Drei Meter hoch, braunes Fell und liebt Wassermelonen ? Hominologen in Russland suchen Yeti - wissenschaft.de
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Drei Meter hoch, braunes Fell und liebt Wassermelonen ? Hominologen in Russland suchen Yeti

Der Yeti und der nordamerikanische Bigfoot haben möglicherweise Verwandtschaft in Russland. Ähnlich wie in den Wäldern der Rocky Mountains oder im Himalaja sind auch in Russland und Zentralasien mehrfach Spuren entdeckt worden, die russische Wissenschaftler auf die Existenz eines eigenen „Snjeschny Tschelowek“ (Schneemensch) schließen lassen. Schon seit fast 40 Jahren haben sich Biologen und andere Wissenschaftler an die Fersen dieses geheimnisvollen Wesens geheftet, um der skeptischen Öffentlichkeit eines Tages den „Bigfoot des Ostens“ zu präsentieren.

„Ich werde ihn bis zu meinem letzten Atemzug suchen“, erklärt Dmitri Bajanow, der schon seit 36 Jahren die Suchaktionen nach dem russischen Schneemenschen koordiniert. Damals hatte die sowjetische Akademie der Wissenschaften die Theorie aufgestellt, dass ein Primaten ähnliches Wesen, ein Hominid, ursprünglich aus Asien über das Eis der Beringstraße und durch Alaska nach Nordamerika gelangt war.

Für eine Gruppe von rund 20 Enthusiasten in Moskau, die sich selbst „Hominologen“ nennen, ist die Suche nach dem Schneemenschen tierischer Ernst. Schließlich sehen sie in ihm eine wichtige Etappe in der Evolution des Menschen. Doch wie im Westen hat die Suche nach den mysteriösen Wesen auch in Russland schon viele Ehen und Freundschaften zerstört, persönliche Vermögen verschlungen und Nerven gekostet.

Das Interesse am Schneemenschen erwachte in Russland 1954, als die sowjetischen Medien breit über die erste britische Yeti-Suchexpedition im Himalaja berichteten. „Plötzlich erhielt die Akademie der Wissenschaften Briefe, in denen die Leute fragten, warum eigentlich über die Suche in Nepal geschrieben wird, wo doch solche Kreaturen in unserem eigenen Land leben – im Kaukasus und im Pamir-Gebirge (im heutigen Tadschikistan)“, erinnert sich Bajanow.

Nach einer erfolglosen Expedition in die Gebirge des damals sowjetischen Zentralasiens 1958 wurde das Thema von Moskau zur Pseudo-Wissenschaft erklärt, zusammen mit Astrologie und Parapsychologie. Die Schneemensch-Jäger waren plötzlich auf sich allein gestellt. Erst 1967 wurde das Thema wieder aktuell, als dem Amerikaner Roger Patterson in Nordkalifornien sensationelle Filmaufnahmen von Bigfoot oder Sasquatch gelangen.

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Hinter dem Eisernen Vorhang ergaben inoffizielle Forschungen, dass der Schneemensch schon seit Jahrhunderten in der Folklore einzelner Völker thematisiert worden war. In den Erzählungen lebt er unter den Namen Almasty, Pikelian oder Jagmort.

Bajanows Gruppe nennt den Schneemenschen fast schon ehrfürchtig „unser Objekt“. Bei den monatlichen Treffen der Gruppe im Moskauer Darwin-Museum werden neueste Berichte und angebliche Sichtungen erörtert und analysiert. Drei Meter hoch soll er sein, der Schneemensch, mit dichtem braunen Fell. Aufrecht gehen soll er, angeblich liebt er Wassermelonen, und angeblich riecht er auch nicht so besonders gut. „Seine stechenden schwarzen Augen haben mich fixiert, wie in einem Horrorfilm, es war kein angenehmer Anblick“, beschreibt ein Wildhüter aus der Astrachan-Region die Begegnung mit dem russischen Bigfoot.

Bajanows Gruppe musste sich in den vergangenen Jahren wegen ihrer Suche viel Spott und Häme gefallen lassen. „Das hat uns früher gestört, jetzt nicht mehr“, meint sein Kollege Igor Burzew. In ihrem in Englisch und Deutsch erschienenen Buch „Auf den Spuren des Schneemenschen – Der russische Yeti“ haben sie über diesen alle Details zusammengetragen, um die Theorie von der Existenz des russischen Verwandten des Bigfoot zu untermauern.

In einer Welt, in der die Wissenschaft glasklare Beweise vorlegen muss, kommt Bajanows Gruppe nur mühsam voran. Mehr als Gipsabdrücke von riesigen Füßen, ungewöhnliche Haarbüschel und Knochenreste können sie nicht vorlegen. Und die Zweifel der konventionellen wissenschaftlichen Gesellschaft sehen die Yeti-Jäger nur als Abwehrhaltung aus Angst davor, die Geschichte der Evolution neu schreiben zu müssen.

dpa
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