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Ein Glas Rotwein auch für Diabetiker

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Rotwein gilt als gesund (Svetl/ thinkstock)
Rotwein gilt – in Maßen genossen – als gesund. Denn er enthält Substanzen, die unter anderem die Gefäße und das Herz schützen. Wie sich jetzt zeigt, könnte das Glas Rotwein am Abend für Diabetikern sogar doppelt positiv wirken. Denn es hilft, das bei ihnen oft besonders erhöhte Cholesterin zu senken und schützt so vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie eine Studie nun belegt. Ein weiterer positiver Effekt: Der Rotwein trägt bei einem Großteil der Diabetiker dazu bei, den Blutzucker besser zu regulieren.

Menschen, die an Diabetes leiden, haben nicht nur Probleme mit der Regulation des Blutzuckerspiegels. Bei ihnen ist auch das Risiko für Gefäßentzündungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Einer der Gründe dafür: In der Regel haben Patienten mit Typ-2 Diabetes weniger „gutes“ HDL-Cholesterin im Blut.  Von Rotwein ist bereits bekannt, dass er sich günstig auf die Gefäße auswirkt, wenn er in Maßen genossen wird. Ein Glas Wein am Abend gilt gemeinhin als durchaus gesundheitsfördernd. Verantwortlich dafür sind wahrscheinlich pflanzliche Inhaltsstoffe aus den Trauben, die eine entzündungshemmende Wirkung entfalten. Umstritten ist bisher allerdings, ob das Resveratrol der Vermittler dieses positiven Effekts ist oder vielleicht doch ein anderer Inhaltsstoff. Unklar war bisher auch, ob der Rotwein Diabetikern eher schadet als nützt oder ob auch sie von den gesundheitsfördernden Wirkungen profitieren.

Um das zu klären, haben Iris Shai von der Ben Gurion Universität in Israel und ihre Kollegen eine zweijährige Studie durchgeführt. In dieser tranken 224 Typ2-Diabetiker täglich abends entweder ein Glas Wasser, ein Glas Weißwein oder ein Glas Rotwein. Darüber hinaus nahmen die Teilnehmer hinaus keinen Alkohol zu sich und ernährten sich gesund. Während der Studienperiode überprüften die Forscher regelmäßig bei allen Probanden die Blutfettwerte und den Blutzuckerspiegel sowie weitere Stoffwechselwerte.

Bessere Blutfett- und Zuckerwerte

Das Ergebnis: Nach zwei Jahren hatten sich die Werte der Weintrinker gegenüber den Wassertrinkern deutlich verbessert. Vor allem bei den Teilnehmern, die täglich ein kleines Glas Rotwein zu sich genommen hatten, war der Gehalt des „guten“ HDL-Cholesterins und des damit verbundenen Apolipoproteins A1 angestiegen, wie die Forscher berichten. Ihrer Ansicht nach spricht dies dafür, dass gerade Rotwein auch bei Diabetikern eine positive Wirkung auf den Stoffwechsel und im Speziellen die Blutfettwerte entfaltet. Weil Rotwein besser wirkte als Weißwein, war dafür wahrscheinlich weniger der Alkohol verantwortlich, als vielmehr die pflanzlichen Inhaltsstoffe. „Rotwein enthält siebenmal mehr Phenole und vier bis 13 mal mehr Verbindungen der Resveratrol-Gruppe als Weißwein, so Shai.

Die Studie ergab aber auch etwas Überraschendes: Immerhin bei 80 Prozent der Diabetiker verbesserte der regelmäßige Weingenuss auch die Blutzuckerwerte – und zwar sowohl bei Rotwein als auch bei Weißwein. Nähere Untersuchungen ergaben, dass die Patienten dabei stärker profitierten, die Alkohol aufgrund genetischer Faktoren eher langsam abbauen. Diejenigen, bei denen Alkohol besonders schnell im Körper abgebaut wird – das war etwa bei einem Fünftel der Fall –  zeigten dagegen keine Verbesserung in ihrer Blutzucker-Regulation, wie die Forscher berichten. Diese Patienten ließen sich anhand eines Gentests bestimmen. „Dieser genetische Zusammenhang spricht dafür, dass das Ethanol für den Glukose-Stoffwechsel der ausschlaggebende Akteur ist“, so Shai. „Die Wirkungen auf die Gefäße und die Blutfette scheinen dagegen eher mit den Inhaltsstoffen des Rotweins verknüpft zu sein.“

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Nach Ansicht der Wissenschaftler sprechen ihre Ergebnisse dafür, dass ein kleines Glas Rotwein am Abend auch bei Diabetikern positive Effekte haben kann. Es trägt dazu bei, sowohl die Blutfettwerte als auch die Glukosewerte zu verbessern – letzteres zumindest bei einem Großteil der Patienten. Dennoch betonen Shai und ihre Kollegen, dass die Vorteile des Rotwein-Trinkens im Einzelfall immer gegen mögliche Risiken abgewogen werden sollten. 
 

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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