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Ein zwingender Blick

Wer sieht, wie sein Gegenüber in eine bestimmte Richtung schaut, richtet seinen Blick automatisch ebenfalls dorthin ? vor allem dann, wenn dieses Gegenüber sehr maskuline und damit dominant wirkende Gesichtzüge besitzt. Das haben Forscher jetzt in einer Studie mit zwanzig Freiwilligen gezeigt. Damit reagieren Menschen genauso wie ihre entfernten Verwandten, die Makaken: Auch diese orientieren sich vor allem an der Blickrichtung dominanter Affen, wie bereits frühere Studie nachgewiesen hatten. Die Neigung, dem Blick sozial hochstehender Artgenossen zu folgen, ist daher möglicherweise schon bei einem gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Affe entstanden, spekulieren die Forscher. Sie hat sich vermutlich bis heute erhalten, weil es sehr vorteilhaft ist, zu wissen, was prominente Gruppenmitglieder gerade beschäftigt.

Für ihre Tests entwarfen die Wissenschaftler zuerst zwei idealisierte Gesichter, ein männliches und ein weibliches. Anschließend veränderten sie bei beiden Gesichtern die Züge so, dass sie deutlich mehr männliche oder deutlich mehr weibliche Merkmale bekamen. Im Endeffekt benutzten sie also vier Bilder: ein vermännlichtes weibliches, ein verweiblichtes männliches und je ein übertrieben weibliches und ein übertrieben männliches Gesicht. Bei allen Gesichtern schauten die Augen entweder nach rechts oder nach links. Im Test bekamen die Probanden zuerst diese Bilder für eine kurze Zeit gezeigt und dann entweder ein „T“ oder ein „L“. In einigen Fällen war der Buchstabe genau dort, wo auch das zuvor gesehen Gesicht hingeblickt hatte, während er in anderen auf der entgegengesetzten Seite platziert war. Die Testteilnehmer sollten nun so schnell wie möglich angeben, ob sie ein „T“ oder ein „L“ sahen.

Erwartungsgemäß war die Reaktion der Probanden schneller, wenn der Buchstabe in der Blickrichtung des Gesichts auftauchte ? allerdings nur dann, wenn es sich um eines der vermännlichten Gesichter gehandelt hatte. Die beiden verweiblichten Bilder hingegen hatten keinen Einfluss auf die Reaktionsgeschwindigkeit. Zudem war der Zusammenhang vor allem bei sehr kurzen Testzeiten ausgeprägt. Für die Forscher ist letzteres ein Zeichen dafür, dass es sich um einen unbewussten, reflexartigen Effekt handelt, der verschwindet, sobald die Probanden bewusst über das Gesicht nachzudenken beginnen.

Maskuline Gesichtszüge gehen auch heute noch häufig mit körperlicher Kraft und einem ausgeprägten Durchsetzungsvermögen einher, erläutern die Forscher. Sie seien also nach wie vor ein Zeichen für Dominanz und damit gleichzeitig auch häufig für eine hohe Position in der sozialen Hierarchie. Dorthin zu schauen, wo auch dominante Mitmenschen hinsehen, sich also an ihnen zu orientieren, sei folglich immer noch vorteilhaft: Es helfe, potenzielle Bedrohungen schnell zu erkennen und ermögliche zudem, die Absichten und die Stimmung hochgestellter Mitmenschen augenblicklich einschätzen und so besser mit ihnen umgehen zu können.

Benedict Jones (University of Aberdeen, Schottland) et al.: Proceedings of the Royal Society B, doi: 10.1098/rspb.2009.1575 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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pi|e|to|so  〈[pi–] od. [pie–] Mus.〉 mitleids–, andachtsvoll (zu spielen) [ital.]

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