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Elefantengedächtnis bestätigt

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ihr Ortsgedächtnis ist phänomenal: Afrikanischce Elefanten (thinkstock
Das Gedächtnis der Elefanten ist sprichwörtlich: Angeblich erinnern sie sich noch Jahre später an einen Artgenossen und auch die Wasserstellen in der Savanne sollen die Dickhäuter allein anhand ihrer Erinnerungen aufspüren. Ob letzteres tatsächlich auf ein gutes Ortsgedächtnis zurückgeht, haben Forscher mit Hilfe von GPS-Sendern überprüft. Und tatsächlich: Die Elefanten marschierten teilweise aus bis zu 50 Kilometern Entfernung schnurstracks auf ein Wasserloch zu, ohne ihre Richtung korrigieren zu müssen. Das spreche für ein detailliertes räumliches Wissen selbst über große Distanzen hinweg, so die Biologen.

Afrikanische Elefanten (Loxodonta africana) leben in einem Lebensraum mit sehr wechselhaften Bedingungen und weit verstreuten Ressourcen: In der Savanne werden Wasserstellen vor allem in der Trockenzeit rar, gleichzeitig nimmt auch das Nahrungsangebot ab. Um ihren Hunger zu stillen, müssen die grauen Riesen daher von einem Futterplatz zum nächsten ziehen – und zwischendurch immer wieder Wasser finden. „Einzelne Vertreter dieser Art wurden dabei beobachtet, wie sie mehr als 100 Kilometer weit wanderten, um entfernte Futter- und Wasser-Ressourcen zu erreichen“, berichten Leo Polansky von der Colorado State University in Fort Collins und seine Kollegen. Andererseits ist aber auch bekannt, dass Elefanten sowohl Geräusche als auch Gerüche über große Entfernungen wahrnehmen können. So kommunizieren sie über Kilometer hinweg durch Infraschall-Rufe mit ihren Artgenossen und erst im letzten Jahr belegte eine Studie, dass Elefanten eine der feinsten Nasen unter den Säugetieren besitzen. Es wäre daher nicht ausgeschlossen, dass sie sich bei der Wassersuche nicht allein auf ihr Gedächtnis verlassen, sondern sich auch nach olfaktorischen oder akustischen Hinweisen richten.

GPS-Sender für zehn Dickhäuter

Ob die Dickhäuter allein nach einer Karte in ihrem Kopf navigieren oder doch eher Gerüchen oder Rufen folgen,  haben Polansky und seine Kollegen nun in einer Langzeitstudie im Etosha-Nationalpark in Namibia untersucht. In weiten Teilen dieser Halbtrockensavanne ist die Vegetation in der Trockenzeit sehr spärlich, Gewässer gibt es nicht, die einzige Wasserquelle im Nationalpark sind Quellen, aus denen Grundwasser an die Oberfläche dringt. Für ihre Studie rüsteten die Forscher fünf weibliche und fünf männliche wildlebende Elefanten mit einem Senderhalsband aus. In diesem saß ein GPS-Modul, das alle 15 bis 30 Minuten Informationen über Position und Bewegungsrichtung der Tiere übermittelte. Über zwei Jahre hinweg konnten die Forscher so die Bewegungen der Elefanten bis auf rund drei Meter genau mitverfolgen.

Wie sich zeigte, steuerten die Elefanten nach einer Zeit des Fressens sehr gezielt die nächste Wasserstelle an. „Ihre Bewegungen waren dabei schnell und gerichtet – und unterschieden sich damit von ihren Bewegungen in andern Zusammenhängen“, so Polansky. Hatten sich die Elefanten einmal für eine Richtung entschieden, folgten sie ihr zudem nahezu geradlinig, bis sie das Ziel – das Wasserloch – erreicht hatten. Durch dieses Verhalten konnten die Forscher ziemlich genau den Moment identifizieren, in dem sich die Elefanten für das Aufsuchen der Wasserstelle entschieden: Er lag zwischen fünf und 50 Kilometer von diesem entfernt. „Das spricht für eine detailliertes räumliches Wissen auch über große Entfernungen hinweg“, sagt Polansky.

Karte im Kopf statt Geruch und Rufe

Nach Ansicht der Forscher gibt es zudem einige Faktoren, die gegen eine Orientierung an Gerüchen oder Rufen von Artgenossen sprechen. So war die Richtung, aus der die Elefanten die Wasserstelle ansteuerten, unabhängig von der Windrichtung. Außerdem veränderte sich die Treffsicherheit der Route auch in der Regenzeit nicht – obwohl dann zahlreiche nur kurz vorhandene Pfützen das Duftsignal einer weit entfernten Wasserstelle überlagern würden. Die Nutzung von akustischen Signalen ist nach Meinung der Wissenschaftler ebenfalls unwahrscheinlich. Denn man geht davon aus, dass das spezifische Hörvermögen der Elefanten nur etwa ein bis zwei Kilometer weit reicht – und die in der Studie beobachteten Tiere steuerten die Wasserlöcher meist aus weitaus größerer Entfernung an. „Außerdem ist es eine ziemlich riskante Strategie, allein durch akustische Hinweise auf Wasser zu schließen, denn nicht immer wird es solche Rufe geben“, meinen Polansky und seine Kollegen.

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„Unsere Analysen deuten darauf hin, dass Elefanten die räumlichen Gegebenheiten ihres Lebensraumes in Bezug auf ihre momentane Position sehr genau kennen“, konstatieren die Forscher. Alles spreche dafür, dass es tatsächlich das gute Ortsgedächtnis ist, das die Dickhäuter zu den Wasserstellen führt. Dies ermöglicht es ihnen, aus nahezu jeder Position heraus den jeweils kürzesten Weg zum nächsten Wasserloch zu finden – eine für ihr Überleben entscheidende Fähigkeit.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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