Ein Chip für die Krebsüberwachung - wissenschaft.de
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Ein Chip für die Krebsüberwachung

Ein kleiner Mikrochip kann Krebszellen aus einer Blutprobe herausfischen: Die Zellen bleiben dabei an speziell präparierten Mikrostrukturen haften und können danach von Medizinern weiter untersucht werden. Bei Lungenkrebspatienten haben amerikanische Forscher um Shyamala Maheswaran vom Krebszentrum des Massachusetts General Hospital in Charlestown nun gezeigt, dass dieser Bluttest ähnlich zuverlässig zur Verlaufskontrolle einer Krebstherapie genutzt werden kann wie die üblichen, schmerzhaften Entnahmen von Gewebeproben. Aus dem genetischen Profil der herausgefischten Tumorzellen wollen die Forscher bestimmen, welche Medikamente am besten anschlagen.

Im Mikrochip fließt die Blutprobe durch haarfeine Kanäle und umspült darin rund 78.000 Mikrostäbe. Auf diesen Stäbchen sind bestimmte Eiweiße aufgebracht, die an entsprechende Proteine des Tumors binden. In Untersuchungen mit 27 Lungenkrebspatienten, denen zehn Milliliter Blut abgenommen wurde, fanden die Forscher rund hundert Tumorzellen pro Milliliter Blut. Ein Vergleich mit Zellproben aus Biopsien zeigte den Forschern, dass die herausgefischten Tumorzellen mit den Gewebeproben zu 92 Prozent übereinstimmen.

Die Forscher hoffen, die bislang noch aufwendige Labortechnik zu einem einfachen Bluttest weiter entwickeln zu können. Dann könnte die Entwicklung eines Lungenkrebsleidens und der Verlauf der Therapie über eine Blutprobe anstatt einer Gewebeprobe aus dem Körperinneren verfolgt werden. Tumorzellen in der Blutbahn bedeuten nach Angaben der Forscher nicht zwingend, dass sich der Krebs darüber auch auf andere Körperregionen ausbreitet. Die Menge an Krebszellen im Blut kann aber bei manchen Krebstypen Aufschluss darüber geben, wie stark die Krankheit fortgeschritten ist. Durch eine Analyse des Erbmaterials der Tumorzelle können die Forscher auch feststellen, ob der Krebs etwa durch Mutationen eine Resistenz gegen ein Medikament entwickeln konnte. Dies würde bei der Wahl der richtigen Therapie helfen, betonen die Forscher.

Nature, Onlinedienst, DOI: 10.1038/news.2008.930 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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