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Effektvolles Stillen

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Die erste Nahrung. Bild: Rolf van Melis / pixelio.de
Eine lange Stillzeit fördert langfristig die intellektuellen Fähigkeiten – allerdings trifft das nur für Jungen zu, wie ein australisches Forscherteam in einer Studie herausgefunden hat. Knaben, die mindestens sechs Monate lang gestillt wurden, haben demnach einen höheren Intelligenzquotienten als Jungen, die entweder kürzer oder aber gar nicht die Brust bekamen. Verantwortlich dafür sind die Hormone, vermuten die Wissenschaftler: Die Estrogene in der Muttermilch schützen möglicherweise das Gehirn der Jungen vor den Auswirkungen von Stress. Und da Mädchen ohnehin viel mehr dieser weiblichen Sexualhormone haben, sind sie auch ohne Muttermilch vor möglichen Stressfolgen gefeit. Über ihre Studienergebnisse berichten die Wissenschaftler um Wendy Oddy von der University of Western Australia in Perth.

Um herauszufinden, ob die Dauer der Stillzeit später die intellektuellen Fähigkeiten der Kleinen beeinflusst, machten die Forscher mit insgesamt 1.038 10-jährigen Mädchen und Jungen Intelligenztests: Neben dem logischen Verständnis überprüften sie die verbalen Fähigkeiten der Kinder. Dabei berücksichtigen die Wissenschaftler nicht nur das Geschlecht der Kinder, sondern auch mögliche weitere Einflussfaktoren wie das Einkommen der Eltern und inwieweit diese den Nachwuchs beispielsweise durch Schreib- und Leseübungen gefördert hatten.

Ergebnis: Jungen, die mindestens sechs Monate lang gestillt worden waren, schnitten in den Intelligenztests besser ab als Buben, die entweder nur für kurze Zeit die Brust bekommen hatten oder ausschließlich mit Ersatzmilch gefüttert worden waren. Die länger mit Muttermilch versorgten Teilnehmer übertrafen die anderen in mathematischen Tests und in Schreibaufgaben um neun Prozent, Sprachübungen bewältigten sie um sieben Prozent besser und Leseaufgaben immerhin um sechs Prozent. Das galt aber nur für Jungen: Bei Mädchen spielte es keine Rolle, ob und wie lange sie gestillt wurden.

Frühere Studien hatten Hinweise darauf gefunden, dass Jungs in den kritischen Phasen der Gehirnentwicklung für Stress wesentlicher anfälliger sind als Mädchen. Vor diesem Hintergrund vermuten die Forscher nun, dass diese im Gegensatz zu den Jungen durch Estrogene vor den Stressfolgen geschützt sind, so die Vermutung der Forscher. Die höhere intellektuelle Leistung der länger gestillten Jungs sei demnach möglicherweise auf die Estrogene in der Muttermilch zurückzuführen.

André Fenton (New York University’s Center for Neural Science) et al.: PLoS Biology, Onlineveröffentlichung vom 22. Dezember dadp/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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