Doppelschlag gegen den Speck - wissenschaft.de
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Doppelschlag gegen den Speck

Ein Dünndarmhormon könnte dank einer effektiven Doppelwirkung eine schlagkräftige Waffe gegen Übergewicht werden: Das Hormon namens Oxyntomodulin reduziert nicht nur den Appetit, sondern steigert gleichzeitig auch den Bewegungsdrang. Das haben britische Forscher bei einer Studie mit 15 übergewichtigen Freiwilligen entdeckt, bei denen der Oxyntomodulinspiegel vor den Mahlzeiten künstlich erhöht wurde. Nach dieser Behandlung nahmen die Probanden etwa 17 Prozent weniger Kalorien zu sich und verbrauchten im Alltag gleichzeitig 26 Prozent mehr Energie, zeigte die Auswertung. Unangenehme Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten, berichten die Wissenschaftler.

Oxyntomodulin wird nach dem Essen im Dünndarm produziert und wirkt im Gehirn als Sättigungssignal. Wird seine Menge künstlich erhöht, kann es bereits nach wenigen Wochen einen merklichen Gewichtsverlust bewirken, hatten Steve Bloom und sein Team bereits im Juli vergangenen Jahresi n einer Gruppe von 26 Freiwilligen nachgewiesen . Einer der Gründe dafür war eine reduzierte Kalorienaufnahme während der Mahlzeiten, die nach Ansicht der Forscher allerdings nicht ausgeprägt genug war, um den gesamten Abnehmeffekt erklären zu können. Sie vermuteten vielmehr, dass das Hormon zusätzlich noch den Energieverbrauch beeinflussen könnte ? eine These, die durch Studien an Ratten und Mäusen gestützt wurde.

Um das zu testen, verabreichten die Wissenschaftler ihren Probanden in der neuen Studie dreimal für jeweils vier Tage vor jeder Mahlzeit eine Spritze. Diese enthielt in zufälliger Reihenfolge entweder eine wirkstofffreie Salzlösung oder eine Dosis Oxyntomodulin. Am ersten Tag wurde die Kalorienaufnahme während eines Testessens bestimmt und am letzten Tag der Energieumsatz gemessen. Den zweiten und dritten Tag verbrachten die Teilnehmer in ihrer gewohnten Umgebung. Wie in der früheren Studie reduzierte das Hormon die Kalorienaufnahme auch hier deutlich, ohne dass das subjektive Hungergefühl beeinträchtigt war, zeigte die Auswertung. Gleichzeitig stieg auch der Energieverbrauch der Testteilnehmer um mehr als ein Viertel an, ein Effekt, der nicht auf einen gesteigerten Grundumsatz, sondern ausschließlich auf mehr Bewegung zurückzuführen war.

Besonders diese zweite Wirkung mache Oxyntomodulin zu einem geradezu idealen Wirkstoff für die Behandlung von Übergewicht, schreiben die Forscher. In den meisten Fällen bewegen sich Menschen, die Diät halten müssen, nämlich weniger als sonst, da der Körper den Bewegungsdrang aus Angst vor Energiemangel zurückschraubt. Das Oxyntomodulin teile dem Gehirn dagegen mit, dass ihm genügend Nahrung zur Verfügung steht und es daher ruhig auch in produktivere Tätigkeiten wie Bewegung investieren kann, kommentiert Studienleiter Bloom. Die Forscher wollen nun testen, ob der Effekt auch bei langfristiger Anwendung erhalten bleibt.

Steve Bloom ( Imperial College, London) et al.: International Journal of Obesity, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/sj.ijo.0803344 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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