Doch nicht der Gesundmacher des Rotweins? - wissenschaft.de
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Doch nicht der Gesundmacher des Rotweins?

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Credit: Thinkstock
Viele Franzosen essen gern deftig, dennoch leiden sie vergleichsweise selten an mit dieser Ernährungsweise verbundenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diesen „French Paradox“ genannten Effekt schreibt man der Wirkung von Rotwein zu und auch der verantwortliche Inhaltsstoff galt bereits als identifiziert: das Antioxidans Resveratrol. Dieses ist auch in anderen Nahrungsmitteln enthalten, die als gesund gelten: beispielsweise in Kakao und Beerenobst. Einige Studien schienen den positiven Effekt der Substanz bereits zu belegen und so füllten sich die Regale mit Nahrungsergänzungsprodukten, die den angeblichen Wunderstoff enthalten. Doch nun sorgen US-Forscher für Ernüchterung: Ihren Studienergebnissen zufolge scheint Resveratrol doch nicht das Gesundheits-Geheimnis von Rotwein und Co zu sein.

Richard Semba von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore sind dem Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Resveratrol und gesundheitlichen Effekten durch einen cleveren Ansatz nachgegangen: Sie erfassten nicht die Wirkung von Nahrungsmittelergänzungen, sondern untersuchten den Zusammenhang zwischen einem Abbauprodukt des Resveratrols im Urin von Probanden und deren gesundheitlichen Parametern in einem Zeitraum von neun Jahren. Die Urinproben der insgesamt 783 Studienteilnehmer dokumentierten also, wie viel Resveratrol sie regelmäßig über ihre typische Ernährungsweise zu sich nehmen. Zusätzlich erfassten die Wissenschaftler die Sterberaten und Gesundheitszustände der Probanden, die zu Studienbeginn mindestens 65 Jahre alt waren.

Es gibt vermutlich andere Wirkstoffe

Die statistischen Auswertungen ergaben: Wer besonders viel Resveratrol über die Nahrung aufnimmt, besitzt gegenüber Menschen, die kaum Spuren des angeblichen Wunderstoffes im Urin besitzen, keine gesundheitlichen Vorteile. Die Sterberate, Häufigkeit von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Anzeichen von Entzündungen im Blut der Probanden waren den Statistiken zufolge nicht mit der Aufnahme von Resveratrol gekoppelt. Das Fazit von Richard Semba lautet: „Die Resveratrol-Geschichte scheint ein weiteres Beispiel für einen Gesundheits-Hype zu sein, der einer Überprüfung nicht standhält“.

Doch das bedeutet nicht, dass die typisch Resveratrol-haltigen Lebensmittel wirkungslos sind, betonen die Forscher. Studien haben die positiven Effekte eines moderaten Rotweinkonsums bereits gut dokumentiert und auch die günstigen Wirkungen von dunkler Schokolade und Beerenobst sind belegt. „Die positiven Effekte kommen aber offenbar von anderen Polyphenolen oder Substanzen in diesen Lebensmitteln“, sagt Semba. „Es handelt sich um komplexe Nahrungsmittel – unsere Studienergebnisse belegen nur, dass Resveratrol nicht das Geheimnis hinter ihren Gesundheitseffekten zu sein scheint“, so der Forscher.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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