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Eingebauter Barcode

Jede Tierart besitzt ein einzigartiges genetisches Etikett, das ganz einfach lesbar ist: Die Sequenz eines bestimmten Gens variiert von Art zu Art so deutlich, dass sie wie ein Strichcode abgelesen werden kann und eine schnelle und eindeutige Identifizierung der jeweiligen Art ermöglicht. Das ist das Fazit von Untersuchungen mehrerer Forscherteams um den Biologen Paul Hebert von der Universität in Guelph (Kanada). Mithilfe der neuen Methode gelang es den Wissenschaftlern bereits, vier neue Vogel- und zehn neue Schmetterlingsarten zu identifizieren, berichtet der Online-Dienst der Fachzeitschrift Nature.

Bisher ist es äußerst aufwändig, ein Tier einer bestimmten Art zuzuordnen. Dabei werden entweder verschiedene äußerliche Merkmale der einzelnen Individuen wie die Schnabelform oder die Flügelfarbe miteinander verglichen oder eine Art genetischer Fingerabdruck angefertigt, bei dem eine Fülle von Gensequenzen und -aktivitäten untersucht wird. Wissenschaftler suchen daher schon seit längerer Zeit nach einer Möglichkeit, diese Zuordnung zu vereinfachen und exaktere Ergebnisse zu erhalten.

Als vielversprechendster Ansatz gilt dabei das so genannte DNA-Barcoding, bei dem nach einzelnen Gensequenzen gesucht wird, die sich von Art zu Art eindeutig unterscheiden. Bislang konnte jedoch kein passender DNA-Abschnitt identifiziert werden. Das scheint Hebert und seinen Kollegen nun jedoch gelungen zu sein: Beim Vergleich der 650 Bausteine des so genannten Cytochrom-c-Oxidase-Gens von 260 Vogelarten entdeckten die Wissenschafter deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten. Bei Angehörigen einer einzigen Art variierte die Sequenz dagegen kaum. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Methode auch bei Schmetterlingen problemlos anwendbar war.

Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, stünde der Entwicklung von einfachen Scannern, mit denen die Sequenz wie der im Handel verwendete Strichcode abgelesen werde kann, nichts mehr im Wege, hoffen die Forscher. Damit würden die langwierigen Begutachtungen äußerlicher Merkmale entfallen, und auch eng verwandte Arten könnten voneinander unterschieden werden. Ein weiterer Vorteil der Methode: Auch bei Fundstücken, bei denen nicht das gesamte Individuum erhalten ist, wäre eine problemlose Zuordnung der Art möglich.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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