Umweltbundesamt-Studie zeigt Teufelskreis auf Elektrogeräte: An kurzer Lebensdauer sind auch wir schuld - wissenschaft.de
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Umweltbundesamt-Studie zeigt Teufelskreis auf

Elektrogeräte: An kurzer Lebensdauer sind auch wir schuld

Elektrogeräte
Nach wenigen Jahren schon Schrott: Elektrogeräte. (Foto: akiyoko/ Fotolia)
Ob Waschmaschine, Smartphone oder Fernseher: Viele elektrische Geräte nutzen wir nur wenige Jahre, dann kommen sie auf den Müll. Aber warum? Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt nun: Nicht nur die Hersteller sind schuld, auch unser Wunsch, immer das neueste Modell haben zu wollen, fördert die Müllspirale.

Elektrogeräte sind Ressourcenfresser: Ihre Produktion verbraucht wertvolle Rohstoffe und Energie und ihre Entsorgung belastet vielfach die Umwelt. Zwar sollen die Geräte deshalb eigentlich recycelt und umweltgerecht entsorgt werden, doch wie Forscher festgestellt haben, funktioniert die Entsorgung nicht einmal in der EU, geschweige denn weltweit. Zwei Drittel der entsorgten Geräte und Elektronik werden illegal exportiert, landen im normalen Müll oder werden gestohlen.

Forscher des Öko-Instituts und der Universität Bonn haben nun im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) untersucht, wie lange deutsche Verbraucher Elektrogeräte nutzen und ob es Hinweise darauf gibt, dass Hersteller ihre Produkte gezielt weniger haltbar machen. Diese sogenannte Obsoleszenz kann beispielsweise erreicht werden, indem man bewusst Schwachstellen einbaut, die schon nach kurzer Nutzung verschleißen oder das Gerät anderweitig funktionsuntüchtig machen.

Mehr Defekte, aber keine Obsoleszenz?

Doch die Ergebnisse zeigen, dass nicht allein die Hersteller verantwortlich gemacht werden können. Bei Haushaltsgroßgeräten wie Waschmaschinen oder Kühlschränken ist der Anteil der Geräte zwar gestiegen, die schon in den ersten fünf Jahre wegen eines Defekts ersetzt werden mussten. In den letzten zehn Jahren von 3,5 auf 8 Prozent, so die Studie. Bei rund einem Drittel der Verbraucher sorgt dies auch für Unmut.

Hinweise auf eine Obsoleszenz seitens der Hersteller wurden zwar nicht gefunden. Beispiele für eine schon im Gerätedesign eingebaute Lebenszeitbegrenzung gibt es aber durchaus. Ein Beispiel sind einige Tintenstrahldrucker, die nach einer Zeit nicht mehr funktionieren, weil eine Art Resttinten-Aufnahme voll ist. Auch Handys oder elektrische Zahnbürsten mit einem nicht austauschbaren Akku zwingen dazu, vorzeitig ein neues Gerät zu kaufen.

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Es muss immer das Neueste sein

Aber: Auch wir Verbraucher sind schuld. Denn selbst bei den Haushaltsgeräten war bei immerhin einem Drittel der Fälle nicht ein Defekt der Grund für einen Neukauf, sondern der Wunsch nach einem neuen, besseren Gerät. Und bei Unterhaltungselektronik sieht dies noch extremer aus: Vom Smartphone über das Notebook bis zum Flachbildfernseher werden viele Geräte ersetzt, obwohl sie noch völlig intakt sind.

„60 Prozent der Fernsehgeräte wurden bereits nach fünf bis sechs Jahren ausgetauscht, obwohl sie noch funktionierten“, sagt Oehme. Und immerhin 42 Prozent der Verbraucher kaufen alle zwei Jahre ein neues Handy – nicht weil das alte kaputt ist, sondern weil sie das so wollen. Einer der Gründe dafür: Gerade bei Fernsehern, Computern oder Smartphones sind die Zyklen, in denen neue Modelle und Technologien auf den Markt kommen, sehr kurz. Als Folge wächst die Neigung, sich immer wieder neue Geräte zu kaufen – egal wie gut das alte noch funktioniert.

Das jedoch führt zu einer fatalen Rückkopplung: Weil die Hersteller wissen, dass sich die Verbraucher ohnehin alle paar Jahre ein neues Gerät kaufen, testen sie die Geräte nicht mehr so umfassend und sparen auch an der Qualität. Sie kalkulieren mit einer bestimmten Produktlebensdauer, die sich nach Zielgruppen, Einsatzbereichen und Produktzyklen richtet. „Hersteller und Verbraucher interagieren miteinander und beeinflussen gegenseitig Produktentwicklungen und Konsummuster“, erklärt Ines Oehme vom Umweltbundesamt.

„Ökologisch bedenklich“

Aus Sicht des Umweltbundesamtes ist das bedenklich. Denn in allen untersuchten Produktgruppen – sei es der Fernseher, das Notebook oder die Waschmaschine – belasten die kurzlebigen Produkte unsere Umwelt deutlich stärker als Geräte mit langer Nutzungsdauer. Beispiel Waschmaschine: Im Vergleich liegen Energieaufwand und Treibhausgaspotenzial bezogen auf den gesamten Lebensweg bei einer fünfjährigen Maschine um rund 40 Prozent höher als bei einem 20jährigen Gerät. Dabei ist eine mögliche bessere Energieeffizienz schon berücksichtigt.

„Viele Geräte haben eine zu kurze Lebensdauer. Aus ökologischer Sicht ist das nicht akzeptabel“, sagt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. „Wir müssen über Mindestanforderungen an Produktlebensdauer und Qualität nachdenken – eine Art Mindesthaltbarkeit für Elektro- und Elektronikgeräte.“ Gleichzeitig seien aber auch die Verbraucher gefordert, ihre Geräte länger zu nutzen.

Was kann man tun?

Als Lösung für das Problem schlägt die Studie einen Mix an Strategien und Instrumenten vor. Neben den Mindestanforderungen zur Lebensdauer gehört dazu vor allem eine bessere Reparierbarkeit. Geräte müssen repariert werden können, um die Lebenszeit zu verlängern. Hierzu gehören zum Beispiel ein reparaturfreundliches Design und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, welche auch für nicht-herstellergebundene Werkstätten zugänglich sein sollten.

Zudem hapert es zurzeit noch an der Transparenz: „Man sieht dem Produkt nicht an, für welche Lebensdauer es konzipiert wurde. Auch der Preis ist da nicht immer ein zuverlässiger Indikator“, sagt Krautzberger. Das Umweltbundesamt fordert daher eine Kennzeichnung, die beispielsweise die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts in Nutzungsstunden angibt und auch über Verschleißteile und Reparaturmöglichkeiten Auskunft gibt.

Und nicht zuletzt sind auch wir selbst gefragt: Warum nicht mal das alte Handy verschenken oder verkaufen, statt es einfach zu entsorgen? Initiativen und Plattformen zum Verschenken, Teilen, Tauschen und Verleihen gibt es bereits in vielen Städten.

Quelle: Umweltbundesamt (UBA), Obsoleszenz-Studie ( PDF, 8 MB)

© natur.de – Nadja Podbregar
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