Chuck“ versehen, macht das die Warnung dringlicher und bedeutet „Achtung, ein möglicherweise gefährlicher Feind ist ganz nah“.

Geht es um einen Angreifer aus der Luft wie beispielsweise einen Greifvogel, verwenden die Erdhörnchen dagegen Zirp- oder Zwitschertöne, die denen von Vögeln ähneln. Diese Signale sind sozusagen die höchste Alarmstufe und vermitteln die Botschaft „Ich gehe sofort in Deckung, denn hier ist eine unmittelbare Gefahr“. Auch hier verstärkte ein „Chuck“ die Dringlichkeit der Warnung, so die Forscher. Warum die Tiere sich jedoch mit den lauten Warnschreien in Gefahr bringen und nicht auf die für viele Angreifer unhörbaren Ultraschalllaute zurückgreifen, können Hare und seine Kollegen noch nicht sagen. Sie vermuten jedoch, dass die Ziesel damit möglicherweise nicht nur ihren Verwandten helfen, sondern auch Wachsamkeit den Feinden gegenüber demonstrieren wollen, um sie so von weiteren Angriffen abzuhalten.

James Hare ( Universität von Manitoba) et al.: Animal Behaviour, Bd. 70. S. 937 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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