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Ein Schwank aus der Wissenschaft

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Der Blick auf den Horizont verhilft Schiffsreisenden zu einem stabileren Stand.
Wer bei Schiffsreisen den Horizont fixiert, erlangt dadurch einen stabileren Stand, dieser oft geäußerte Rat ist nun auch wissenschaftlich belegt. Drei US-Forscher konnten in Experimenten beobachten, dass ihre Probanden unter Deck sowie beim Konzentrieren auf nähere Gegenstände deutlich stärker ins Schwanken gerieten als beim Blick in die Ferne über Deck. Überraschenderweise kehrte sich dieser Effekt an Land jedoch ins Gegenteil um: Hier beeinflusste der Anblick des Horizonts die Standsicherheit der Studienteilnehmer stärker als der von weniger weit entfernten Gegenständen. Nun wollen die Wissenschaftler den genauen Ursachen für diese Mechanismen auf den Grund gehen.

Schiffsreisen sind nicht jedermanns Sache: Die ungewohnten, durch den Wellengang hervorgerufen Bewegungen des Schiffs, werden oft als chaotisch empfunden und stellen das Gleichgewichtssystem vieler Menschen vor bislang nicht gekannte Herausforderungen. Die Folgen können Übelkeit sein sowie ein Unsicherheitsgefühl beziehungsweise eine tatsächliche Instabilität, weshalb viele Schiffsreisende unwillkürlich ins Schwanken geraten. Erfahrene Seeleute empfehlen dann häufig, sich nicht etwa in der Kabine hinzulegen, sondern an Deck zu gehen und den Blick fest auf den Horizont zu richten. Doch hilft das tatsächlich? Mayo und seine Kollegen gingen dieser Frage nach, indem sie 15 erfahrene Seemänner und -frauen mit normaler Sehstärke zum Test antreten ließen – zunächst auf dem Land, dann auf See und zwar sowohl über als auch unter Deck.

Die Crewmitglieder stellten sich zu diesem Zweck auf eine Kraftplatte von der Größe einer Waage, mit deren Hilfe die Wissenschaftler den Grad der Schwankungen ermittelten. Dann fixierten sie auf Anweisung der Forscher jeweils verschiedene, wenige Meter entfernte Gegenstände und in einem zweiten Durchgang den Horizont. Das Ergebnis bestätigt die Empfehlungen an Schiffsreisende: Auf See neigten die Probanden am wenigsten zum Schwanken, wenn sie an Deck den Blick auf den Horizont richteten. An Land hingegen kann der Blick in die Ferne eine deutliche Instabilität auslösen: Während der Anblick eines nahen Gegenstandes kaum Einfluss auf das Gleichgewicht der Teilnehmer hatte, gerieten sie beim Anblick des Horizonts ins Schwanken.

In weiteren Studien wollen die Wissenschaftler nun zum einen überprüfen, ob bei Landratten die gleichen Effekte auftreten und ob vergleichbare Ergebnisse auch im Hinblick auf Übelkeit erzielt werden können. Zudem planen sie, die Ursachen für die beobachteten Phänomene genauer unter die Lupe nehmen, ihre Resultate widersprächen nämlich einer gängigen Theorie zur Wahrnehmung von Schwankungen: Dieser Annahme zufolge würden Körperschwankungen auf nahe Sicht hin stärker wahrgenommen als beim Blick in die Ferne. Dies müsste jedoch eigentlich dazu führen, dass eher der Blick auf den Schiffsboden stabilisierend wirkt, während der auf den Horizont die Unsicherheit eher noch verstärkt. Die Mechanismen der Körperwahrnehmung und -kontrolle seien offensichtlich komplexer als bislang angenommen.

Anthony Mayo (University of Minnesota, Minneapolis) et al.: Psychological Science, Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.1177/0956797610392927 dapd/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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