Die wechselnden Vorlieben männlicher Libellen - wissenschaft.de
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Die wechselnden Vorlieben männlicher Libellen

Männliche Pechlibellen haben kein festgelegtes Idealbild eines Partners, sondern passen ihre Vorlieben an die Bedingungen ihres Umfeldes an: Sind sie von Weibchen eines bestimmten Typs umgeben, avanciert dieser Typ zum bevorzugten Paarungspartner. Ist dagegen eher ein anderer Weibchentyp verfügbar, bevorzugen sie diesen Typ. Diese Flexibilität hat jedoch unerwünschte Nebenwirkungen, haben belgische Forscher nun entdeckt. Leben die Männchen nämlich hauptsächlich mit anderen Männchen zusammen, prägt auch das ihren Geschmack und sie wählen bevorzugt Männchen als Paarungspartner.

Die Forscher stellten ihre Testlibellenmännchen vor die Wahl: Sie konnten sich entweder einem anderen Männchen nähern oder sich für einen von zwei Weibchentypen entscheiden. Welche Entscheidung die Männchen dabei trafen, hing davon ab, mit welchen Artgenossen sie zuvor am meisten zusammen gewesen waren, entdeckten die Biologen bei der Auswertung.

Frisch eingefangene Libellenmännchen bevorzugten eindeutig die Weibchen, unabhängig von deren Aussehen. Das änderte sich jedoch, wenn die Männchen zuvor zwei Tage lang in einem Käfig eingesperrt waren, in dem sich außer ihnen nur andere Männchen befanden: Unter diesen Bedingungen entschieden sich mehr als 75 Prozent der Testmännchen für ein anderes Männchen als Partner. Wurden die gleichen Männchen noch einmal für zwei Tage in einen Käfig geschlossen, diesmal jedoch mit ausschließlich weiblicher Gesellschaft, änderten sie ihr Beuteschema erneut und wählten wieder hauptsächlich weibliche Partner.

Bei Arten, bei denen die Weibchen unterschiedlich aussehen können, ist solch ein flexibler innerer Entwurf des Traumpartners sehr nützlich, schreiben die Wissenschaftler. Das System stellt ihrer Ansicht nach sicher, dass ein Männchen sich immer mit den Weibchen paart, die an die jeweilige Umgebung am besten angepasst sind und dementsprechend dort am häufigsten vorkommen. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass sich die Libellen in Umgebungen mit Weibchenmangel häufig bevorzugt Männchen zuwenden. Solche Paarungen bringen den Insekten überhaupt keine Vorteile, sondern erhöhen lediglich das Verletzungsrisiko und kosten Zeit und Energie.

Hans van Gossum ( Universität Antwerpen) et al.: Proceedings of the Royal Society: Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2005.0315

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