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Eisbären älter als gedacht

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Eisbären hatten mehr Zeit zur Anpassung an die Lebensbedingungen in der Arktis als ursprünglich angenommen. Bild: Hansruedi Weyrich
600.000 Jahre lang hatten Eisbären Zeit, sich an die Lebensbedingungen im arktischen Eis anzupassen. Schon so lange entwickeln sich Eis- und Braunbären getrennt voneinander. Dies ist das Ergebnis einer genetischen Studie von Wissenschaftlern der Frankfurter Senckenberg-Gesellschaft.

Bereits im letzten Jahr hatte man Spektakuläres über den Eisbären gehört: Erst vor maximal 166.000 Jahren, so die damaligen Forschungsergebnisse, habe sich die Entwicklungslinie der Eisbären von den Braunbären abgespalten. Dies würde bedeuten, dass Eisbären sich extrem schnell an die harten Lebensbedingungen in der Arktis angepasst hätten. Wahrscheinlich dauerte dieser Prozess doch einige 100.000 Jahre länger ? so das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Sowohl frühere Studien wie auch die Untersuchung der Senckenberg-Forscher beruhen auf Analysen der Erbsubstanz DNA ? mit dem Unterschied, dass man sich in den älteren Studien auf die Aussagekraft der so genannten mitochondrialen DNA verlassen hatte. Diese stellt nur einen kleinen Teil der gesamten Erbinformation dar und wird ausschließlich über die Mutter vererbt. Das Team aus Frankfurt bezog nun auch aus dem Zellkern in seine Untersuchungen mit ein und verglich die Erbinformation von insgesamt 45 Eis-, Braun- und Schwarzbären.

Das überraschende Ergebnis: ?Die Analyse Kern-DNA ergab ein völlig neues Bild von der Entwicklungsgeschichte der Eisbären als frühere Untersuchungen nahe gelegt hatten?, so Frank Hailer, der Erstautor der in der Fachzeitschrift ?Science? publizierten Studie. Die Linie der Eisbären erscheint nach den Ergebnissen der neuen Studie als Schwesterlinie und nicht mehr als Seitenast der Braunbären-Linie. Demnach spalteten sich die beiden Linien nicht vor maximal 166.000, sondern vor circa 600.000 Jahren. Die Schwarzbären hingegen sind von beiden Gruppen noch weiter entfernt: sie gehen schon seit etwa 950.000 Jahren eigene Wege.

Interessanterweise fanden die Forscher viele der genetischen Merkmale, die sie untersuchten, nur in der Eisbären-DNA. Dies bestätigte sie in der Erkenntnis, dass Eisbären eine eigene Art darstellen und keine erst kürzlich evolvierten Braunbären sind. Genetischen Austausch zwischen Eis- und Braunbären muss es trotzdem gegeben haben, sonst ließen sich die Ergebnisse der früheren Studien nicht erklären. Wahrscheinlich paarten sich Braunbärenweibchen mit männlichen Eisbären, und der Nachwuchs brachte die mitochondriale Braunbären-DNA wieder in den Genpool der Eisbären mit ein. Auch heute noch zeugen so genannte Hybridbären von gelegentlichen Tête-à-têtes zwischen Eis- und Braunbären ? sowohl im Zoo wie auch in freier Wildbahn.

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Was bedeutet dieses Ergebnis nun für das Schicksal der weißen Bären? ?Während der letzten 600.000 Jahre haben die Eisbären schon mehrere Warmphasen überlebt.?, so Frank Hailer. ?Neben der Klimaerwärmung und der damit verbundenen Begrenzung ihres Lebensraums stellen die Jagd durch den Menschen wie auch die Verschmutzungen ihrer Umwelt heute zusätzliche Probleme für die Eisbären dar. Falls sie tatsächlich aussterben, können wir also nicht den Klimawandel als Alleinschuldigen akzeptieren.?

Frank Hailer (Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Frankfurt) et al.: Science © wissenschaft.de – Maren Emmerich
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