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Ein Gen-Defekt allein bringt niemanden zum Zittern

Um an Parkinson zu erkranken, müssen insgesamt drei Faktoren zusammenkommen. Zu diesem Schluss sind deutsche Forscher gekommen. Erstens muss bei den Betroffenen ein bestimmter genetischer Defekt vorliegen. Zweitens dürfen die Nervenzellen im Gehirn nicht mehr auf einen speziellen Wachstumsfaktor ansprechen, der sie normalerweise am Leben erhält. Und schließlich kommt die Erkrankung nur dann zum Ausbruch, wenn ein bestimmtes Alter erreicht ist. Diese Erkenntnisse könnten für bestimmte Patientengruppen neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen, berichten die Forscher um Rüdiger Klein vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München.

In Deutschland leiden über 300.000 Menschen an der Parkinson-Krankheit, einer langsam fortschreitenden neurologischen Erkrankung. Zu den Hauptsymptomen zählen Muskelzittern, verlangsamte Bewegungen, Muskelstarre und eine unsichere Haltung beim Stehen und Gehen. Die Erkrankung wird durch das Absterben von Nervenzellen in der sogenannten Substantia Nigra, einer Region im Mittelhirn, ausgelöst. Die Forschung der letzten zehn Jahren hat eine Reihe von Genen identifiziert, die mit erblichen Formen der Parkinson-Erkrankung zusammenhängen. Zusätzlich entdeckten Wissenschaftler, dass Wachstumsfaktoren wie der sogenannte GDNF einen Einfluss auf das Absterben der Nervenzellen in der Substantia Nigra haben. ?Diese Eiweißmoleküle stehen im Gehirn in Umgebung der Nervenzellen zur Verfügung und fördern ihr Überleben?, erläutert Klein gegenüber ddp. ?Verschiedene Studien haben gezeigt, dass eine Behandlung mit GDNF den Verlust von Nervenzellen im Gehirn verringern kann ? insbesondere in Hirnregionen, die bei Parkinson eine Rolle spielen.?

Um den Ursachen der Krankheit auf den Grund zu gehen, wurden die genetischen Defekte bei den genannten Studien in Tiermodellen nachgebildet. ?Allerdings ließ sich in den meisten Modellen bisher nicht der typische Verlauf der Parkinson-Erkrankung beobachten, bei dem bestimmte Arten von Nervenzellen schnell zugrunde gehen?, sagt Klein. Zusammen mit Wissenschaftlern der Technischen Universität München, dem Helmholtz Zentrum München und dem Zentrum für Molekulare Neurobiologie Hamburg untersuchte Klein nun in einem Mausmodell, welche Faktoren das Absterben von Nervenzellen in der Substantia Nigra beeinflussen. Die Forscher konzentrierten sich dabei zunächst auf das Gen DJ-1, das sie bei den Versuchstieren ausschalteten.

?Dabei haben wir festgestellt, dass insgesamt drei Bedingungen zusammenkommen müssen, damit die Parkinson-Krankheit zum Ausbruch kommt?, berichtet Klein, ein Gen-Defekt allein habe in den Tierversuchen nicht zwangsläufig zu Parkinson geführt. ?Erstens muss ein Defekt in einem bestimmten Gen, in diesem Fall dem DJ-1-Gen, vorliegen. Zweitens müssen die Nervenzellen vermindert auf den Wachstumsfaktor GDNF ansprechen. Und schließlich ist ein bestimmtes Alter erforderlich, damit es zum Untergang von Nervenzellen kommt.? Die neu entdeckten Zusammenhänge könnten in Zukunft neue Behandlungsmöglichkeiten für die Parkinson-Erkrankung eröffnen, insbesondere für Patienten mit bestimmten erblich bedingten Formen von Parkinson. So könnte man beispielsweise gezielt Patientengruppen identifizieren, die auf eine Behandlung mit Wachstumsfaktoren besonders gut ansprechen.

Rüdiger Klein (Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried bei München) et al.: PLoS Biology, Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.1371/journal.pbio.1000349 ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein
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