Dienstwagen: Deutsche Politiker sind keine Vorbilder - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Dienstwagen: Deutsche Politiker sind keine Vorbilder

Limousinen
Schwere Limousinen mit hohem CO2-Austoß dominieren bei den Politiker-Dienstwagen. (Bild: Tramino)

Während überall mehr Klimaschutz gefordert wird, tut sich in Sachen CO2-Einsparung bei deutschen Politikern wenig – im Gegenteil: In diesem Jahr hat sich der Ausstoß ihrer Dienstwagenflotte gegenüber dem Vorjahr sogar erhöht, wie eine Erhebung der Deutschen Umwelthilfe ergeben hat. Demnach hält kein einziger Dienstwagen der Regierungspolitiker von Bund und Ländern den EU-Flottengrenzwert für CO2 im Realbetrieb ein.

Der Verkehr trägt zu rund 20 Prozent an den Treibhausgasemissionen Deutschlands bei – Tendenz steigend. Vor allem der Trend zu immer schwereren SUVs, die zunehmende Verlagerung des Gütertransports auf die Straße und auch die kaum gesunkenen Abgaswerte der Fahrzeuge haben dazu beigetragen, dass sich der CO2-Ausstoß durch den Verkehr in Deutschland seit 1990 erhöht hat statt zu sinken.

CO2-Ausstoß seit 2018 sogar gestiegen

In diesem Kontext appellieren Politiker gerne an die Bevölkerung, mehr Elektroautos und Hybridfahrzeuge zu kaufen und Autotypen mit hohem CO2-Ausstoß zu meiden. Das weckt die Frage, wie es die politische Elite unseres Landes selbst mit dem Klimaschutz auf vier Rädern hält. Um das herauszufinden, führt die Deutsche Umwelthilfe jedes Jahr eine Dienstwagen-Erhebung unter den Spitzenpolitikern durch. In diesem Jahr wurden dafür 245 deutsche Bundes- und Landesminister nach Marke, Baujahr und Typ ihres Dienstwagens gefragt. Über diese Angaben ermittelten die Forscher dann den CO2-Ausstoß nach Herstellerangaben und den realen Ausstoß, wie er vom International Council on Transportation (ICCT) ermittelt wurde. Speziell gepanzerte Dienstwagen blieben bei dieser Erhebung außen vor.

Das Ergebnis: Fast keiner der 237 untersuchten Politiker-Dienstwagen hält den seit 2015 geltenden EU-CO2-Flottengrenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer (g/km) im Realbetrieb ein. Mit einem durchschnittlichen realen CO2-Ausstoß von etwa 225 g/km ist der Ausstoß der Dienstwagen gegenüber dem Jahr 2018 sogar noch leicht angestiegen. „Bei unserem Dienstwagencheck 2019 zeigt sich einmal mehr, dass weder Politiker noch Autobauer verstanden haben, wofür die Menschen seit über einem Jahr auf die Straße gehen“, sagt Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH. „Wir benötigen endlich Ministerpräsidenten und Minister, die mit positivem Beispiel vorausfahren und auf hochmotorisierte Spritschlucker-Limousinen verzichten.“

CO2-Schleudern und Musterschüler

Negativspitzenreiter unter den Bundesministern ist Verkehrsminister Andreas Scheuer mit einem Dienstwagen, der einen realen CO2-Ausstoß von 258 g/km hat. Den niedrigsten CO2-Ausstoß im Bundeskabinett hat das Fahrzeug von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit 216 g CO2/km. Mit durchschnittlich 207 g/km realem CO2-Ausstoß sind auch die Dienstwagen der Umweltminister von Bund und Ländern weit vom EU-Flottengrenzwert entfernt, wie die Erhebung ergab. Bundesumweltministerin Svenja Schulze belegt sogar den drittletzten Platz mit einem durchschnittlichen realen CO2-Ausstoß von 242 g CO2/km. Immerhin gibt es inzwischen zwei Landesumweltminister, die mit gutem Beispiel vorangehen: Thorsten Glauber aus Bayern und Franz Untersteller aus Baden-Württemberg fahren inzwischen reine Elektroautos. Auch der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann fährt elektrisch.

Anzeige

Im Parteienvergleich haben die Dienstwagen der Grünen-Politiker nicht nur den niedrigsten CO2-Ausstoß, ihre Werte haben sich gegenüber den Vorjahren auch weiter verbessert. Bei CDU, CSU, SPD und FDP dagegen haben sich die CO2-Emissionen gegenüber 2018 verschlechtert, wie die Deutsche Umwelthilfe berichtet. Am schlechtesten unter den Länderchefs schneidet dabei der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller ab: Sein Dienstwagen hat mit 408 g CO2/km den höchsten CO2-Ausstoß im Ranking. Die niedrigsten Emissionen hat der Dienstwagen des Bremer Landeschefs Andreas Bovenschulte mit rund 200 g CO2/km im realen Betrieb. Insgesamt umfasst die untersuchte Flotte der deutschen Politiker 143 Fahrzeuge mit reinem Dieselantrieb, 74 mit Plug-In-Hybridantrieb, 17 konventionelle Benziner und drei Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb.

Nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe sind die deutschen Spitzenpolitiker angesichts dieser Ergebnisse alles andere als gute Vorbilder für die Bevölkerung. „Politikerinnen und Politiker
müssen sich endlich ein sparsames Fahrzeug zulegen, wenn die zahlreichen Bekenntnisse zum Klimaschutz ernst genommen werden sollen. Damit setzen sie auch ein klares Zeichen an die deutschen Autobauer, anstatt deren Strategie, weiterhin auf übermotorisierte und spritdurstige Modelle zu setzen, aktiv zu unterstützen“, betont Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung der DUH.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe, Dienstwagencheck 2019

Anzeige

natur | Aktuelles Heft

Aktueller Buchtipp

natur-Sonderausgabe 2019

Landwirtschaft 4.0
Wie Technik, Tierschutz und Bio-Standards eine Branche verändern

Anzeige

Grünstoff – der Medientipp des Monats

Wissenschaftslexikon

te|le|me|trisch  auch:  te|le|met|risch  〈Adj.〉 die Telemetrie betreffend, auf ihr beruhend ... mehr

Mi|re  〈f. 19; Astron.〉 Meridianmarke an astronom. Instrumenten [frz.]

Pep|tid|bin|dung  〈f. 20; Chem.〉 die Atomgruppierung –CO–NH–, die bei der Reaktion zw. der Karboxylgruppe einer Aminosäure mit der Aminogruppe einer anderen Aminosäure unter Wasserabspaltung entsteht

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige