Ein Mastodon sorgt für klare Verwandtschaftsverhältnisse - wissenschaft.de
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Ein Mastodon sorgt für klare Verwandtschaftsverhältnisse

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Wie das Skelett auf einen Blick verrät, gehörte das Mastodon zur Gruppe der Rüsseltiere. Bild: Wikipedia.de
Zum ersten Mal ist es Wissenschaftlern gelungen, Erbgut aus einem über 50.000 Jahre alten Zahn eines Mastodons zu gewinnen und vollständig zu entschlüsseln. Diese urtümlichen Rüsseltiere starben vor etwa 10.000 Jahren aus und waren mit Elefanten und Mammuts verwandt. Sie sind neben dem Mammut und einigen Moas, flugunfähigen Laufvögeln aus Neuseeland, erst die dritte Gruppe ausgestorbener Tiere, von der die Bausteinabfolge der so genannten mitochondrialen DNA bekannt ist ? dem Teil des Erbguts, der in den kleinen Kraftwerken jeder Zelle gespeichert ist. Ihre Kenntnis ist vor allem deswegen wichtig, weil durch den Vergleich der Mastodonten-DNA mit der von Elefant und Mammut die umstrittenen Verwandtschaftsverhältnisse bei den Rüsseltieren geklärt werden können.

Die DNA-Probe stammt aus einem Backenzahn eines Mastodons, das vor 50.000 bis 130.000 Jahren im heutigen Alaska lebte. Sie ist damit die älteste mitochondriale DNA, die bisher von einem ausgestorbenen Tier entschlüsselt werden konnte. Da das Erbgut der Mitochondrien ausschließlich über die mütterliche Linie weitergegeben wird, kann es als eine Art genetische Uhr genutzt werden, mit deren Hilfe sich evolutionäre Zeitlinien genauer bestimmen lassen. Zu diesem Zweck verglichen die Wissenschaftler die Mastodon-Sequenz mit der von zwei Afrikanischen und zwei Asiatischen Elefanten sowie mit der von zwei Wollhaarmammuts.

Die Entwicklungslinie der Mastodonten spaltete sich demnach vor 24 bis 28 Millionen Jahren von der der Elefanten ab. Vor 7,6 Millionen Jahren trennte sich dann die Linie des Afrikanischen Elefanten von der seiner Verwandten, um sich später in zwei Arten zu verzweigen ? den Steppenelefanten und den Waldelefanten. Die restlichen Rüsseltiere spalteten sich schließlich vor 6,7 Millionen Jahren und damit nur knapp eine Million Jahre später in die Mammuts und die Asiatischen Elefanten auf. Die Mammuts waren folglich sehr viel enger mit den Asiatischen als mit den Afrikanischen Elefanten verwandt, erklären die Forscher. Diese Frage wird unter Wissenschaftlern häufig kontrovers diskutiert.

Interessanterweise fällt die Aufspaltung der ursprünglichen Rüsseltierlinie in Afrikanische Elefanten, Asiatische Elefanten und Mammuts in den gleichen Zeitraum, in dem sich auch die Linien von Mensch, Schimpanse und Gorilla trennten. Möglicherweise, schließen die Forscher, waren es daher bestimmte gemeinsame Umweltbedingungen, die eine solche Auffächerung in unterschiedliche Arten begünstigten. Allerdings tickten die molekularen Uhren der Rüsseltiere und der Primaten sehr unterschiedlich: Das Erbgut von Affen und Menschen veränderte sich mehr als doppelt so schnell wie das von Elefanten und Mammuts.

Michael Hofreiter ( Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, Leipzig) et al.: PLoS Biology, Bd. 5, Artikel e207 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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