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Symbolträchtig

Elfenbeinküste bald ohne Elefanten?

Waldelefanten in der Elfenbeinküste, (Bild: Sery Gonedelé Bi)

Einst galt die Region als das Reich der Waldelefanten – die großen Bestände der Dickhäuter gaben der Elfenbeinküste ihren Namen. Doch nun drohen die symbolträchtigen Tiere ganz aus dem westafrikanischen Land zu verschwinden, warnen Forscher. Von den einst Tausenden von Tieren sind insgesamt nur noch etwa 225 Exemplare übrig geblieben, die noch dazu in voneinander isolierten Gruppen leben. Ähnlich wie in anderen Regionen Afrikas ist die Ursache des Rückgangs der Elefanten der mangelnde Schutz der Naturreservate, geht aus der Studie hervor. In der Elfenbeinküste machen sich in den Schutzgebieten vor allem immer mehr Kakao-Plantagen breit.

Während der Kolonialzeit war das Land im Westen Afrikas mit seinen enormen Elefantenbeständen eine reiche Quelle für das „weiße Gold“ – so entstand die Bezeichnung Elfenbeinküste. Der heutige Staat „Republik Côte d’Ivoire“ trägt auch in seinem Wappen einen Elefanten. Typisch für das Land waren die Waldelefanten (Loxodonta africana cyclotis), die in den einst riesigen Waldgebieten des Landes lebten. Das Verbreitungsgebiet dieser Unterart des Afrikanischen Elefanten umfasst die tropischen Regenwälder des zentralen und westlichen Teils Afrikas.

Durch die Bejagung zur Befriedigung der Nachfrage nach Elfenbein gingen die Bestände der Waldelefanten der Elfenbeinküste schon früh zurück. Doch wie die Forscher um Jean-Louis Kouakou von der Félix-Houphouet-Boigny-Universität in Abidjan berichten, hat zu dem katastrophalen Einbruch der jüngsten Zeit wohl erst der starke Verlust des Lebensraums der Waldelefanten geführt. Schätzungen zufolge gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch sechzehn Millionen Hektar Wald in der Elfenbeinküste, heute sind es nur noch vier Millionen Hektar und es wird immer weiter abgeholzt.

Verlust des Lebensraums

Die einstigen Naturgebiete verwandeln sich dabei vor allem in Kakao-Plantagen und dieser Prozess macht auch nicht vor den Schutzgebieten halt, die offenbar meist eher nur auf dem Papier existieren. Wie die Forscher berichten, legten bereits frühere Untersuchungen nahe, dass es nur noch wenige Restbestände von Waldelefanten in einigen der Reservate gibt. Um aktuellere Informationen zu erhalten, haben sie sich nun in 25 Schutzgebieten, in denen zumindest früher einmal Elefanten lebten, auf die Suche nach den Spuren der Dickhäuter gemacht. Die Autoren analysierten dazu Funde von Dung, Aufzeichnungen von Mensch-Elefanten-Konflikten, Medienberichte und Befragungsdaten aus den Jahren 2011 bis 2017. Zudem erfassten sie die Entwicklungen beim Waldbestand in den Schutzgebieten.

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Es zeigte sich: Nur in vier der 25 untersuchten Schutzgebiete konnten sie noch Waldelefanten nachweisen und dabei handelt es sich um kleine Populationen, wie aus den Hinweisen hervorgeht. Den Wissenschaftlern zufolge zeichnet sich letztlich ab, dass der Gesamtbestand der Waldelefanten der Elfenbeinküste in den letzten Jahrzehnten um etwa 85 Prozent eingebrochen ist. Vermutlich handelt es sich nur noch um insgesamt etwa 225 Exemplare.

Vor dem Aus durch mangelnden Schutz

„Die überwiegende Mehrheit der Schutzgebiete der Elfenbeinküste hat ihre gesamten Elefantenpopulationen als Folge fehlender Maßnahmen verloren“, schreiben die Forscher. Denn wie sie weiter berichten, kam es offenbar zu desaströsen Entwicklungen: Trotz des formellen Schutzstatus wurden Großteile der Gebiete in Farmen und menschliche Siedlungen verwandelt. Umgekehrt zeichnet sich ab: Reservate mit einem höheren Schutzniveau hatten auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, noch Elefanten zu beherbergen. Ihr Vorkommen innerhalb der Schutzgebiete wurde dabei klar durch den menschlichen Einfluss bestimmt: durch die Größe der Bevölkerung, die Beeinträchtigung des Lebensraums und die Ausbreitung der Kakao-Plantagen.

„Aus verschiedenen Gründen erscheint die Überlebensfähigkeit der restlichen Populationen nun fraglich“, schreiben die Forscher. Ein wichtiges Problem ist dabei die geringe Größe der Gruppen und ihre Isolation durch die Fragmentierung der Wälder. „Zum Schutz der verbliebenen Waldelefantenpopulationen sind drastische Erhaltungsmaßnahmen erforderlich, einschließlich der Strafverfolgung zum Schutz ihres verbleibenden Lebensraums und Maßnahmen gegen Wilderei“, sagen die Wissenschaftler.

Quelle: PLOS. Fachartikel: PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0232993

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