Die Saurier-Klempner - wissenschaft.de
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Die Saurier-Klempner

In einer Fabrikhalle bei New York restaurieren Spezialisten nach neuesten Erkenntnissen Dinosaurier-Skelette. Ihr spektakulärstes Projekt: Tyrannosaurus rex.

Er ist beängstigend riesig. Schon bis zur Hüfte misst der berüchtigtste Räuber aller Zeiten 3 Meter – von der Kopf- bis zur Schwanzspitze ist er 13 Meter lang. Den mächtigen Oberkörper hält er geduckt, als wollte er gerade zum Sprung ansetzen und den Hebekran über ihm mit einem Satz niederwerfen. Seine enormen Krallen bohren sich in die Holzplanken, auf denen er steht, und der lange Schwanz schwingt sich hoch in die Luft. „Der T. rex ist nach gut neun Monaten Arbeit jetzt fast fertig“, sagt Scott Lucas. „Es fehlt nur noch der Kopf.“

Inmitten der technischen Szenerie wirkt der Tyrannosaurier etwas fehl am Platz – als hätte er sich verirrt. Die große Fabrikhalle ist von lauter Rockmusik erfüllt, die immer wieder übertönt wird vom Kreischen eines Schweißgeräts oder vom Hämmern auf Metall. Nur hie und da durchbricht der gleißende Strahl einer Lötlampe das Schummerlicht. Wir stehen in einer alten Bronzegießerei. Sie befindet sich in einem verwahrlosten Industriegebiet 40 Autominuten außerhalb von Manhattan. „Wir brauchten eine Halle, die nicht nur groß genug für die Dinosaurier ist, sondern auch deren enormes Gewicht aushält“, schreit Lucas gegen den Lärm an – die Rekonstruktionen wiegen teils mehr als drei Tonnen.

Der junge Mann ist Direktor für Forschung und Entwicklung bei den Phil Fraley Productions. Die Firma mit Sitz in Paterson, US-Bundesstaat New Jersey, restauriert Dinosaurier-Skelette. „ Kommen Sie, ich stelle Sie Phil vor“, sagt Lucas. Da steht der Gründer und Vordenker des Unternehmens, inmitten von Werkbänken und fossilen Knochen. Ein Ruf wie Donnerhall geht Fraley voraus: Es heißt, er habe weltweit an mehr Tyrannosauriern gearbeitet als irgendein anderer.

„Gehen wir doch in mein Büro“, sagt Fraley. Dort ist er in der Regel zu finden: Der T.-rex-Chiropraktiker legt mittlerweile immer seltener selbst Hand an. Er ist der denkende und lenkende Kopf der Firma, für die körperliche Arbeit hat er über 20 Angestellte. Nach seiner Anleitung, erzählt Fraley, nehmen sie die Skelette der Dinosaurier auseinander, reinigen die Knochen und bauen sie in neuen Posen wieder zusammen.

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Die Nachfrage nach diesem ungewöhnlichen Handwerk ist groß. Nicht nur, dass die Exponate vieler Museen vom Staub etlicher Jahrzehnte bedeckt sind – schlimmer: Häufig ist die Körperhaltung der ausgestellten Dinosaurier nach heutigem Erkenntnisstand schlicht falsch. Daher gehören zu Fraleys Kunden die führenden Naturkundemuseen der USA wie das American Museum of Natural History in New York oder das Field Museum in Chicago. Sie vertrauen dem Knochenmann ihre Stars an.

In Fraleys Büro hängen große Fotos. Von einem Bild blickt Sue aus dunklen Augenhöhlen auf uns herab. Die 1990 entdeckte prominente Dinodame, die dem Chicagoer Museum gehört, hat das vollständigste Skelett, das bislang von einem T. rex weltweit gefunden wurde. Fraley hat Sue kürzlich die Knochen gerichtet, genauso wie ihrem 1992 ausgegrabenen Artgenossen Samson.

Was das Besondere an dem Tyrannosaurus rex da draußen in der Halle ist? „Das ist der größte, dem ich je begegnet bin“, bricht es fast ehrfürchtig aus Fraley heraus. Auch aus einem anderen Grund ist dieses Exemplar eine Weltberühmtheit: Es ist der Holotypus, also das erste wissenschaftlich beschriebene Exemplar der „königlichen Tyrannenechsen“. Seit seinem Fund 1902 bis heute dient es Wissenschaftlern weltweit dazu, neue Fossilienfunde mit ihm abzugleichen.

Das Skelett gehört dem Carnegie Museum of Natural History in Pittsburgh, Pennsylvania, das Fraleys Firma mit einer umfangreichen Generalüberholung beauftragt hat: Elf große Dino-Skelette werden umgebaut. Insgesamt 3,5 Millionen Dollar blättert das Museum dafür hin. „Das Restaurieren des T. rex kostet also gut 300 000 Dollar“, sagt Forschungsleiter Scott Lucas. Phil Fraleys Frau Carol, die Präsidentin der Firma, begründet den saftigen Preis: „Stellen Sie sich vor, was wir allein an Versicherung zahlen müssen.“ Und der T.-rex-Magier ergänzt schmunzelnd: „Ich sage immer, die Dinosaurier haben einen unschätzbaren Wert. Sie sind ein Menschheitserbe, das wir pflegen müssen, koste es, was es wolle. Aber davon abgesehen haben sie einen äußerst realen Wert, und der liegt manchmal in Millionenhöhe.“

Das erklärt den Stacheldrahtzaun, der die Firma umgibt. Und es löst mulmige Gefühle aus, als Scott Lucas kurze Zeit später in der Halle beiläufig einen großen T.-rex-Schwanzwirbel aufhebt und herüberreicht. Dass der Knochen bloß nicht aus der Hand rutscht! Lucas und die 20 anderen haben damit kein Problem. Dabei sind sie keine geschulten Wissenschaftler. Sie sind alle Künstler, die meisten mit einem Kunsthochschul-Abschluss als Stahlskulpteur.

Das ist hier gefragt: Wer unter dem Brustkorb des Tyrannosauriers steht – selbst geduckt ist er noch so groß, dass ein Mensch aufrecht unter seinen Rippen durchlaufen kann –, der sieht innen ein glänzendes Metallskelett. Dem Museumsbesucher soll es später, wenn es mit brauner Farbe gestrichen ist, nicht mehr auffallen. Tatsächlich zeigt es aber die ganze Kunst der Saurier- Restauratoren.

„Stahlfinger umfassen jeden einzelnen Wirbelknochen von unten wie die Fassung eines Rings einen Diamanten“, erklärt Lucas. So werden die Knochen der toten Echse statt mit Sehnen und Muskeln in Position gehalten. Die einzelnen Knochenfassungen wiederum sind an ein künstliches Rückgrat geschweißt, ein langes Stahlrohr. Stück für Stück lassen die Künstler den Tyrannosaurier wiederauferstehen, gehalten von einem Stützkorsett aus Stahl.

Für das Gelingen dieser Maßarbeit ist Larry Lee verantwortlich. Der Stahlskulpteur hat gerade eine große Schweißerbrille auf, die Funken fliegen, das Metall glüht und schmiegt sich allmählich um das Schulterblatt auf der Werkbank vor ihm. Lee nimmt die Brille ab – und die Stummelärmchen der Echse vom Tisch. Sie sind gerade mal so lang wie bei einem erwachsenen Menschen. Er zeigt auf ein kleines Loch in dem an das Schulterblatt geschmiedeten Stahl. „Hier werden die Arme angeschraubt“, sagt er und zuckt mit den Schultern: „Was T. rex mit diesen lächerlich kurzen Armen gemacht hat, können die Wissenschaftler immer noch nicht erklären.“

Was es über T. rex und Konsorten an gesichertem Wissen gibt, weiß Firmenchef Phil Fraley, obschon ebenfalls kein gelernter Paläontologe. In seinem Büro stehen reihenweise Fachbücher und wissenschaftliche Abhandlungen. Vor allem aber gilt für Fraley: learning by doing. Der freundlich dreinblickende Mittfünfziger, dessen kräftige Figur an seine Zeit als Football-Spieler erinnert, ist seit über 25 Jahren im Geschäft mit den Schreckensechsen. 1980 bekam der studierte Sportwissenschaftler, der plötzlich ohne Arbeit auf der Straße stand, einen Aushilfsjob in der California Academy of Sciences in San Francisco angeboten – per Zufall. Er sollte Fossilien präparieren und Museumsexponate vorbereiten. Schnell fand er daran Gefallen.

In der Dinosaurierforschung war zu jener Zeit ein Umschwung in vollem Gang. Fraley hat diesen Wandel hautnah miterlebt – in den zehn Jahren, in denen er an der kalifornischen Akademie tätig war, und in weiteren zehn Jahren als Projektleiter für den Umbau der Dinosammlung am New Yorker American Museum of Natural History. Über 100 Jahre lang, bis in die Siebziger, hatten die Paläontologen Dinosaurier für schwerfällige Monster gehalten. Heute sprechen die Wissenschaftler von flinken und agilen Tieren. Diese Erkenntnis hat Fraley viel Arbeit beschert – so viel, dass er sich Ende der Neunzigerjahre mit seiner eigenen Firma selbstständig machen konnte.

Fraley hat in dieser langen Zeit seine eigene Philosophie entwickelt: „Wir wollen die Skelette so wissenschaftlich korrekt wie möglich präsentieren“, sagt er. „Gleichzeitig sollen sie für den Museumsbesucher eine Dramatik haben.“ Der T.-rex-Holotypus, dem Fraley gerade die Knochen richtet, soll kämpfen – so haben es seine Besitzer am Carnegie Museum in Pittsburgh bestimmt. Fraley hat mehrere Kampfposen vorgeschlagen, die Museums-Kuratoren konnten eine auswählen.

Doch ganz genau lässt sich die Körperhaltung auch bei aller Sorgfalt auf dem Reißbrett nicht vorausplanen. Alle zwei, drei Wochen kommt deshalb Matt Lamanna, der Dino-Experte des Pittsburgher Museums, nach New York. Dann gibt es auch schon mal Streit. „Meistens geht es darum, wie die Knochen an den Gelenken miteinander verbunden werden sollen“, sagt Fraley. „Die Künstler denken meist ans Ganze, während die Forscher häufig nur die einzelnen Knochen sehen.“ Einmal ging es zum Beispiel um T. rex‘ Rippen. Die Skulpteure wollten sie so ansetzen, dass sich die breitere Seite der Rippenknochen nach außen richtete. Das Tier sollte den Eindruck eines robusten, wuchtigen Räubers machen.

Am Carnegie Museum in Pittsburgh lehnt sich Lamanna in seinem Bürosessel zurück und schüttelt energisch den Kopf. „Wir wollten, dass die Rippen gedreht werden“, sagt der Wissenschaftler. „Das diktiert die Knochenanatomie.“ Jetzt erscheinen die Rippen im Profil dünner – und der T. rex graziler. „Unsere Streitereien begraben wir jedes Mal wieder bei einem Bier“, lacht Lamanna.

Das ungleiche Paar verbindet eine bewährte Zusammenarbeit. Der Wissenschaftler Lamanna ist mit Anfang 30 um zwei Jahrzehnte jünger als der selbstgemachte Dinosaurier-Spezialist Fraley. Lamanna wurde vor drei Jahren direkt nach seiner Doktorarbeit vom Pittsburgher Carnegie Museum angeworben. Sein Büro im historischen Museumsgebäude liegt direkt über der alten Saurierhalle, die der Stahlmagnat Andrew Carnegie vor genau einem Jahrhundert errichten ließ. Es war das goldene Zeitalter der Dinosaurier-Paläontologie. Fossiliensucher gruben in Amerika Hunderte von Skeletten der urzeitlichen Echsen aus, eines größer als das andere, die meisten von bis dahin unbekannten Arten.

Carnegie, damals der reichste Mann der Vereinigten Staaten, finanzierte zahlreiche Ausgrabungen und machte das Naturkundemuseum der grauen Industriestadt im Nordosten der USA zur Dino-Hochburg. 1940 kauften die Pittsburgher Paläontologen den 1902 gefundenen T.-rex-Holotypus. Nur gut 20 Prozent der Knochen sind bei ihm erhalten, der Rest wurde in jahrelanger Arbeit nachgebildet. Das tat seiner Berühmtheit aber keinen Abbruch. Dieser T. rex wurde zur Attraktion von Carnegies Saurierhalle.

Lamanna schaltet in seinem Büro den Computer ein. Hier hat er Bilder von den völlig falschen Posen, in denen die Dinosaurier ein Jahrhundert lang in der Saurierhalle standen. Auf dem Bildschirm taucht der T. rex auf: Wie ein übergroßes, zähnefletschendes Känguru sitzt er da, den Körper mit den Stummelarmen aufgerichtet und den Schwanz auf dem Boden, als würde er ihn mühselig hinter sich herschleifen. Das Ganze wirkt so bedrohlich wie ein alter Godzilla-Film – und vermittelt keineswegs die Realität der nordamerikanischen Kreidezeit vor gut 65 Millionen Jahren.

„Wir nehmen heute an, dass T. rex beim schnellen Laufen den Körper mit dem Schwanz ausbalancierte“, sagt Lamanna. Dafür gibt es viele Indizien. Das wichtigste: „Bei versteinerten T.-rex-Fußabdrücken finden sich fast nie Schwanzspuren. Wenn der Saurier aber den Schwanz anhob, ist es anatomisch nicht möglich, dass er den Oberkörper wie ein Känguru aufrecht hielt.“ Auch Bewegungssimulationen am Computer weisen auf eine Haltung mit angehobenem Schwanz und gesenkter Brust hin.

Carnegies Saurierhalle steht fast leer, bis die elf ummontierten Dinos aus Fraleys Werkstatt zurückkommen. Zwischen Plastikplanen, Gipsfelsen und ein paar verirrten Museumsbesuchern gibt es nur ein zentimetergroßes Modell. Es zeigt den Kampf, in den der umgebaute T. rex hier bald verwickelt sein soll. Diese Szene soll den gegenwärtigen Diskussionsstand in der T.-rex-Forschung illustrieren.

Dabei sind viele Fragen noch unbeantwortet: War T. rex ein Einzelgänger oder jagte er im Rudel? War er wirklich ein wilder Räuber oder nur ein feiger Aasfresser? Oder beides? Hier in Pittsburgh wird der Holotypus mit dem lebensgroßen Abguss eines anderen T. rex um den Kadaver eines kleinen Dinosauriers kämpfen. „Ich stelle mir vor, dass die beiden Tyrannosaurier einander zufällig über den Weg gelaufen sind“, sagt Lamanna. Wie der kleine Dino zu Tode gekommen ist, bleibt offen.

Dann gehen wir in den Museums-keller. Ein Labyrinth aus Gängen führt zu einer Tür: „Big bones room“ („Raum für große Knochen“) steht darauf. Hier liegen die nur acht Knochen, die vom Schädel des T.-rex-Holotypus gefunden wurden. Lamanna nimmt eine der beiden riesigen, mit sichelscharfen Zähnen bestückten Unterkieferhälften vom Regal. „Der Knochen ist schwer, wertvoll – und zerbrechlich“, sagt Lamanna. Kaum ein Museums-Dino trage daher seinen echten Schädel, so der Paläontologe. Auch der bei Phil Fraley restaurierte T.-rex-Holotypus wird hier in Pittsburgh eine Schädelkopie auf den Hals gesetzt bekommen.

In New York hat sich Chefkonstrukteur Larry Lee angesichts des nach vorn geneigten T.-rex-Oberkörpers in Sachen Statik einiges einfallen lassen müssen. Alle Einzelteile, auch den über 300 Kilogramm wiegenden Brustkorb, hat er zunächst am Boden zusammengebastelt, dann mit dem Hebekran hochgezogen und an der Hüfte befestigt. Jetzt trägt ein einziger dünner Pfosten den schweren Oberkörper. „Ich hoffe, dass wir am Ende mit nur drei Pfosten auskommen, um den ganzen T. rex aufrecht zu halten“, sagt Lee.

Der in der Hallenmitte thronende Tyrannosaurier ist zweifellos der Star der Urechsen. Doch er ist nicht allein. Neben ihm erhebt sich „Dippy“, ein Diplodocus carnegii, der zur Gruppe der pflanzenfressenden Sauropoden gehört. Er lebte in der Jurazeit vor 150 Millionen Jahren – 85 Millionen Jahre bevor T. rex seine Herrschaft antrat. Als Dippy 1899 von den Fossilienjägern des Stahlmagnaten Carnegie gefunden wurde, war er mit 27 Meter Länge von Kopf bis Schwanz der größte bis dahin bekannte Dinosaurier. Carnegie war von dem Koloss so begeistert, dass er mehrere lebensgroße Abgüsse an Museen weltweit verschenkte. Dippy wurde zur meistgesehenen Dino-Persönlichkeit der Welt. Bis heute steht sein Double im Naturkundemuseum in Berlin.

Der restaurierte Original-Dippy nimmt die ganze Breitseite der Halle ein. In den letzten Monaten ist der ohnehin schon gigantische Dino mit dem kleinen Kopf nochmals um fast einen halben Meter gewachsen, auf knapp vier Meter Hüfthöhe. Das ist vor allem Paul Zawishas Werk: Der Künstler hat Dippys O-Beine durchgestreckt. Die Paläontologen vor 100 Jahren hatten sie, wie bei Eidechsen und Krokodilen, seitlich angewinkelt an den Rumpf montiert. Zawisha schüttelt den Kopf: „Die Forscher wissen heute, dass die Beine wie bei modernen Elefanten gerade unter dem Körper gewesen sein müssen. Sonst hätten die Sauropoden unmöglich ihr Gewicht tragen können.“

Zudem hat Zawisha Dippys Hals gesenkt und den Schwanz gehoben. Denn das genaue Studium der Knochen hat den Paläontologen verraten, dass Diplodocus den Hals nicht, wie früher angenommen, nach oben reckte. Genauso wenig ließ er den Schwanz auf dem Boden schleifen. Den neuen Erkenntnissen zufolge hielten die Sauropoden sowohl Hals als auch Schwanz horizontal.

Dazu mussten insgesamt 42 Schwanzwirbel bei Dippy neu montiert werden. Zawisha schweißt gerade noch die filigranen Stahlfassungen für die letzten, nur fingergroßen Wirbel. Die Lötlampe an seinem Platz leuchtet den ganzen Tag über fast ununterbrochen. Das Ergebnis ist schon jetzt beachtlich: Der mächtige Schwanz sieht aus, als würde er zu einem Peitschenschlag ansetzen, der jeden im Umkreis von einigen Metern umfegen wird.

Dieser Effekt ist beabsichtigt. Die Wissenschaftler glauben, dass die Sauropoden sich so gegen Angreifer wie den in der Jurazeit lebenden T.-rex-Vorgänger Allosaurus verteidigt haben. Steht Dippy erst wieder in der Ausstellung in Pittsburgh, dann soll er zusehen, wie sein noch etwas mächtigerer Sauropoden-Cousin Apatosaurus – früher Brontosaurus genannt – sein Baby mit einem Schwanzschlag gegen einen Allosaurus verteidigt. Fraley hat sie alle zu den neuen Posen ummontiert. Sie lagern fertig restauriert in Kisten überall in der Halle.

Einige Kisten sind auf Lastwagen bereits nach Pittsburgh zurücktransportiert worden. Der T. rex und Dippy sollen so ebenfalls zurück ins Carnegie-Museum kommen. Denn auch das ist die Kunst des Phil Fraley: Nach dem Baukastenprinzip können die neu errichteten Skelette auseinandergenommen und innerhalb von zwei, drei Wochen woanders wieder aufgebaut werden.

Ob die Paläontologen in 100 Jahren über so viel Kunsthandwerk staunen werden? „Hoffentlich werden sie gnädig über uns richten“, sagt Fraley, „die wissenschaftliche Erkenntnis hört ja nicht auf.“ Vielleicht stellt sich die Körperhaltung der Urechsen schon in wenigen Jahren erneut als falsch heraus, unkt er. Und fügt hinzu, wie um sich zu trösten: „Wir können immerhin garantieren, dass die Skelette zum jetzigen Zeitpunkt den neuesten Stand des Wissens über Dinosaurier wiedergeben.“ ■

ELKE BINDER hat Biologie und Philosophie studiert. Sie lebt als freie Journalistin in Pittsburgh, Pennsylvania, der Stadt des Saurier-Fans Andrew Carnegie.

Elke Binder

COMMUNITY INTERNET

Viel Wissenswertes über die Dinosaurier im Pittsburgher Carnegie Museum:

www.carnegiemnh.org/carnegiedinosaurs/ index.html

Alles über Sue, das vollständigste aller T.-rex-Skelette:

www.fieldmuseum.org/sue/

Die Webseiten der New Yorker Dino-Restauratoren:

www.philfraleyproductions.com/ index.html

Ohne Titel

· Viele Dinosaurier-Skelette in den Museen der Welt wurden vor Jahrzehnten rekonstruiert – nach heute wissenschaftlich überholten Vorstellungen.

· Eine spezialisierte New Yorker Firma baut die Fossilien nach dem aktuellen Wissensstand neu zusammen.

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