Die unerwartete Anziehungskraft alter Socken - wissenschaft.de
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Die unerwartete Anziehungskraft alter Socken

Die in Kenia heimische Springspinne Evarcha culicivora wird vom Geruch alter Socken angelockt, hat ein kenianisch-neuseeländisches Forscherduo beobachtet. Das ist zwar ein skurriles Verhalten, lohnt sich für die Spinne jedoch: Der gleiche Duft lockt auch ihre Lieblingsmahlzeit an – blutsaugende Anopheles-Mücken. Eine derartige Übereinstimmung zwischen Räuber und Beute sei äußerst ungewöhnlich, schreiben Fiona Cross und Robert Jackson.

Ostafrikanische Springspinnen der Art Evarcha culicivora ernähren sich indirekt von menschlichem Blut: Sie fressen Stechmücken der Gattung Anopheles, die als Überträger der Malaria bekannt sind. Vorangegangene Versuche hatten bereits gezeigt, dass die Mücken nicht nur von Körperwärme, der Feuchtigkeit und einem erhöhten Kohlendioxidgehalt der Atemluft auf ihre Lieblingswirte aufmerksam gemacht werden, sondern auch durch den Geruch von Fußschweiß, wie er etwa alten Socken anhaftet. Springspinnen jagen dagegen zwar normalerweise hauptsächlich mit Hilfe ihrer Augen, die jetzt untersuchte Art Evarcha culicivora nutzt neben optischen aber auch olfaktorische Reize. Zudem halten sich die Spinnen auffällig häufig in der Nähe bewohnter Gebäude auf. Die Forscher vermuteten daher, dass der Geruch des Menschen nicht nur die Mücken, sondern auch die Spinnen anlocken könnte.

Um das zu testen, untersuchten sie insgesamt 109 Springspinnen: männliche wie weibliche sowie kleine und große jugendliche Exemplare. Als Geruchsquelle nutzen sie weiße Baumwollsocken einer Testperson, die über zwölf Stunden ununterbrochen getragen wurden sowie ungetragene weiße Baumwollsocken des gleichen Fabrikats. Die Spinnen wurden in ein Röhrchen gesetzt, in das von einer Seite der Geruch der getragenen oder der unbenutzten Socken hereinwehte. Auf der anderen Seite konnten die Spinnen aus dem Röhrchen herauskrabbeln. Ergebnis: Alle Spinnen hielten sich signifikant länger in dem Röhrchen auf, wenn der Duft von alten Socken hereinwehte.

Das Gleiche hatten die Wissenschaftler bereits früher in Versuchen mit Stechmücken der Art Anopheles gambiae beobachtet – die Socken hatten dabei sogar von der gleichen Testperson gestammt. Cross und Jackson folgern daher, dass sie hier eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit von Beute und Jäger entdeckt haben: Für die Mücken ist es von Vorteil, dem Geruch alter Socken zu folgen, denn er führt sie zur nächsten Blutmahlzeit. Und für die Springspinnen ist es ebenfalls von Vorteil, der Duftspur ungewaschener Füße zu folgen, denn diese führt sie zu ihrer Mahlzeit, den Mücken.

Fiona Cross (University of Canterbury, Christchurch) und Robert Jackson (International Centre for Insect Physiology and Ecology (ICIPE), Kenia): Biology Letters, doi:10.1098/rsbl.2010.1233 dapd/wissenschaft.de – Anke Biester
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