Die universelle Sprache von Sieg und Niederlage - wissenschaft.de
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Die universelle Sprache von Sieg und Niederlage

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Siegerposen wie die des Boxers Joey Vegas sind in allen Kulturen gleich und müssen damit angeboren sein, zeigt eine Studie.
Blinde Sportler zeigen ihren Stolz oder ihre Enttäuschung mit den gleichen Gesten wie sehende Athleten: Obwohl Menschen, die von Geburt an blind sind, noch nie eine Siegerpose gesehen haben, reißen sie nach einem Sieg genau wie Sehende ihre Arme in die Höhe. Auch die Enttäuschung nach einer Niederlage zeigen sie ähnlich wie ihre sehenden Sportlerkollegen, berichten kanadische Forscher. Dies deutet darauf hin, dass der Ausdruck von Stolz und Scham nicht durch Nachahmen gelernt wird, sondern angeboren ist.

Auch Sportler aus unterschiedlichen Kulturen zeigen ihre Gefühle nach einem Sieg oder einer Niederlage ähnlich, stellten die Forscher fest. Sie hatten für ihre Studie Fotos von Athleten analysiert, die an den Olympischen und den Paralympischen Spielen im Jahr 2004 teilgenommen hatten. Dabei verglichen die Wissenschaftler Gestik und Körpersprache von Judokämpfern aus über 30 verschiedenen Ländern, die entweder von Geburt an blind waren, im Lauf ihres Lebens erblindet waren oder normal sehen konnten.

Unabhängig von Sehbehinderung und Herkunft zeigten die Sportler ihren Stolz über einen Sieg stets auf ähnliche Weise: Sie rissen die Arme in die Höhe, dehnten ihre Brust und warfen den Kopf nach hinten. Auch die Reaktion bei einer Niederlage war bei blinden und sehenden Judokämpfern ähnlich. So verbargen die Verlierer häufig ihr Gesicht und ließen die Schultern hängen, so dass ihre Brust schmaler wirkte. Allerdings drückten sehende Athleten ihre Gefühle bei einer Niederlage je nach Herkunftsland unterschiedlich stark aus, stellten die Psychologen fest. So neigten Teilnehmer aus westlichen, eher individualistischen Kulturen wie den USA und Europa dazu, ihre Scham über die Niederlage weniger stark zu zeigen als beispielsweise Teilnehmer aus asiatischen Ländern. Dagegen zeigten von Geburt an blinde Athleten unabhängig von ihrer Herkunft vergleichbare Reaktionen. Dies deutet darauf hin, dass sehende Sportler aus westlichen Ländern ihre Scham kulturell bedingt weniger stark demonstrieren.

„Von Geburt an blinde Menschen haben niemals beobachtet, wie andere sich verhalten, wenn sie stolz sind oder sich schämen“, sagt Mitautorin Jessica Tracy. „Daher gehen wir davon aus, dass diese Gesten angeboren sind.“ Tracy und ihr Kollege David Matsumoto hatten bei ihrer Untersuchung die Gelegenheit, 15 Sekunden lange Bilderserien auszuwerten, die von einem offiziellen Fotografen unmittelbar nach jedem Kampf aufgenommen worden waren. So konnten sie die Reaktionen der Sportler sekundengenau beobachten und dabei die typischen Positionen von Kopf, Armen und Körper analysieren.

Jessica Tracy und David Matsumoto (University of British Columbia, Vancouver): PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0802686105 ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein
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