Einblicke in die "Pferdesprache" - wissenschaft.de
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Einblicke in die „Pferdesprache“

14-08-04 Pferd.jpg
Credit: Jennifer Wathan
Wo wären wir ohne dieses Tier? Das Pferd hat den Mensch buchstäblich durch die Geschichte getragen und gezogen – es wird bis heute genutzt, geliebt und aktuell auch wieder einmal erforscht: Britische Wissenschaftler haben dem Kommunikationsverhalten des Pferdes eine Studie gewidmet. Sie konnten experimentell belegen, welche zentrale Rolle den Augen und den beweglichen Ohren als Informationsquelle zukommt: Sie zeigen einem Pferd an, worauf sich die Aufmerksamkeit eines Artgenossen richtet.

„Unsere Studie ist die erste, die eine Informationsquelle der Kommunikation untersucht hat, über die der Mensch nicht verfügt: mobile Ohren“, sagt Jennifer Wathan von der Universität von Sussex. Bisherige Studien haben sich den Forschern zufolge nur mit Faktoren beschäftigt, die auch bei der menschlichen nonverbalen Kommunikation zum Tragen kommen: Blickrichtung und Stellung von Körper und Kopf. Die aktuelle Studie belegt nun die Rolle der Ohren beim Pferd und auch die der Blickrichtung. Bisher nahm man nämlich an, dass Tiere mit seitlich positionierten Augen die Blickrichtung von Artgenossen nicht als Informationsquelle nutzen.

Um der Pferdekommunikation auf die Spur zu kommen, fertigten Wathan und ihre Kollegin Karen McComb zunächst Fotos von Pferden an, die für etwas Bestimmtes Aufmerksamkeit zeigten. In der Form von lebensgroßen Abbildungen nutzten die Forscherinnen diese Fotos anschließend für ihre Experimente mit einer Reihe von Pferde-Probanden. Die Tiere wurden dabei vor die Bilder geführt – rechts und links davon befand sich jeweils ein Eimer mit Futter. Dabei zeigte sich, dass die Tiere die Aufmerksamkeitsrichtung des Pferdes auf dem Foto als Informationsquelle nutzten: Sie wandten sich dem Eimer zu, auf den der abgebildete Artgenosse hindeutete.

Was vermittelt die Botschaft?

Um nun herauszufinden, welche Details der Körpersprache diese Information vermitteln, veränderten die Forscher die Abbildungen. Sie drehten bei manchen die Kopfstellung oder deckten bei einigen die Augen oder die Ohren ab. Die Auswertungen der Versuche mit diesen Bildern zeigten: Die Richtung der Kopfdrehung ist als grundlegende Information wichtig, sie wirkt aber nur in Kombination mit der Stellung der Ohren und der Blickrichtung. „Um sich von einem anderen Pferd leiten zu lassen, müssen Pferde neben der Kopfrichtung auch die Informationen der Ohren und der Augen erfassen können“, resümiert Wathan das Ergebnis.

Wathan und McComb wollen die Kommunikation von Pferden nun in weiteren Studien  noch genauer untersuchen. Das komplexe Sozialleben und die enge Verbundenheit mit dem Menschen machen sie zu besonders interessanten Wesen für die Forschung, sagen die beiden Wissenschaftlerinnen. „Es gibt ein allgemeines Interesse daran, Tierarten mit komplexen Sozialstrukturen – wie beim Pferd – zu erforschen“, sagt Wathan. Und die Kommunikation spielt in solchen Systemen natürlich zweifellos eine zentrale Rolle.

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Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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