Ein Zoo von Untermietern - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Ein Zoo von Untermietern

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Kultivierte Bakterie in einer Petrischale ? direkt von der menschlichen Haut. Foto: Julie Segre
Auf der menschlichen Haut tummeln sich mehr Bakterien als bisher angenommen: Forscher haben mit Genanalysen bei gesunden Menschen Bakterien aus mehr als 200 Gattungen gefunden. Mit durchschnittlich 44 Bakterienarten entdeckten die Wissenschaftler die größte Vielfalt auf dem Unterarm, hinter dem Ohr lebten die wenigsten ? im Schnitt 14. Die Ergebnisse sollen helfen, den Einfluss von Bakterien auf Hautkrankheiten wie Ekzeme und Akne zu verstehen, berichten Elizabeth Grice vom National Human Genome Research Institute in Bethesda und ihre Kollegen.

Die Haut ist die Schnittstelle des menschlichen Körpers mit der Außenwelt: Sie verhindert unter anderem, dass der Organismus austrocknet und dass Krankheitserreger eindringen. Das größte Organ des Menschen ist dabei auch ein Ökosystem, das unzählige Mikroben beherbergt, die die unterschiedlichsten Regionen bevölkern. So liegen feuchte Achselhöhlen zwar relativ nah an trockenen Unterarmen, doch diese Nischen sind für die Mikroben so unterschiedlich wie Regenwälder und Wüsten für den Menschen, schreiben die Forscher.

Um die mikrobielle Vielfalt genauer zu untersuchen, nahmen die Wissenschaftler Proben der Hautoberfläche von zehn Freiwilligen an zwanzig unterschiedlichen Stellen des Körpers und analysierten die Gene der Bakterien. Sie unterschieden dabei drei Kategorien: trockene Hautpartien wie die Unterarme, feuchte wie Achselhöhlen und Kniekehlen und ölige Stellen wie zum Beispiel neben der Nase und zwischen den Augen. Trockene Haut bietet den Einzellern dabei ein besseres Quartier als feuchte Haut, zeigte die Auswertung ? öliges Milieu mögen die wenigsten Bakterien.

Die verschiedenen Körperstellen scheinen dabei jeweils typische Mikrobenmischungen zu beherbergen: Die Bakterien von den gleichen Körperstellen verschiedener Probanden waren sich nämlich ähnlicher als die Bakterien desselben Menschen an unterschiedlichen Stellen. Ein Vergleich der Einzeller auf gesunder und kranker Haut könnte nun zeigen, wie weit die mikrobielle Besiedlung auf der kranken Haut gestört ist. Dadurch könnten neue Ansätze in der Behandlung von Hautkrankheiten gefunden werden, hoffen die Forscher.

Elizabeth Grice (National Human Genome Research Institute, Bethesda) et al.: Science, Bd. 324, S. 1190, doi: 10.1126/science.1171700 ddp/wissenschaft.de ? Bele Boeddinghaus
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