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Umwelt+Natur

Einzeller gehen nicht auf weite Reisen

Mikroben bleiben ihrer Heimat unerwartet treu. Wissenschaftler gingen bislang davon aus, dass geographische Barrieren für die Ausbreitung von Kleinstlebewesen keine Rolle spielen. Doch nun fanden amerikanische Biologen große Unterschiede zwischen den Bewohnern heißer Quellen aus verschiedenen Regionen. Die Entdeckung stellt die bisherige Theorie uneingeschränkter weltweiter Verbreitung von Mikroben in Frage. Über die Ergebnisse ihrer Studie berichten die Forscher im Fachmagazin Science (Online-Vorabveröffentlichung, Scienceexpress vom 24. Juli).

Unter Mikrobiologen gilt die weithin akzeptierte Theorie, dass alle Kleinstlebewesen prinzipiell überall vorkommen ? allerdings überstehen nur jeweils einige Arten die Umweltbedingungen eines bestimmten Gebietes. Die Ökologie einer Region würde demnach das räumliche Verteilungsmuster der Arten vorgeben. Dieser Annahme widersprechen die Ergebnisse der Biologen um Rachel Whitaker von der Universität von Kalifornien in Berkeley.

Die Forscher verglichen das Erbgut bestimmter Mikrobenarten aus heißen schwefelhaltigen Quellen in Ostrussland, den USA und Island miteinander. Dabei fanden sie merkliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Populationen, die zwar unter sehr ähnlichen Umweltbedingungen lebten jedoch auf unterschiedlichen Kontinenten. Offenbar war jede Gruppe dieser so genannten Sulfolobus-Arten in ihrem Heimatgebiet geblieben, so dass mit der Zeit örtliche Erbgutvariationen auftraten. Demnach bestimmt nicht die Ökologie einer Region, sondern die räumliche Distanz, wie nahe einzelne Mikrobenarten miteinander verwandt sind.

Die geringe Ausbreitung der Sulfolobus-Arten könnte entweder auf die starke Spezialisierung dieser Archaea zurückzuführen sein, oder auf die Unfähigkeit von Immigranten, sich in bereits bestehende Lebensgemeinschaften einzugliedern. Die Forscher vermuten, dass die gefundene räumliche Isolierung auch bei einer Reihe anderer spezialisierter Einzeller auftreten könnte. Falls dies zutrifft, könnte die Vielfalt der Mikroben weitaus größer sein, als bisherige Schätzungen annehmen lassen.

ddp/bdw ? Christine Harbig
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