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Doppelt gefährliche Mückenstiche

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Die Stechmücke Aedes aegypti kann mehrere gefährliche Viren übertragen (Foto: CDC)
In vielen Gebieten der Welt bedeutet ein Mückenstich nicht nur nerviges Jucken, er kann auch gefährliche Viren übertragen. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass der Stich einer infizierten Mücke dabei gleich auf zweierlei Weise krankmachend wirkt: Zum einen gelangen so die Viren in unser Blut. Zum anderen aber macht es die lokale Entzündung an der Einstichstelle diesen Erregern leichter, sich schnell zu vermehren.

Mit dem feuchtwarmen Schauerwetter kommen die Mücken: Dank milden Wetters und reichlich vorhandener Brutmöglichkeiten bahnt sich bei uns momentan eine Mückenplage an. Public Viewing und der Grillabend enden daher oft mit roten, juckenden Stichen. Das ist zwar lästig, hat aber bei uns in Deutschland glücklicherweise meist keine langanhaltenden Folgen. Denn die bei uns häufigste Mücke Culex pipiens gilt bisher nicht als Überträger gefährlicher Viren. Das jedoch ist bei den wärmeliebenden Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) und der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) anders. Beide Stechmückenarten können beim Blutsaugen Krankheitserreger wie das Zika-Virus, das Dengue- oder Chikungunya-Virus aufnehmen und dann an ihr nächstes Opfer weitergeben. „Diese und andere Arboviren infizieren hundert Millionen Menschen jedes Jahr“, betonen Marieke Pingen von der University of Leeds und ihre Kollegen. Noch sind die in den Tropen und im Mittelmeerraum verbreiteten Mückenarten bei uns zwar nicht heimisch, doch mit dem Klimawandel kann sich dies in Zukunft ändern, wie Prognosen nahelegen. Tatsächlich haben zwei Tigermücken-Populationen in Süddeutschland es bereits geschafft, bei uns zu überwintern. Sollten diese Mückenarten sich künftig bei uns etablieren und die von ihnen übertragenen Viren gleich mit, dann könnte ein Mückenstich in Zukunft auch bei uns schwerwiegender Folgen haben als nur ein bisschen Jucken.

Starthilfe für Viren

Dass die Mücke dabei die Viren nicht bloß überträgt, sondern ihnen sogar noch eine Art Starthilfe mitgibt, haben nun Pingen und ihre Kollegen herausgefunden. Für ihre Studie untersuchten die Forscher an Mäusen, was genau in einem Stich der Mücke Aedes aegypti vor sich geht und wie sich ein naher Verwandter des Chikungunya-Virus in Haut und Blut der Stichstelle verhält.  Dafür ließen sie einige Mäuse von virenfreien Mücken stechen und injizierten ihnen dann eine definierte Menge Viren direkt in die Stichstelle. Andere Mäuse erhielten die gleiche Vireninjektion, ohne dass sie zuvor gestochen worden waren. Das Ergebnis: Bei den Mäusen, die über die Mückenstiche infiziert wurden, vermehrten sich die Viren zehnfach schneller und stärker als bei den nicht gestochenen Mäusen. Als Folge zeigten die Versuchstiere schneller Krankheitssymptome und auch der Verlauf der Virenerkrankung war bei ihnen schwerer, wie die Forscher berichten.

Woran aber liegt dies? Ist der Speichel der Mücke schuld? „Der Mückenspeichel enthält eine Vielzahl von biologisch aktiven Komponenten“, erklären die Forscher. „Deshalb vermutete man bisher, dass er auch immunschwächende Faktoren enthält, die die Infektion des Wirts durch Krankheitserreger erleichtert.“ Doch nähere Analysen widerlegen dies nun. Die Wissenschaftler stellten keinerlei Abschwächung von Immunbotenstoffen oder Zellen an der Stichstelle fest. Stattdessen scheint gerade die ausgeprägte Immunreaktion auf den Stich den Viren ein Einfallstor zu bieten. Wie die Forscher beobachteten, löst der Mückenspeichel eine lokale Entzündungsreaktion aus, in deren Verlauf sich Abwehrzellen, darunter auch weiße Blutkörperchen an der Stichstelle sammeln. Doch statt gegen die Viren vorzugehen, werden diese Immunzellen selbst Opfer der Infektion: Einige von ihnen werden infiziert und tragen so zur Vermehrung des Virus bei. „Das war eine große Überraschung für uns, weil diese Viren bisher nicht dafür bekannt sind, Immunzellen zu infizieren „, sagt Koautor Clive McKimmie von der University of Leeds. Verhinderten die Forscher die Ansammlung der Abwehrzellen an der Stichstelle, blieb auch die verstärkte Vermehrung der Viren aus.

Nach Ansicht der Forscher liefert ihre Studie nicht nur wichtige Erkenntnisse zur Übertragung von Virenkrankheiten durch Stechmücken. Sie könnte auch einen Ansatzpunkt für Gegenmittel liefern. „Wir sind jetzt gespannt darauf zu untersuchen, ob entzündungshemmende Cremes die Viren davon abhalten können, sich so stark zu vermehren“, sagt McKimmie. Sollte das funktionieren, dann könnte künftig vielleicht schon die äußerliche Behandlung eines Mückenstichs dabei helfen, die Infektion einzudämmen.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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